Beliebter Treffpunkt: „Schuwi’s Laderl“ ist mehr als nur ein Lebensmittelgeschäft.

Enttäuscht vom Vorgehen der Gemeinde

Kirchenböbl: Wallgaus vergessener Laden

Die Diskussionen über den Kirchenböbl ebben in Wallgau nicht ab. Egal, welches Zukunftsmodell erörert wird. Ein Name fällt dabei nie: Schuwerk. Diese eingesessene Familie betreibt seit zwölf Jahren erfolgreich das, wovon einige Bauern im Ort seit einiger Zeit träumen: einen Dorfladen.

Wallgau – Ein Wochentag im Oktober. Es ist kurz vor 9 Uhr. In „Schuwi’s Wurst- und Getränkeladerl“ herrscht ein Kommen und Gehen. Ein Ehepaar mit unverkennbar rheinischem Dialekt gönnt sich ein Haferl Kaffee, der Hund muss draußen warten. Derweil versorgen sich zwei Handwerker mit Leberkäs-Semmeln, während ein anderer Kunde zwei Flaschen Bier in seinen Rucksack steckt. Petra Schuwerk (51) und ihre Tochter Lisa (26) haben an diesem Vormittag ordentlich zu tun hinter der Theke.

„Zu uns kommen viele Einheimische und ältere Leute“, erzählt die Chefin, die seit 2005 gemeinsam mit ihrem Mann Stefan Schuwerk (51) das kleine Geschäft an der Mittenwalder Straße 2 betreibt. Mit dem Umsatz ist das Ehepaar zufrieden. Wobei: „Es ist schon ein ewiger Kampf“, sinniert der „Schuwi“, wie ihn die Wallgauer nennen.

„Uns stinkt, dass keiner mit uns redet.“

Bei ihm gibt’s frische Wurst aus Mittenwald, Käse aus Ettal und vom Tegernsee. Ebenfalls Getränke, Kartoffeln, Brot, Semmeln und Brezen – all das, was man für den täglichen Bedarf braucht. Daneben kommen die Kunden auf einen Ratsch vorbei. Ohne dass der Name an der Hauswand prangt, ist der „Schuwi“ das, wovon einige Bauern im Ort gerade träumen: Ein waschechter Dorfladen, in dem nicht nur Lebensmittel verkauft werden, sondern wo auch das Leben pulsiert.

Umso enttäuschter sind die Schuwerks bei der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Kirchenböbls, dass sie bei den Überlegungen der Dorferneuerer und Gemeinde offenbar überhaupt keine Rolle spielen. „Schuwi“, der vergessene Laden? Tochter Lisa spricht den Groll unverblümt aus: „Uns stinkt, dass keiner mit uns redet.“ Die gelernte Friseurin ist vor einigen Jahren in den elterlichen Betrieb – dazu gehört seit fünf Jahren auch ein Getränkehandel in Krün – eingestiegen. Im Gegensatz zum Vater, eigentlich Elektriker von Beruf, nennt die junge Frau die Dinge beim Namen. „Der Papa frisst das eher in sich rein.“ Kaum ausgesprochen, geht schon wieder die Ladentüre auf. Diesmal ist es ein hungriger Mitarbeiter eines Krüner Installationsbetriebes.

„Als wenn wir nicht dazu gehören würden“, ergänzt Mutter Petra den Gedanken ihrer Tochter. Doch die Schuwerks sind keineswegs auf Krawall gebürstet. „Wir wollen uns doch nicht unbeliebt machen“, verdeutlicht Lisa Schuwerk, „aber es ist einfach schade“. Existenzängste hat die Familie nicht. „Es ist immer wieder weitergegangen“, sagt der Senior.

Ihm gefällt die Idee der Wallgauer Gebrüder Leismüller, den verwaisten, gemeinde-eigenen Kirchenböbl am benachbarten Dorfplatz zu erhalten und eine Schnapsbrennerei darin unterzubringen, sehr gut. Und warum sollte er in diesem ehemals landwirtschaftlichen Anwesen nicht auch den viel beschworenen Dorfladen mit regionalen Produkten heimischer Bauern betreiben können – er ist ja sozusagen vom Fach. Grundsätzlich abgeneigt scheint Stefan Schwerk nicht zu sein. „Ich bin grundsätzlich für alles offen.“ Doch wie gesagt: Gesprochen hat von offizieller Seite noch niemand mit ihm.

Christof Schnürer

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