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Auf diese beiden kommt’s an: (v. l.) Franz-Martin und Hubertus Leismüller sollen Stellung beziehen.

Dauerthema in Wallgau

Kirchenböbl: Ultimatum für Leismüllers

Wallgau gewährt den Gebrüdern Leismüller in puncto Kirchenböbl eine allerletzte Frist. Das hat der Gemeinderat in einer Kampfabstimmung am Donnerstag beschlossen. Binnen zwei Wochen sollen sich die Interessenten schriftlich äußern. Falls nicht, will die Kommune von einem Erbaurecht Abstand nehmen.

Wallgau – Ein solches Votum gibt es im Wallgauer Gemeinderat eher selten: Ob der Brisanz verlangte Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) am Donnerstagabend bei der Abstimmung über das weitere Vorgehen beim Dauerthema Kirchenböbl, dass jeder einzelne im Gremium seine Entscheidung kurz begründen solle. Die Volksvertreter, die sich zuvor wieder eine Redeschlacht geliefert hatten, sollten zwischen zwei Varianten wählen: Entweder die Gemeinde gewährt den Interessenten – den Gebrüdern Leismüller – eine letzte 14-tägige Frist, sich schriftlich und konkret zu dem sogenannten Eckpunktepapier zu äußern, oder das Projekt Erbbaurecht beim Kirchenböbl wird sofort fallen gelassen. Das wäre gleichzeitig das Ende einer möglichen Zusammenarbeit zwischen Kommune und Franz-Martin Leismüller, der bekanntlich in dem gemeindeeigenen Anwesen am Dorfplatz eine Schnapsbrennerei einrichten möchte.

Knappe Entscheidung

Die Entscheidung fiel knapp aus: Mit 7:5 votierte der Rat für Variante eins – das Ultimatum für die potenziellen Bauwerber. Was ein wenig überrascht. Aber mit Albert Neuner (CSU) und Maximilian Hubbauer (Junge Mitarbeiter/JM) stimmten plötzlich zwei Neubau-Befürworter für eine weitere Frist. Das tat in gewohnter Manier die Kirchenböbl-Erhaltungsfraktion mit Julia Schwarzenberger, Bernhard, Wilde, Karl-Heinz Schwaiger (alle Wählerverein), Hans Baur (JM) und Robert Kuplwieser (CSU). Für das sofortige Ende des Erbbaurechts-Arrangements mit Leismüller plädierten Bürgermeister Zahler, Bernhard Neuner junior, Philipp Hubbauer (alle CSU), Josef Berwein (Wählerverein) und Thomas Neuner (JM). Dieser – ein eher ruhiger Vertreter seiner Zunft – wurde diesmal geradezu impulsiv. „Ich möchte die Bauruine weg haben.“ Und warum er dann vorher das Eckpunktepapier als Grundlage eines Erbbaurechtsvertrags mit den Leismüllers unterstützt hatte, wurde er daraufhin von den Kirchenböbl-Kämpfern gefragt. „Dass Ihr Ruhe gebt“, fauchte Neuner zurück.

Ja, es war wieder Pfeffer in der Debatte. Manch einer der vielen Zuhörer mag sich vorgekommen sein wie in Oberammergau, wo Streitkultur offenbar in der Gemeindeordnung verankert ist.

Polit-Boxkampf

Eröffnet hatte die nächste Runde im Polit-Boxkampf der Rathauschef. Dieser berichtete von einem Treffen mit Franz-Martin Leismüller, das er am vergangenen Dienstag geführt hatte. Dieses persönliche Gespräch hatte Zweiter Bürgermeister Schwaiger von Zahler eingefordert.

„Ich bin dem gerne nachkommen“, beteuerte der Bürgermeister allen Unkenrufen zum Trotz. Die Unterredung mit Leismüller soll in angenehmer Atmosphäre abgelaufen sein. Tenor laut Zahler war: „Zu meinem Bedauern ist die Sache nicht wesentlich konkreter geworden.“ Leismüller soll ihm auf den Weg gegeben haben: „Ich muss den Kirchenböbl nicht haben, ich kann ihn haben.“

„Einer Gemeinde unwürdig“

Nach wie vor klaffen Welten auseinander in drei strittigen Punkten: Die Laufzeit des Erbbaurechtsvertrags, die Höhe des Erbbauzinses und die Modalitäten bei einem eventuellen Rückkauf seitens der Gemeinde. Unannehmbar für einen wirtschaftlich denkenden Menschen, polterte Hans Baur (JM). „Das werte ich als Abwehrangebot, das ist einer Gemeinde unwürdig.“ Zuvor hatte der Jurist ein Schreiben des Bürgermeisters an den Kirchenböbl-Interessenten Leismüller vom 22. Juni 2015 vorgetragen. Darin ist von einem konkreten Kaufangebot an die Familie Leismüller die Rede. Für Baur bedeuten die später formulierten 14 Eckpunkte einen Salto rückwärts. „So geht man mit Bürgern nicht um, wir haben eine Verpflichtung zur Lauterkeit!“

Christof Schnürer

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