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Vor Gericht gab es für den Angeklagten unter anderem eine Geldstrafe.

Geldstrafe für Promillesünder 

„Brotzeit-Fahrt“ ins Verderben

Es war einer der schwersten Verkehrsunfälle im Oberen Isartal in den zurückliegenden Jahren – ausgelöst durch Leichtsinn und vor allem Alkohol. Der Wallgauer, der sich nun vor dem Amtsgericht verantworten musste, kam mit einer Geldstrafe und einem Fahrverbot davon.

Oberes IsartalDiese sogenannte Brotzeit-Fahrt war eine Tour ins Verderben: Es kommt einem Wunder gleich, dass der Frontal-Zusammenstoß eines mit jungen Männern beladenen Pickups mit einem Kleinwagen am 10. September 2016 keine Toten gefordert hatte. Sechs zum Teil Schwerverletzte und zwei Pkw, die nur mehr Schrottwert haben, lautete die Schreckensbilanz dieser Karambolage. Der verantwortliche Mann am Steuer, ein 19-jähriger Wallgauer, ist nun mit einer Geldauflage von 3000 Euro, 80 Sozialstunden und zwölf Monate ohne Fahrerlaubnis vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen verhältnismäßig glimpflich davon.

Das Geschehen dieses Horrorunfalls hatte sich laut Staatsanwalt Michael Hauber ausschließlich aus der Sorglosigkeit junger Isartaler entwickelt – Wallgauer, Krüner und Mittenwalder. Am Tag nach dem Schafabtrieb war diese fröhliche Truppe hinauf zur Wallgauer Alm (1540 Meter) gefahren. Für den Transport sorgte der 19-jährige Angeklagte, der sich den Pickup seines Onkels ausgeliehen hatte. Letztlich waren es zehn junge Burschen, mit denen das Fahrzeug vor allem auf der Ladefläche zwecks „Brotzeitmachen“ beladen war, wie der Wallgauer sagte. Richter Paul Georg Pfluger ergänzte: „Brotzeit mit viel Alkohol.“

Etwa um 17 Uhr begann die gemütliche Tour, gegen 23 Uhr kutschierten die alkoholisierten Männer wieder hinunter ins Tal. Nach Hause wollten sie noch lange nicht. Ihr nächstes Ziel war eine Disko in Mittenwald.

Der Wallgauer hatte zu diesem Zeitpunkt 1,23 Promille Alkohol im Blut, wie die Polizei hinterher ermittelte. Dann die Katastrophe: Kurz vor der Einmündung der Bundesstraße 11 in die B 2 bei Krün geriet der Angeklagte mit seinem Pickup auf die Gegenspur und prallte frontal mit dem Pkw einer 24-jährigen Wallgauerin zusammen. Diese erlitt bei der Kollision zahlreiche Verletzungen. Bis zum heutigen Tag plagen sie Kniebeschwerden.

Noch übler hat es den Verursacher erwischt – beispielsweise am Brustkorb. Zudem zog er sich lebensgefährliche Schnittverletzungen am Bauch zu. Von den Mitfahrern auf der Ladefläche waren fünf mehr oder weniger erheblich lädiert – multiple Rippenbrüche und Gehirnerschütterungen.

Völlig geschockt durch das schlimme Ereignis hatte der Auslöser des Unglücks trotz seiner Verletzungen die Unfallstelle verlassen und sich in der nahen Wohnung einer früheren Freundin versteckt. Weil auch die anderen Isartaler erst einmal das Weite suchten, musste die Polizei ausrücken, um alle Beteiligten zusammenzusuchen. „Ohnehin waren sie alle mehr oder weniger betrunken“, berichtete ein Polizeibeamter.

Der Beschuldigte, der im Übrigen den Sachverhalt rückhaltlos einräumte, soll laut seinem Verteidiger Franz Großhauser mittlerweile die Konsequenzen gezogen und den Alkoholkonsum völlig eingestellt haben. Daneben hat der Wallgauer sich nicht zuletzt wegen der Vorbereitung auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) an die Suchtberatungsstelle Condrobs gewandt.

Während der Staatsanwalt schließlich gegen den schon voll im Berufsleben stehenden Angeklagten gemäß Erwachsenenrecht eine Geldstrafe von 5500 Euro forderte, hielt Anwalt Großhauser dessen Verhalten für nach wie vor „jugendtypisch“, sprach von einer „vorbildlichen Sozialprognose“ und plädierte für allenfalls 80 Sozialstunden sowie 3000 Euro Geldauflage und ein Jahr Fahrerlaubnis-Sperre. Genau an diesen Antrag hielt sich Richter Pfluger: „Ein typischer Alkoholunfall“, konstatiert der Vorsitzende. „Denn die Erfahrung mit sogenannten gemütlichen Brotzeiten müsste einem sagen, dass es nicht bei der Brotzeit bleibt, sondern meist auch Alkohol im Spiel ist.“ Darum sei die Ursache des Unfalls auch eher jugend- als erwachsenentypisch.

Die 3000 Euro Geldstrafe kommen übrigens dem Tierschutzverein Garmisch-Partenkirchen zu Gute, und die zwölf Monate Fahrverbot zählen ab Mai dieses Jahres. Denn seltsamerweise wurde dem jungen Wallgauer erst zu diesem Zeitpunkt der Führerschein abgenommen.

Wolfgang Kaiser

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