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Da waren sie noch optimistisch: (v. l.) Franz-Martin und Hubertus Leismüller vor dem Kirchenböbl. 

Politikum in Wallgau

Leismüllers Kirchenböbl-Traum geplatzt

Eine Schnapsbrennerei im Herzen Wallgaus wird es nicht geben. Gemeinde und die Interessenten-Familie Leismüller gehen getrennte Wege. Damit ist das eingetreten, was sich schon seit langem angedeutet hat. Somit stehen die Zeichen auf Abriss des Kirchenböbls.

WallgauDass die Verbindung zwischen der Gemeinde und der Familie Leismüller keine Traumbeziehung sein würde, das hat sich im Wallgauer Rathaus schon lange abgezeichnet. Wie zwei Raubtiere beschnupperten sich beide Seiten, argwöhnisch wartete der eine, was der andere tut. Keine gute Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Dieses monatelange Gewürge hat nun ein Ende: In einer Stellungnahme verkündet Franz-Martin Leismüller den Rückzug von den Vertragsverhandlungen – „aufgrund der schlechten Erfahrungen in der letzten Zeit von Seiten der Gemeinde“. Also noch einmal eine volle Breitseite Richtung Rathausspitze. Leismüllers konkreter Vorwurf: „Die Aussagen von Bürgermeister Hansjörg Zahler sind aus unserer Sicht vage und seine Handlungsweise für eine gegenseitige Zusammenarbeit für eine Gemeinde unwürdig und von uns nicht zu akzeptieren.“ Gleichzeitig bedauert der potenzielle Investor: „Unsere zahlreichen Angebotsvarianten bis hin zum unterschriftsreifen Vertragsentwurf unsererseits fanden leider keinen Anklang.“

Damit ist der Traum der einheimischen Gebrüder Franz-Martin und Hubertus Leismüller, den verwaisten Kirchenböbl wieder auferstehen zu lassen, endgültig geplatzt. Die beiden wollten das 121 Jahre alte Anwesen am Dorfplatz der Gemeinde abkaufen und dort eine Schau-Schnapsbrennerei realisieren.

Im Gemeinderat fanden sie dafür mit Zweitem Bürgermeister Karl-Heinz Schwaiger, Bernhard Wilde (beide Wählerverein), Hans Baur (Junge Mitarbeiter) und Robert Kuplwieser (CSU) stets verlässliche Fürsprecher.

Letzterer scheint dem Vernehmen nach in der jüngsten – nicht-öffentlichen – Sitzung am 7. Juni abgesprungen zu sein. Wie Bürgermeister Zahler (CSU) auf Nachfrage bestätigt, votierte der Gemeinderat mit 10:3 dafür, von Vertragsverhandlungen mit den Leismüllers Abstand zu nehmen. Eine entsprechende Benachrichtung an die betroffene Familie solle demnächst erfolgen, teilt der Rathauschef ferner mit. Somit sind die Leismüllers mit ihrer Presse-Mitteilung dieser Abfuhr zuvorgekommen. Vorausgesetzt, ein Vöglein hat die neueste, geheime Kunde aus dem Rathaus nicht den Leismüllers ins Ohr gezwitschert.

Einer, der bis zuletzt gegen die Ausbootung der Leismüllers gekämpft hatte, war Hans Baur. Umso enttäuschter zeigt er sich von dem jüngsten Votum. „Sie wollen einfach keine privatrechtliche Lösung.“ Damit zielt der Jurist vornehmlich auf die Bürgermeister-Partei CSU ab. Wie nicht anders zu erwarten, scheiterten die Gespräche an drei strittigen Eckpunkten des Kontraktentwurfs: die Höhe des Erbpachtzinses, die Vertragslaufzeit und die Konditionen bei einem etwaigen Rückkauf.

Bürgermeister Zahler macht keinen Hehl daraus, nie Freund eines Verkaufs an eine Privatperson gewesen zu sein. Denn erst vor fünf Jahren hatte er es für 480 000 Euro im Namen der Kommune der Raiffeisenbank abgekauft. Die harschen Vorwürfe von Franz-Martin Leismüller an seine Person weist er entschieden zurück: „Mein Job ist es, die Interessen der Gemeinde zu vertreten und nicht die seinen.“ Nun will Zahler möglichst bald einen Grundsatzbeschluss herbeiführen, ob der Kirchenböbl einem Neubau weichen soll oder nicht. Die Zeichen stehen angesichts der Mehrheitsverhältnisse auf Abriss. Dann bleibt Baur und Co. nur mehr eine Möglichkeit: ein Bürgerentscheid.

Christof Schnürer

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