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Ein Hang, zwei Welten: Der Lärm vom Pax-Heim (unten l.) erzürnt die Nachbarn.

Von wegen Frieden: Krach am Krepelschroffen

Nächtlicher Lärm im Wallgauer Asylbewerberheim: Nachbarn schlagen Alarm

In Wallgau prallen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite die Asylbewerber aus dem Haus Pax, auf der anderen Seite der Vermieter von Ferienwohnungen, der über massive Lärmbelästigung durch die neuen Nachbarn klagt. Der Bürgermeister fordert von den Betreibern der Flüchtlingsunterkunft ein schnelles Handeln.

Wallgau – Pax kommt aus dem Lateinischen und heißt Frieden. Doch mit dem scheint es im Viertel um das gleichnamige Gästehaus vorerst vorbei zu sein. Anwohner und Urlauber im Umkreis der Wallgauer Asylbewerber-Unterkunft am Krepelschroffen fühlen sich durch nächtlichen Krach um den Schlaf gebracht. Die Verantwortlichen im Rathaus sind alarmiert.

Dass die Einheimischen mit den Multikulti-Familien im ehemaligen Priester-Erholungsheim fremdeln, zeigte sich schon vor einem Jahr. Nur wenige Wallgauer folgten der Einladung zum gegenseitigen Beschnuppern bei einem Nachbarschaftstreff. Ein Hang, zwei Welten – das ist auch zwei Jahre nach dem Einzug von Flüchtlingen im „Pax“ die bittere Realität. Annäherung? Fehlanzeige.

Ein Hauptgrund dafür: Anscheinend nicht in den Griff zu kriegende Lärmprobleme. Einer der Betroffenen ist Georg Ostler, der direkt oberhalb vom Pax in seinem Anwesen Ferienwohnungen betreibt. „Ich habe mehrere Schreiben von meinen Urlaubsgästen bekommen“, berichtet der 75-Jährige. „In denen wird angekündigt, dass sie unser Haus als Urlaubsziel wegen des ständigen Lärms in Zukunft meiden werden.“

Aufgrund eingereichter Beschwerden wurde zwar auf Anordnung der Gemeinde der Spielplatz auf die abgewandte Talseite des Flüchtlingsheims verlegt, aber der Krach ist geblieben. „Weil die Kinder die Rutsche immer wieder auf unsere Seite herübertragen und den ganzen Tag lärmen.“ Als Ostler das monierte, sollen ihm zwei Bewohner sogar mit der Faust gedroht haben. „Ich habe das alles nur der Gemeinde und nicht der Polizei gemeldet, weil wir einfach nur unsere Ruhe haben wollen.“

Wie ein Schalltrichter

Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) kann den schriftlich formulierten Ärger der Urlauber nachvollziehen. „Hätten wir eine Kurgebietssatzung, dann wäre zumindest über die Mittagszeit Ruhe.“ Der Rathauschef hat selbst bemerkt, dass durch die Lage der Ostler-Ferienwohnungen „der Lärm wie durch einen Schalltrichter nach oben geleitet und verstärkt wahrgenommen wird“.

Die Probleme sind auch der zuständigen Asylstelle bei der Caritas in Garmisch-Partenkirchen bekannt. „So massiv wie es Herr Ostler beschreibt, ist es aber nicht. Das sind Ausnahmefälle“, glaubt Fachdienstleiterin Laura Eder. „Wir haben mit ihm schon Lärmschutzmaßnahmen besprochen.“ Da es sich beim größten Teil der Bewohner um offizielle Bürger handelt, plädiert Eder bei solchen Vorfällen dafür, die Polizei zu rufen. Denn Rundum-Betreuung wird es im Pax nicht mehr geben. Der neue Heimleiter Jesus Pagan – nach Andreas Werner und Timothy Power seit Mai 2016 bereits der Dritte – muss sich zudem um die Unterkunft in Ettal kümmern.

„Vorwürfe berechtigt“

Den nächtlichen Krach aus der Küche – vor einem Jahr wurde versichert, dass dort um 20 Uhr zumindest der Strom für den Ofen abgeschaltet wird, begründet Eder mit dem islamischen Fastenmonat Ramadan, bei dem erst ab 22 Uhr gegessen und getrunken werden darf. „Das passt doch nicht mit der Versicherung des Stromabstellens zusammen“, schimpft Zahler. „Die Vorwürfe der Anwohner sind berechtigt.“

Caritas-Mitarbeiterin Eder warnt vor allgemeiner Schuldzuweisung. „Das betrifft nur wenige Bewohner, und die bereiten ihre Speisen meistens vor 20 Uhr vor. Außerdem kann normalen Bürgern ja auch nicht verboten werden, sich abends einmal einen Tee in der Küche zu kochen.“

Beschwerdeschreiben

Für Rathauschef Zahler sind die 31 Pax-Bewohner – davon 20 mit einem sogenannten Aufenthaltstitel – aber auch Bürger von Wallgau. „Weil wir uns im Ort immer rücksichtsvoll verhalten und die Flüchtlingskinder erfolgreich in Schule und Kindergarten integriert sind, erwarten wir zu Recht, dass sich die Erwachsenen als Gäste unseren Gepflogenheiten anpassen.“ Gleichzeitig warnt der Bürgermeister: „Wenn dieser Prozess so ungesteuert so fortgesetzt wird, dann geht es in den Graben.“

Die Beschwerdeschreiben der Urlauber wurden übrigens von der Gemeinde an das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen weitergeleitet. „Ich habe eine sehr deutlich formulierte E-Mail geschrieben“, teilt Zahler mit. „Eine Antwort haben wir bis heute nicht erhalten.“

Wolfgang Kunz

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