+
Liebling der Medien: Magdalena Neuner ist nach wie vor ein gefragter Interviewpartner. 

Ex-Biathletin stört sich an Generalverdacht

Magdalena Neuner im Interview zu Olympia: „Ein Großteil der Sportler ist sauber“

  • schließen

Olympische Winterspiele – für Magdalena Neuner (30) eine außergewöhnliche Geschichte. Mit einem ganz eigenen Zauber, den sie als Biathletin in Vancouver 2010 miterlebt hat. Olympia aber ist auch eine Geschichte mit Beigeschmack – gerade jetzt, vor den Spielen in Pyeongchang. 

Frau Neuner, Biathlon-Wettbewerbe sind bei Ihrem olympischen TV-Programm vermutlich gesetzt. Welche Sportarten dürfen Sie sonst nicht verpassen?

Magdalena Neuner: Ich könnte den ganzen Tag Fernsehen. Es gibt keine Disziplin, die mich gar nicht interessiert. Besonders fiebere ich freilich bei allen nordischen Disziplinen mit... Eigentlich bei jeder Sportart mit Skiern. Ob Ski alpin, Skicross, Freestyle oder Buckelpiste. Zum Teil kenne ich die Athleten, da wird es dann besonders spannend. Und Skispringen nicht zu vergessen. Das gefällt meinem Buam besonders gut.

Besser als Biathlon?

Neuner: Zumindest schaut er beim Skispringen genauer zu und hüpft vor dem Fernseher immer mit. Das ist sehr lustig.

Nennt man das sportliche Früherziehung?

Neuner: (lacht) Wer weiß. Mein Traum von Olympia hat jedenfalls auch vor dem Fernseher begonnen.

Erzählen Sie.

Neuner: An meinem elften Geburtstag durfte ich vor der Schule noch die Olympischen Spiele in Nagano schauen. Es lief Biathlon, Einzel der Frauen, Uschi Disl hat Bronze gewonnen. Da hab’ ich mir gedacht: Ich will einmal Olympiasiegerin werden. Dieser Traum hat mich ab dem Zeitpunkt nicht mehr losgelassen.

2010 in Vancouver ist er wahr geworden. . .

Neuner: . . . das i-Tüpfelchen meiner Karriere.

Schwarze Schafe gibt es immer wieder

Haben Sie bei den beiden Goldmedaillen an das kleine Mädchen vor dem Fernseher gedacht?

Neuner: Vor allem hab’ ich gedacht: Das gibt’s doch nicht. Ich konnte einfach nicht fassen, was da passiert ist.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie es begriffen haben.

Neuner: Erst, als ich wieder zu Hause war, ein bisschen zur Ruhe gekommen bin. Da hab’ ich kapiert: Dein Traum ist tatsächlich in Erfüllung gegangen.

Vor den Spielen jetzt stand besonders die Diskussion über den Ausschluss der russischen Sportler im Zentrum.

Neuner: Puh ja, ständig gab es eine neue Nachricht darüber. Genauso wie generell zum Thema Doping. Angeblich kann man jetzt die neuen Urinproben-Flaschen problemlos manipulieren. Das ist ja alles ein Wahnsinn.

Dagegen war es zu Ihrer Zeit fast ruhig, was Doping-Nachrichten betrifft.

Neuner: Ruhiger zumindest. Aber es gab ja auch genug Vorfälle. Wenn ich zum Beispiel an Jekaterina Jurjewa denke (die Russin gewann bei der WM 2008 Gold, Silber und Bronze, wurde 2009 wegen EPO-Dopings zunächst für zwei Jahre gesperrt, 2014 jedoch erneut überführt und trat zurück, Anm. d. Red.). Wir sind gemeinsam beim Abendessen gesessen, haben uns unterhalten, sind gut ausgekommen. Und am nächsten Tag stellt sich heraus: Sie hat gedopt. Da verliert man schon ein wenig das Vertrauen.

Glauben Sie noch an den sauberen Sport?

Neuner: Auf jeden Fall. Ein Großteil der Sportler ist sauber. Ich lege auch meine Hand für die deutschen Athleten ins Feuer, die ich kenne: Keiner von ihnen verfolgt böse Absichten. Nur leider gibt es immer wieder schwarze Schafe, die ein schlechtes Bild auf alle werfen.

Hat sich denn bei Zuschauern die Meinung verfestigt: ,Ihr Sportler nehmt doch sowieso alle was.‘?

Neuner: Ich fände es so schade. Aber einige denken das bestimmt. Genau diesen Satz haben Leute zu mir schon gesagt. Das schockiert mich. Auch, weil ich mich da nicht mit hineinziehen lassen will. Ich habe definitiv nie verbotene Substanzen zu mir genommen. Generell ist diese Sichtweise unfair allen sauberen Sportlern gegenüber.

