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Diskutabel: Die provisorische Fluchttreppe.

Eltern schlagen in Wallgau Alarm

Sicherheitsmängel an Schule: Brandbrief an Bürgermeister

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Der bauliche Zustand der Wallgauer Grundschule bereitet vielen Mamas und Papas große Sorge. Stolperfallen, versperrte Rettungswege, mangelhafte Fluchttreppe und vieles mehr bemängeln sie in einem mehrseitigen Schreiben an den Bürgermeister. Ihm lasten sie vor allem eines an: keinerlei Informationen.

Wallgau – An Ostern hieß es noch: In den Sommerferien wird die Wallgauer Grundschule zur Baustelle. Doch daraus wird – zumindest im großen Stil – vorerst nichts. Ein Umstand, der dem Elternbeirat gar nicht schmeckt. „Nach unserer Ansicht ist mit dem jetzigen Bauzustand die Sicherheit unserer Schüler nicht gewährleistet“, heißt es in einem mehrseitigen Schreiben, das aufgrund des brisanten Inhalts durchaus als Brandbrief aufgebrachter Mamas und Papas bezeichnet werden kann.

Den Schwarzen Peter bekommt dabei Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) zugeschoben. „Da mehrere Versuche der Kontaktaufnahme mit Ihnen negativ verliefen, uns als Elternbeirat keine Auskünfte gegeben werden“ beziehungsweise eine geplante Besichtigung „durch Sie nicht erlaubt wurde“, sehen sich die Elternvertreter „gezwungen“, Landratsamt, Regierung von Oberbayern, Kultusministerium und die Kommunale Unfallversicherung zu informieren. Das Schreiben schließt mit der Erkenntnis, dass „die Mängel nach unserer Meinung mittlerweile so offensichtlich sind, dass ein ,Weiter so‘ nicht mehr funktionieren kann“. Gleichzeitig empfehlen Elternbeiratsvorsitzende Stephanie Kröll und sieben weitere Unterzeichner einen Blick zu den Nachbarn: „Dass es auch anders geht, ist an den Schulen in Mittenwald und Krün deutlich sichtbar.“

Starker Tobak

Starker Tobak für den Bürgermeister, dem sogar eine Art Ultimatum gestellt wird. „Wir bitten Sie hiermit, uns als Elternbeirat bis zum 20. Juli 2018 darüber Auskunft zu geben, welche Maßnahmen bis zu welchem Zeitpunkt geplant und ausgeführt werden...“ Auf das geharnischte Schreiben angesprochen, das der Heimatzeitung vorliegt, meint Kröll: „Es geht uns um den Brandschutz und die Sicherheit unserer Kinder, die stehen im Vordergrund.“ Ihr Elternbeiratskollege Stephan Seestaller fügt mit ernstem Ton hinzu: „Wir machen uns Sorgen – und nichts geht weiter!“ Ihm zufolge könnten die Sicherheitsmängel „mit geringen Mitteln“ gelöst werden“.

Akuter Handlungsbedarf

Akuter Handlungsbedarf besteht laut Schreiben beim neu angebrachten Rettungsweg im Zweiten Obergeschoss mit 51 Zentimetern Durchgangsbreite – „viel zu schmal“ lautet die Analyse, zumal auf die Kinder im Katastrophenfall dort noch eine „zirka 21 Zentimeter hohe Stolperfalle“ wartet. Auch die Fluchttüre lasse sich nur „schwergängig“ öffnen. Besorgniserregend ist für die Eltern zudem die Außentreppe in Form eines Baugerüstes. „Das Geländer ist bereits herausgebrochen, weitere Außenabsicherungen sind nicht vorhanden.“ Ein Elternbeiratsmitglied will dort bereits spielende Kinder auf dem Gerüst beobachtet haben.

Enorme Bauchschmerzen bereitet Kröll und Co. auch der Übergang vom Zweiten Obergeschoss auf die Außentreppe. „Die tragende Platte ist auf der Mauerseite auf zwei Holzlatten verschraubt. Diese sind bereits gebrochen, die Schrauben verbogen und lediglich am Fensterrahmen verschraubt.“

Bedenklich ist laut Elternbeirat ferner der Haupteingang. Dessen Außentüre ist während des Unterrichts ständig versperrt und von den Schülern nicht zu öffnen. „Im Falle eines Brandes müsste erst eine Lehrkraft mit Schlüssel sich den Weg durch alle Schüler frei machen.“

Vielzahl von Mängeln

Eine Vielzahl von Mängeln also, die die Elternsprecher schon seit langem ausgemacht haben wollen. Umso frustrierter sind sie, dass sie im Rathaus ihnen zufolge auf taube Ohren stoßen. Auch Rektorin Jutta Teschner weiß keinen Rat mehr. „Es passiert einfach nichts.“ Für die Pädagogin noch schlimmer: „Man wird nicht informiert.“ Damit bestätigt die Lehrerin das, was auch die Eltern monieren. Mehrfach habe sie auf eklatante Defizite hingewiesen – vergeblich. „Jetzt mag ich nicht mehr.“

Über diese Reaktionen zeigt sich der Adressat überrascht. „Ich kann erst dann was sagen, wenn wir etwas Belastbares haben“, rechtfertigt sich Hansjörg Zahler. Geplante Maßnahmen – Generalsanierung (3,1 Millionen Euro) oder Neubau (3,8 Millionen Euro) – hängen ihm zufolge von der Höhe der Fördermittel ab. „Den Bescheid haben wir noch nicht gekriegt.“ Trudelt dieser ein, können Termine genannt werden – „und dann gibt es auch einen wunderschönen Ablaufplan“. Wenigstens stellt Zahler in den Sommerferien bei zwei Klassenzimmern die Umgestaltung der Türen in Aussicht.

„Hochkomplexe Maßnahmen“

Grundsätzlich spricht er bei der Schul-Modernisierung von „hochkomplexen Maßnahmen“. Beim Thema Fluchtreppe weist er darauf hin, dass das Konstrukt vom Landratsamt abgenommen worden sei. Also von der Aufsichtsbehörde, an die sich die Elternvertreter unter anderem gewandt haben. Auch den Vorwurf der Rektorin kann Zahler nicht nachvollziehen. „Zumal sich Frau Teschner seit Jahren in äußerst überschaubarem Maße darum kümmert, wie ihre Schule ausgestattet ist.“ In Gemeinderatssitzungen jedenfalls habe er sie eher selten gesehen. Und falls sie tatsächlich mal ein Problem habe, „dann soll sie halt mal zum Telefon greifen“. Auch den aufbebrachten Eltern gibt er den Rat: „Falls Informationsbedarf besteht, sollte man sich doch direkt an den Bürgermeister wenden.“ Das will Stephan Seestaller bereits dreimal probiert haben.

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