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Immerhin: Wenigstens kann  CSU-Ortsvorsitzender Bernhard Neuner (2. v. r.) Mitglieder auszeichnen, wenn‘s mit den Wahlen schon nicht geklappt hat. Geehrt werden (v. l.) Bürgermeister Hansjörg Zahler, Veronika Stelzl und Gemeinderat Robert Kuplwieser.

Mitglieder schwänzen Jahresversammlung

Schwarzer Tag für Wallgauer CSU

Schwarz, schwärzer, Wallgau – in keinem anderen Ort im Landkreis wird in der Wahlkabine so oft das Kreuzerl bei der CSU gemacht wie in dem Isartal-Dorf. Umso blamabler ist es, dass der Ortsverband der Christsozialen die fälligen Neuwahlen abblasen musste – zu wenig Mitglieder waren zur Jahresversammlung gekommen.

Wallgau – Am Ende einer denkwürdigen Sitzung macht ein interessanter Vorschlag die Runde: Statt Neuwahlen sollte der Punkt Freibier auf die Tagesordnung gesetzt werden. Möglicherweise kommen dann mehr Mitglieder zur Jahresversammlung der Wallgauer CSU. Eine neue Führungsmannschaft konnten die Schwarzen angesichts gähnender Leere im Nebenraum des Gasthofs Isartal nicht küren. Ein Fiasko – ausgerechnet in dem Dorf, dessen Bürger seit Jahrzehnten teilweise mit bis zu knapp 90 Prozent (Landtagswahl 2003) ihr Kreuzerl bei der CSU setzen.

„Ich kann mir Leute doch nicht schnitzen“

„Was soll ich machen?, lamentiert Ortschef Bernhard Neuner junior (48) gegenüber dem Tagblatt. „Ich kann mir die Leute doch nicht schnitzen.“ Der Posthalter will nun in ein paar Wochen einen zweiten Versuch starten. Mit Grausen denkt er an den schwarzen Tag beim „Neuwirt“ – 1978 die Geburtsstätte der Wallgauer CSU – zurück.

Gegen 20 Uhr, dem offiziellen Beginn der Jahresversammlung, blickt man am Vorstandstisch in lange Gesichter. „Werden es nicht mehr?“, lautet dort die bange Frage. Selbst nach einer akademischen Viertelstunde herrscht personell gesehen immer noch Ebbe im Saal.

Angst vor einem Vorstandsposten

Alles Warten hilft nichts: Am Ende sitzen im Gasthof Isartal Bürgermeister Hansjörg Zahler, vier der fünf CSU-Gemeinderäte (außer Georg Rauch), drei Mitglieder sowie die gleichfalls verdutzten Ortsvorsitzenden Rudi Haller (Mittenwald) und Peter Schwarzenberger (Krün) in beinahe familärer Runde zusammen. Der Gast aus Krün bemerkt mit etwas zeitlichem Abstand: „Das war schon irgendwie komisch.“

Dabei würde es der Wallgauer CSU nicht an Masse fehlen. Immerhin zählt der Ortsverband noch 52 Gleichgesinnte. Gut, früher waren es mehr. „Einige sind ausgetreten wegen der Preiserhöhung“ verrät der Ortsvorsitzende. Bei jetzt 70 Euro pro Jahr hört bei denen der Spaß auf. Doch wo war der immer noch stattliche Rest? Vorsitzender Neuner hat da seine Theorie: Die meisten blieben der Sitzung fern, weil sie Angst hatten, sie müssten einen Posten übernehmen. 

Freibier statt Wahlen

Gar nicht mal so abwegig. Denn im Vorfeld hatte der Posthalter nach eigenem Bekunden fieberhaft so gut wie alle Parteifreunde im Dorf abtelefoniert und sie gebeten, sie mögen doch den frei werdenden Posten des Kassiers – bislang Veronika Stelzl – oder des Schriftführers übernehmen. Diese Aufgabe versah bis zu seinem Austritt Andreas Rieger. Dieser erschien natürlich nicht mehr beim Neuwirt, wie so viele andere auch. Kurzerhand traten die Vorsitzenden der Isartaler Ortsverbände und Bürgermeister Zahler zu einem Krisengipfel zusammen. Schnell reifte der Entschluss, sowohl die Entlastung des Vorstands als auch die Wahlen mangels Masse abzublasen. „Die Satzung gibt das nicht her“, verdeutlichte Zahler, selbst 16 Jahre an der Spitze (1995 bis 2011). Immerhin konnte die illustre Runde ohne Beanstandung die scheidende Schatzmeisterin Stelzl von ihren Aufgaben entbinden. Diese hatte vor einigen Monaten aufgrund von Anfeindungen im Dorf desillusioniert ihr Gemeinderatsmandat abgegeben.

Die CSU-Kasse übernimmt nun notgedrungen bis auf Weiteres CSU-Ortsvorsitzender Neuner. Sonst macht’s ja keiner. Mittlerweile sitzt auch beim Posthalter der Frust tief. „Wie soll ich die CSU führen?“, fragt er sich gegenüber dem Tagblatt. „Ich hab’ nebenbei ja noch ein Geschäft zu führen.“ Und die Familie verlangt auch nach ihrem Recht.

Vielleicht sollte er es in einigen Wochen vielleicht doch mit Freibier probieren.

Christof Schnürer/Leonhard Habersetzer

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