Verfolgten gebannt das tierische Spektakel: 5000 Zuschauer fieberten 2016 beim ersten Ochsenrennen mit.
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Verfolgten gebannt das tierische Spektakel: 5000 Zuschauer fieberten 2016 beim ersten Ochsenrennen mit.

Feuerwehrverein sieht keine andere Möglichkeit

Wallgauer Ochsenrennen erst 2026: Nächste Veranstaltung fällt Corona-Maßnahmen zum Opfer

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Der Wallgauer Feuerwehrverein zieht die Reißleine und sagt sein Ochsenrennen ab. Der neue Termin ist erst für das Jahr 2026 angesetzt.

Wallgau – 5000 Augenpaare sind auf Jaggl gerichtet. Denn Jaggl ist ein Champion. Mit seinem Reiter Hans Achatz Junior übertrumpft der Ochse an diesem Augusttag im Jahr 2016 seine tierische Konkurrenz. Jaggl geht in die Geschichte ein. Genauso wie das erste Ochsenrennen des Wallgauer Feuerwehrvereins.

Florian Neuner schwärmt noch heute von der Mammutveranstaltung. Der Schriftführer des Feuerwehrvereins Wallgau erinnert sich noch gut, wie verblüfft er und seine Kameraden damals waren in Anbetracht des schier gigantischen Erfolges ihrer Premiere – nicht nur für den Jaggl und seinen Reiter Achatz. Sondern viel mehr über die gewaltige Resonanz dieser Großveranstaltung. „Die war enorm.“

Das zweite Ochsenrennen ist die nächste Großveranstaltung, die Corona zum Opfer fällt

Nun hat Neuner als Schriftführer eine traurige Aufgabe. Er muss die Absage der für Anfang August geplanten zweiten Auflage des kuriosen Rennens in Worte fassen. Am Donnerstag ist die Mitteilung rausgegangen. Aus und vorbei. Das zweite Ochsenrennen ist die nächste Großveranstaltung im Isartal, die der Corona-Pandemie und ihren Folgen zum Opfer fällt.

Seit drei Jahren planen die Feuerwehr-Kameraden bereits. „Jetzt wäre es eigentlich in die heiße Phase gegangen“, sagt Neuner. Doch ziehen sie die Reißleine. Den Teilnehmern des Rennens zuliebe. „Wir als Verein hätten schon noch weiter planen können“, meint Neuner. „Aber unsere Rennteilnehmer – seien es die Ochsenhalter oder die Reiter – müssen sich ja intensiv auf den Wettbewerb vorbereiten“, erklärt der Schriftführer. Das ist natürlich mit erheblich viel Zeit und Arbeit verbunden. „Wenn wir dann als Veranstalter erst kurz vor dem Rennen alles absagen, war diese geleistete Arbeit umsonst.“

Seit 2018 steckte der Feuerwehrverein in den Planungen

Damit endet die aufwändige Planungsphase. Seit 2018 ist in jeder Ausschusssitzung das Fest Thema gewesen. Es wurde organisiert und koordiniert. Dann kam im vergangenen Jahr Corona und mit ihr der erste Schlag in die Magengrube: Der Zeltverleiher für das große Bierzelt hat den Feuerwehrkameraden abgesagt. Dennoch hatten die Kameraden rund um Kommandant Johann Holler Hoffnung. Sie planten einfach mit einem kleineren Zelt – Teilnehmer- und Besucherzahl sollten gleich bleiben. Man war noch guter Dinge.

Bis die Pandemie und ihre Schutzauflagen sich auch noch in dieses Jahr zogen. „Dann wurde es langsam eng“, sagt Neuner. Sämtliche Auflagen haben sich stets in die Länge gezogen – genauso wie die Aussicht auf Lockerungen. Aus Weihnachten wurde Fasching, dann Ostern, und nun sieht es aus, als wenn nicht einmal vor Pfingsten eine gewisse Normalität ins Land ziehen wird. „Wir können noch überhaupt nicht absehen, ob die Inzidenzzahlen im Sommer eine Veranstaltung in dieser Größe überhaupt zulassen.“

Feuerwehrverein kann die Verantwortung nicht tragen

Deshalb wissen auch Holler und seine Mitstreiter, dass die Auflagen für eine Veranstaltung dieser Größe selbst im August noch so enorm sein werden, „dass wir als Verein diese Verantwortung leider nicht tragen können“. Schließlich ist das Ochsenrennen selbst in einem „normalen“ Jahr ein intensiver Kraftakt, der seines Gleichen sucht. Der Feuerwehrverein muss wegen des tierischen Spektakels vieles mit den zuständigen Behörden abklären – wie Gesundheits- oder Veterinäramt. Die Auflagen, um Ochsen auf einer Rennstrecke reiten zu lassen, sind enorm. Würden dann noch die Corona-Auflagen hinzu kommen, ist das für die Ehrenamtlichen in keiner Weise mehr stemmbar.

„Natürlich haben wir uns viele Gedanken gemacht“, sagt Neuner. „Überlegt, wie es uns möglich wäre, die Veranstaltung trotzdem stattfinden zu lassen.“ Doch kam schnell die Ernüchterung. „Alleine das Hygienekonzept für mehrere tausende Besucher ist vom Aufwand und der Verantwortung her für uns nicht umsetzbar.“

Der Feuerwehrverein will aber an seinem Ochsenrennen grundsätzlich festhalten. Der Erfolg von 2016 gibt ihm da recht. Doch haben die Ehrenamtlichen nun beschlossen, nicht zu verschieben, sondern ihrem Fünf-Jahres-Rythmus treu zu bleiben. Heißt also für Reiter und Ochsen: Geduld aufbringen. Denn das nächste Rennen soll erst im Jahr 2026 stattfinden. „Dann wird es hoffentlich wieder möglich sein.“

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