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Entlang der Isar führt die Trasse der Kanada-Loipe.

Überschwemmungsgefahr wegen neuer Flusslenkung

Die Kanada-Loipe ist gerettet – vorerst

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Es wächst und wächst an der Isar. Dabei  sollte es dort nur Kiesflächen geben. Zumindest ist das so bei der EU hinterlegt. Um diesen Zustand wieder herzustellen, wird ins Grün eine Schneise geschlagen. Doch an der ursprünglich geplanten Stelle, hätte das negative Auswirkungen auf die Loipen-Trasse gehabt. 

Wallgau – Sie ist eine besondere Attraktion für Wintersportler, die ihren Namen nicht ohne Grund trägt. Die Kanada-Loipe führt über rund 15 Kilometer von Wallgau entlang der Isar durch wildromantische Landschaften nach Vorderriß. „Als Tourismusdestination sind wir froh, dass wir sie haben“, hob Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) im Gemeinderat ganz bewusst hervor. Denn ein Teil der Trasse war in Gefahr, künftig überschottert zu werden. Zumindest, wenn die Regierung von Oberbayern von ihrem Vorhaben nicht ein stückweit abgerückt wäre.

Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim sollte die so genannte Reich’sche Maßnahme III umsetzen und die Isar redynamisieren – und zwar im Bereich der dritten Brücke, einer Schlüsselstelle der Kanada-Loipe. Heißt: Man hätte die bewachsenen Gebiete aufgerissen und den Wildfluss dort eingeleitet, um das Grün wegzuspülen. Die Folge: Der Loipenverlauf wäre zerstört worden, ohne auf eine Alternativroute ausweichen zu können.

Laut Bürgermeister passt das Verhältnis von Wasser und Geschiebe nicht zusammen

Warum das Ganze? Weil die Isar und ihr Umfeld im FFH-Management der Europäischen Union (EU) als offene Kiesfläche definiert ist. Nur entstehen dort zunehmend Weiden und ganze Auwälder. Allein 400 Blumen, die auf der Roten Liste stehen, haben sich entwickelt, sagt Zahler. Ein Problem, weil die Kontrollinstanz EU Begründungen für diese Szenerie einfordert.

Bei Hochwasser werden die Schleusen des Krüner Wehrs geöffnet und Feinsedimente mitgespült. 

Die Ursache für das Zuwachsen der Kiesflächen nannte der Rathauschef beim Namen. „Wenn man 80 Prozent der Wassermenge wegnimmt, aber 100 Prozent des Geschiebes bleibt, dann passt das nicht zusammen.“ Damit spielte er auf das Krüner Wehr an, das vom Unternehmen Uniper zur Stromerzeugung betrieben wird. Öffnen sich bei Hochwasser die Schleusen, werden Zahler zufolge zusätzlich jedes Mal Feinsedimente mitgespült, die sich ablagern. Der perfekte Nährboden für Pflanzen.

Die Gemeinde leistete Widerstand gegen die ursprünglichen Pläne. Bei zwei, drei Ortsterminen „haben wir kontrovers diskutiert“, teilte der Bürgermeister in der Sitzung mit. Die Verhandlungen verliefen gut. Bei den Verantwortlichen habe die Vernunft eingesetzt, meinte Zahler. Jedenfalls zeigte sich die Regierung von Oberbayern, konkret die Naturschutzbehörde, damit einverstanden, die Maßnahme an eine andere Stelle zu verlegen: Die Flusslenkung wird nun nördlich der Loipe verändert. Die Arbeiten haben bereits begonnen. Dort kann die Gemeinde damit leben, wenn es zu den beabsichtigten Überschwemmungen kommt. Doch Zahler warnt schon jetzt: Mittelfristig sei der Verlauf der Loipe zwar gesichert, auf Dauer kann er eine Überschotterung der Trasse nicht ausschließen.

Freiwilliger finanzieller Beitrag der Langläufer 

Für den Erhalt des touristischen Angebots muss die Gemeinde selbst viel Energie aufwenden. Vor allem aus finanzieller Sicht. Zahler informierte die Gemeinderäte über die Kosten, die für den Unterhalt im Jahr 2017 angefallen waren. Er selbst sei überrascht gewesen, weil diese höher ausfielen als gedacht. Ein Defizit klafft. Wallgau bleibt im Jahr auf rund 23 400 Euro sitzen. Deshalb empfindet es der Rathauschef auch als „grenzwertig“, wenn Anrufe vom Gasthaus Post in Vorderriß kommen und Forderungen gestellt werden. Schließlich profitiere dieses von der Loipe, finanzielle Unterstützung gibt es aber nicht. Noch nicht.

Alle Beteiligten sollen ins Boot geholt werden. Einstimmig beauftragten die Kommunalpolitiker die Verwaltung, sich unter anderem mit der Gemeinde Lenggries ins Benehmen zu setzen, um eine Kostenbeteiligung auszuhandeln.

Zahlers Vize, Karl-Heinz Schwaiger (Wählerverein), wies indes auf die Einnahmen aus den Parkgebühren hin. Diese liegen dem Bürgermeister zufolge lediglich bei etwa 3000 Euro. Sein Vorschlag: einen freiwilligen Beitrag einzuführen. Der Gemeinderat einigte sich auf zwei Euro, die die Langläufer künftig zahlen sollen. Das entsprechende Hinweisschild und eine Möglichkeit, das Geld einzuwerfen, werden auf der östlichen Seite des Isarstegs ihren Platz finden.

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