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Der alte Teil des Gebäudes soll bei der Planung erhalten bleiben. 

Beim aktuellen Zustand wird‘s nicht bleiben

Nach dem Brandbrief: Gemeinde Wallgau peilt Neubau der Grundschule an

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Nicht billig, aber nachhaltig: In Wallgau soll die bisherige Grundschule einem Neubau weichen. Zu dieser von drei Varianten hat sich der Gemeinderat einstimmig bekannt.

Wallgau – Hansjörg Zahler (CSU) konterte. In „Wie-du-mir-so-ich-dir“-Manier. Auf das Schreiben, das Elternbeirat und Leitung der Grundschule Wallgau wegen den Sicherheitsmängeln in der Einrichtung verschickt hatten, reagierte er in gleicher Form. Schriftlich und an dieselben Adressaten gerichtet – Landratsamt, Regierung von Oberbayern, Kultusministerium, Kommunale Unfallversicherung und Tagblatt. Im Gemeinderat las Zahler seinen Brief vor, sparte darin ebenfalls nicht mit Zurechtweisungen. Aber viel bedeutsamer: Er zeigte die Handlungsoptionen für das weitere Vorgehen mit dem Gebäude auf (siehe unten). Das Gremium favorisierte die radikalste Variante.

Einstimmig votierte der Gemeinderat dafür, Abriss und Neubau der Bildungseinrichtung, in der vier Klassenzimmer untergebracht sind, weiter zu verfolgen. Das alte Schulhaus würde erhalten bleiben. Die Option verschlingt rund 3,97 Millionen Euro, inklusive Container. Trotzdem fährt man Zahler zufolge damit besser. Seine Rechnung: Zieht man die Container ab, die rund 440 000 Euro kosten, komme kein großer Unterschied zwischen Komplettsanierung und Neubau heraus. „Wenn wir’s in dieser Dimension angehen“, sagte der Rathauschef, „dann g’scheid.“

Gemeinderäte wollen Schulstandort erhalten

Alles eine Frage der Abwägung: Beim Neubau wäre ein aktuelles pädagogisches Konzept möglich, ein Umbau dagegen finanziell schwer zu kalkulieren. Erfahrungsgemäß kommt es bei letzterem gern zu Überraschungen, die die Kosten in die Höhe treiben. Das gab auch Vize-Bürgermeister Karlheinz Schwaiger (Wählerverein) zu bedenken. Über drei Millionen Euro für eine Sanierung, sagte er, „das ist eine gewagte Summe“. Bernhard Wilde (Wählerverein) sprach sich ebenfalls für Modell drei aus, brachte jedoch noch einen Vorschlag ein, um den Geldbeutel zu entlasten. „Vielleicht könnte man die Klassen woanders unterbringen, zum Beispiel im Lesesaal Krün.“

Einigkeit herrschte bei den Gemeinderäten auch in einem grundsätzlichen Punkt: den Erhalt des Schulstandorts Wallgau. „Das ist von essentieller Bedeutung“, betonte Zahler. Noch vor ein paar Jahren gab es wegen der sinkenden Schülerzahlen Gedankenspiele, Krün und Wallgau zusammenzulegen. Jetzt liegen gute Prognosen vor. Das bestätigten in der Sitzung Rektorin Jutta Teschner und Schulrat Markus Köpf, der das Gremium über Rechtliches und Fördermodalitäten aufklärte. Das politische Bekenntnis zur Selbstständigkeit wurde im Beschluss explizit aufgenommen. Ebenso, vorbereitend das Gespräch mit den schulbeteiligten Gemeinden Kochel, Krün und Jachenau sowie den zuständigen Fachbehörden zu suchen. Ganz nach den Richtlinien, die Köpf erklärt hatte.

Keine Lebensgefahr für Kinder

Der Schulrat bezog aber auch Stellung zu demSchreiben der besorgten Eltern, die darin neben fehlendem Informationsfluss seitens der Gemeinde, in persona Zahlers, über diverse schwerwiegende Defizite an der Schule klagten. Zahler las auch dessen Brief in der Sitzung vor. Köpf räumte darin zwar Mängel grundsätzlich ein, eine Gefahr für Leben und Gesundheit der Kinder, wie behauptet wurde, bestehe aber nicht.

Ein paar der beanstandeten Mankos waren der Gemeinde bekannt und werden als Teil verschiedener Maßnahmen in den Sommerferien behoben. Manche hat der Bauhof bereits beseitigt. Mit dem Schulhaus befasst sich die Kommune seit November 2017 intensiv. Sie ließ ein Brandschutzgutachten anfertigen, welches nun vorliegt. „Als Sofortmaßnahmen wurden ein zusätzlicher Fluchtweg in Form einer Gerüsttreppe und vernetzte Brandmelder installiert“, las Zahler aus seinem Schreiben vor. Alles in enger Abstimmung mit dem Landratsamt, das Treppe samt Ausstieg genehmigte.

In den Sommerferien steht einiges an Arbeit an: Rauchabschnittstüren werden eingebaut und Eingangstüren zweier Klassenzimmer aus dem Rauchabschnitt „Treppenhaus“ verlegt. „Hierzu läuft ein Förderantrag bei der Regierung von Oberbayern, innerhalb dessen die Schulsanierung in drei Teilabschnitten beantragt wurde“, berichtete der Bürgermeister. Ein wichtiger Punkt: Handelt die Gemeinde, ehe sie den Förderbescheid erhält, gehen die Zuschüsse flöten. Am 20. Juli trudelte die Zusage über einen Betrag von 120.000 Euro ein.

Bürgermeister fordert sachliche Gesprächsebene

Ganz unkommentiert wollte Zahler das Vorgehen von Elternbeirat und Schulleitung nicht lassen. Weil er dieses für den falschen Weg erachtet. Ihm wäre es wichtig, wieder auf eine „sachliche und weniger emotionsgeladene Gesprächsebene zum Wohle unserer Kinder zurückzukehren“. Damit spielte er unter anderem auf WhatsApp-Gruppen an, in denen das Ganze hinter seinem Rücken thematisiert wurde. Ansprechpartner Nummer eins für ihn sei aber der Gemeinderat, weil dieser über die kommunalen Finanzen entscheidet. Falls sich trotzdem jemand von ihm schlecht informiert gefühlt habe: „Dafür entschuldige ich mich gerne.“

Die drei Handlungsoptionen:

Kleine Sanierung/Schönheitsreparaturen: Dies würde bedeuten, dass das Gebäude erhalten bleibt und notwendige Reparaturen sowie Kleinsanierungen (zum Beispiel Toiletten) gemacht werden. 

Komplette Sanierung des ganzen Gebäudes: Diese Variante würde auf der vorhandenen Bausubstanz aufsetzen, eine Auslagerung des Schulbetriebs in Container könnte unterbleiben, da im Zuge der Sanierung auch das Dachgeschoss als Schulraum ausgebaut und ein zweites Treppenhaus installiert werden würde. Kostenpunkt: geschätzt 3,15 Millionen Euro. 

Abriss und Neubau der Schule: Dieser Ansatz verspricht eine optimale Umsetzung eines modernen, pädagogisch abgestimmten Raumprogramms. Ein Nachteil liegt in der Notwendigkeit der Auslagerung des Schulbetriebs und den sich daraus ergebenden Kosten von etwa 440 000 Euro. Dieser Betrag ist Bestandteil der Gesamtinvestition in Höhe von rund 3,97 Millionen Euro.

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