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Laura Dahlmeier kann sich bei Olympia auf ihren Servicemann verlassen.

Wallgauer spürt „ein bisschen Druck“

Ohne ihn läuft nichts bei Olympia: Das ist der starke Mann hinter Laura Dahlmeier

Schnell ist sie, Laura Dahlmeiers Skier aber auch: Dafür sorgt Albert Neuner aus Wallgau. Er kümmert sich in Pyeongchang um die dünnen Brettl der fünffachen Biathlon-Weltmeisterin.

Wallgau – Die Szene, als er vor knapp einem Jahr die frischgebackene Weltmeisterin Laura Dahlmeier in Hochfilzen freudestrahlend auf der Schulter durch die Menge trug, wird Albert Neuner noch lange in guter Erinnerung behalten. Fünfmal Gold und einmal Silber für die Garmisch-Partenkirchnerin – das Premierenjahr für ihren Servicemann aus Wallgau im Biathlon-Weltcup war phänomenal. Etwas bescheidener drückt es der starke Mann im Hintergrund aus: „Es ist ganz gut gelaufen“, meint der „Hackl-Albert“.

Ein Hoch auf die Weltmeisterin: Auf Service-Mann Albert Neuner kann sich Top-Biathletin Laura Dahlmeier auch in Südkorea immer verlassen.

Nun bereitet sich der Zollbeamte und Nebenerwerbslandwirt auf die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) vor. Zwar spürt der 30-Jährige „ein bisschen Druck“, doch letztlich überwiegt die Vorfreude auf das Unternehmen Südkorea.

Bis Neuner an Ort und Stelle ist, müssen zehn Stunden im Flugzeug überstanden werden. Richtung Fernost geht es für ihn und die fünf Kollegen vom Techniker-Team am 3. Februar. Die „Ski-Wachsler“, die unter der Leitung des gebürtigen Mittenwalders und Kati-Wilhelm-Ehemanns Andreas Emslander stehen, bilden sozusagen die Vorhut. Zwei Tage später reisen dann die Sportler an.

Koreanisches Winterphänomen

Auf dem Wettkampfkurs im Alpensia Resort betritt der Wallgauer kein Neuland mehr. „Wir kennen die Strecke und die Wetterverhältnisse.“ Die sind selbst für einen weit gereisten Service-Mann des Deutschen Skiverbands gewöhnungsbedürftig. Untertags ist’s warm. „Geht um 19 Uhr aber die Sonne unter, macht’s schnipp, dann kommt der Wind, und es wird kalt“, beschreibt Neuner das Winterphänomen auf der koreanischen Halbinsel.

Das wiederum beeinflusst die Schnee-Temperatur enorm. „Die ist entscheidend für uns, welchen Ski wir in Betracht ziehen.“ Die alles entscheidende Frage. Denn Laura Dahlmeier kann noch so gut in Form sein, fährt sie mit dem falschen Material, hat sie im Feld der Weltklasse-Läuferinnen nicht den Hauch einer Chance.

30 Paar Skier pro Athlet

Das gilt es für das DSV-Techniker-Team unter allen Umständen zu verhindern. Dessen Arbeit beginnt exakt vier Stunden vor dem Start. „Als erstes schauen wir uns die Strecke an.“ Für Neuner und seine Kollegen ist auch hier das entscheidende Kriterium: „Wie ist der Schnee?“ Die Experten unterscheiden in die drei Kategorien warm, mittel und kalt. Im Wachs-Container – bei Weltcuprennen werkelt man im eigenen DSV-Truck – werden pro Athlet nach der Schnee-Analyse sechs bis acht Paar Skier ausgewählt. Was nicht immer ganz einfach ist. „Jeder Sportler hat bis zu 30 davon.“

Warum Laura Dahlmeier bei den Olympischen Spielen nicht die deutsche Fahne tragen wird, lesen Sie hier.

Sind die in Frage kommenden Brettl ausgewählt, werden diese, wie es im Fachjargon heißt, abgewachst. „Mit denen gehe ich dann raus zum Testen“, sagt Neuner, der selbst viele Jahre als Biathlet unterwegs war. Jetzt sind es noch zweieinhalb Stunden bis zum Start.

Profil wie Autoreifen

Nach 30 Minuten in der Loipe bleiben zwei Paar Skier übrig. Dann erfolgt der Wachs- und Strukturtest. Struktur kann man sich vorstellen wie das Profil auf Autoreifen. Dieses wird per Hand auf die Brettl gedruckt. 45 Minuten dauert dieser Vorgang. Nun darf nichts mehr schiefgehen. „Das muss passen, sonst werden die Skier nicht fertig“, beschreibt der Wallgauer dieses entscheidende Procedere.

Noch eineinviertel Stunden bis zum Wettkampf. Jetzt kommen die Sportler. Diese laufen mit dem auserkorenen Material eine komplette Runde. „Eine Stunde vor dem Start ist Deadline“, meint Neuner, „dann müssen die Skier im Container sein“. Dort wird dem Fortbewegungsmittel der Biathleten das endgültige Wachs und die finale Struktur verpasst – fertig. Anschließend steht für Dahlmeier und Co. Anschießen und Warmmachen auf dem Programm.

Im Grunde ist damit die Arbeit von Albert Neuner getan. Doch nun steigt bei ihm und seinen Service-Kameraden die Anspannung. „Bei der ersten Runde sind wir immer nervös.“ Denn dann zeigt sich, ob die Materialwahl tatsächlich eine gute war.

Alle 154 Athleten, die in Pyongchang für Deutschland antreten, sehen Sie hier.

Christof Schnürer

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