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Hickhack um den Kirchenböbl

Das Ende der Harmonie? Wallgaus Rathaus-Vize nagelt Bürgermeister fest 

Das Verhältnis zwischen Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler und seinem Stellvertreter Karlheinz Schwaiger scheint Risse zu bekommen. Auslöser ist das Dauerthema Kirchenböbl, das den Gemeinderat seit langem in zwei Lager spaltet.

Wallgau – Seit bald zehn Jahren bilden die beiden im Wallgauer Rathaus das Führungsduo. Lange Zeit passte zwischen Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) und seinen Stellvertreter Karlheinz Schwaiger (Wählerverein) kein Blatt. Doch im Zuge der langwierigen Kirchenböbl-Debatte scheint das einst harmonische Verhältnis leichte Risse zu bekommen.

Bestes Beispiel dafür war die Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend. Am Ende einer lebhaften Diskussion forderte Schwaiger den Bürgermeister auf, noch einmal mit den Kirchenböbl-Interessenten, den Gebrüdern Leismüller, zu reden. „Das wäre schon angebracht.“ Als der Vize nach einem verbalen Hickhack mit Zahler diesem das Versprechen abringen wollte, dass er noch einmal persönlich bei den Leismüllers vorstellig und das auch im Sitzungsprotokoll verankert werden sollte, reagierte der Rathauschef ungewohnt dünnhäutig und gereizt. Als Kämmerer Hans Zahler nachfragte, was er nun in der Niederschrift vermerken solle, antwortete Zahler brüsk: „Schreib’ nei, wosd mogst!“ Offenbar verhagelte Schwaigers Insistieren dem Rathauschef die Stimmung, drückt es doch vor allem eines aus: Misstrauen gegenüber der Vorgehensweise Zahlers.

Der eigentliche Anlass der jüngsten Kirchenböbl-Diskussion war ein Schreiben von Franz-Martin Leismüller, der bekanntlich Interesse an der gemeindeeigenen Immobilie am Dorfplatz bekundet und dort eine Schnapsbrennerei realisieren möchte. Eine Idee, die Schwaiger, Hans Baur (Junge Mitarbeiter), Julia Schwarzenberger, Bernhard Wilde (Wählerverein) sowie Robert Kuplwieser (CSU) gefällt. Bei den anderen – vornehmlich der CSU – hält sich die Begeisterung eher in Grenzen.

Ende November hatte der Gemeinderat gegen den Widerstand der Leismüller-Partei Verhandlungseckpunkte für einen Erbbaurechtsvertrag durchgeboxt. Diese wurden Leismüller zugestellt. Dieser ist mit einigen der Richtlinien offenbar gar nicht einverstanden. In dem Antwortschreiben, das der Bürgermeister am Donnerstag im Rathaus verlas, spart der Unternehmer nicht mit Kritik. Es sei festzustellen, „lieber Hansjörg, und ich gehe ja nicht davon aus, dass Du mich für so naiv einschätzt, dass ich nicht erkennen kann, welche Tücken die Verhandlungseckpunkte enthalten“. Diese machten es fast unmöglich, den Kirchenböbl zu erhalten. „Aber das entspricht durchwegs dem modernen politischen Zeitgeist.“

Der Bürgermeister kann diese Spitzen Leismüllers nicht nachvollziehen, spricht von einem „Vorwurf unlauterer Vorgehensweise“. Zahler interpretiert die Leismüller-Replik wie folgt: „Es besteht keine Verhandlungsbasis in Sachen Erbbaurechtsvertrag.“ Gleichzeitig kündigte er an, dass in der nächsten Sitzung in drei Wochen „eine grundsätzliche Entscheidung“ getroffen werden solle.

„Es ist bedauerlich, wenn das so eine Entwicklung nimmt“, meinte Baur, der das Eckpunkte-Papier nach wie vor als „investitionsfeindlich“ bezeichnet. Weder er noch Kuplwieser lesen aus dem Leismüller-Brief eine Ablehnung heraus. Ebenso wenig Karlheinz Schwaiger, der folglich sehr hartnäckig für einen weiteren Gesprächstermin mit Leismüller warb – und den Bürgermeister damit sichtlich nervte.

Schnürer Christof

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