Videos: Aktuelles von Olympia in Pyeongchang

Neuner verfolgt Winterspiele am TV

Kommen wir zu einem anderen Aspekt der Spiele in Pyeongchang. Ihre Erfahrungen mit den Weltmeisterschaften dort waren nicht die besten – sportlich und auch, was die Atmosphäre anging. Denken Sie, wir werden stimmungsvolle Winterspiele erleben?

Neuner: Es stimmt, die WM 2009 hat sich nicht wie eine WM angefühlt, die Stimmung hat gefehlt, nur wenige Zuschauer waren da. Aber man kann das nicht vergleichen. Jetzt wird die Atmosphäre eine besondere sein – weil Olympische Spiele stattfinden. Die haben einen eigenen Zauber. Und als Sportler freut man sich darauf – egal, wo sie stattfinden. Und auch, wenn es Kimchi zum Frühstück gibt.

Bitte was?

Neuner: (lacht) Kimchi, ein koreanisches Nationalgericht, so ein spezieller Kohl.

Kohl zum Frühstück – klingt grauenhaft.

Neuner: Das hab’ ich auch nicht unbedingt gebraucht. Aber generell hat mir die Küche gut geschmeckt. Die Athleten brauchen sich aber keine Sorgen zu machen. Sie bekommen jedes Gericht, das sie sich wünschen.

Sie haben immer gesagt: Sie müssen nicht unbedingt nochmal nach Pyeongchang, auch nicht als Expertin für die ARD. Jetzt fahren Sie wirklich nicht. Ist doch Wehmut dabei?

Neuner: Ich finde das gar nicht schlimm. Ursprünglich hatte ich mich ja darauf eingestellt, nachdem die Übertragungsrechte an Eurosport gingen.

ARD und ZDF berichten nun aber aus Korea. Haben Sie darüber nachgedacht, doch zu fliegen?

Neuner: Sehr intensiv sogar. Wir haben mit dem Sender hin- und her überlegt. Das Problem ist: Die Wettkämpfe, die die beiden Sender im Wechsel zeigen, sind über beide Wochen verteilt. Für mich als Mama von zwei kleinen Kindern (Tochter Verena ist drei Jahre alt, Sohn Seppi 15 Monate, Anm. d. Red.) sind fünf Tage Verreisen die Schmerzgrenze. Im schlechtesten Fall hätte ich nur einen Wettkampf erlebt. Das macht keinen Sinn. Jetzt übernimmt Kati Wilhelm meinen Teil, darüber bin ich sehr froh.

Und Sie können in den Urlaub fahren.

Neuner: Genau, in der Biathlon-Saison und jetzt in der Zeit vor Olympia ist einiges los bei mir. Da hab’ ich zu meinem Mann gesagt: Lass uns furtfahren. Eine Woche Skiurlaub, eine Woche Familienzeit. Ganz entspannt. Darauf freue ich mich sehr.

Aber die Spiele werden Sie vermutlich dennoch verfolgen.

Neuner: Freilich. Ich hab’ mir schon aufgeschrieben, wann die Biathlon-Wettbewerbe stattfinden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Beratung bei „Frau Agnes“: SkF eröffnet Außenstelle in Mittenwald
Café trinken, Kontakte knüpfen, kompetente Beratung erhalten – und das alles gleichzeitig: Dieses Angebot gibt es nun in Mittenwald. Der Sozialdienst katholischer Frauen …
Beratung bei „Frau Agnes“: SkF eröffnet Außenstelle in Mittenwald
Spektakulärer Abstieg bei Mittenwald: Hirten bringen Schafe ins Tal - auf gefährlichsten Pfaden
Das ist kein Arbeitsplatz für jedermann: Junge Hirten haben am Wochenende die letzten Schafe von den Almen am Bärnalpl bei Mittenwald in Richtung Tal abgetrieben. …
Spektakulärer Abstieg bei Mittenwald: Hirten bringen Schafe ins Tal - auf gefährlichsten Pfaden
Ziegenzüchter mit zwölf: Dieser Bub hat ein tierisch-wichtiges Hobby
Andere in seinem Alter haben Meerschweinchen, Katzen oder Hunde als Haustiere. Der zwölfjährige Max Kissinger aus Bad Kohlgrub kümmert sich lieber um seine Ziegen. Der …
Ziegenzüchter mit zwölf: Dieser Bub hat ein tierisch-wichtiges Hobby
Sommer, Sonne, viele Gäste: So fällt das Zwischenfazit der Freibäder aus 
Sogar von einem Rekordsommer ist die Rede – Temperaturen bis zu 38 Grad, strahlend blauer Himmel, Wochen voller Sonnenschein. Das bekommen die Freibäder und …
Sommer, Sonne, viele Gäste: So fällt das Zwischenfazit der Freibäder aus 

Kommentare