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Schemenhaft erkennt man die Obere Isar unter dem Morgennebel. Solche einzigartigen Momente hat Jürgen Eichinger festgehalten.

Einmalige Landschaft muss geschützt werden

Isar-Doku auf Arte: Die Schönheit des letzten Wildflusses

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Oberes Isartal - Die aufwendige TV-Produktion „Die Isar, der letzte Wildfluss“ vermittelt die Faszination einer unverfälschten Landschaft. Der Film will wachrütteln und auf die Gefährdung der einmaligen Landschaft hinweisen – und könnte gleichzeitig unfreiwillige Tourismus-Werbung sein.

Die Produktion war aufwendig, die Aufnahmen sind spektakulär, die Landschaft ist unverfälscht und einzigartig: Eine TV-Dokumentation in der Reihe „Wildes Deutschland“ stellt die Obere Isar als „letzten Wildfluss“ vor. Zu sehen ist der Film am morgigen Freitag auf Arte. Autor Jürgen Eichinger ist stolz auf das Werk – und bewertet seine Arbeit aber als zweischneidiges Schwert.

140 Drehtage waren Eichinger und sein Team von Spätherbst 2015 bis zum Sommer 2016 für die 45-Minuten-Doku an der Isar von der Quelle in Scharnitz bis zum Sylvensteinsee unterwegs. „Das ist ungewöhnlich“, erklärt der Münchner Filmemacher. Eine 90 Minuten lange Tatort-Folge kommt zum Vergleich mit 21 Drehtagen aus.

Eichinger und Co. begaben sich unter anderem auf die Spur seltener Tiere, die in der Wildfluss-Landschaft ihren letzten natürlichen Lebensraum finden. Doch etwa einen Flussregenpfeifer vor die Linse zu bekommen, das erfordert Geduld. „Gerade die Küken aufzuspüren, das ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, verdeutlicht Eichinger. „Sie sind vier Zentimeter groß und sehen aus wie graubraune Wattebäusche. Bei Gefahr ducken sie sich zwischen die Steine. Wenn man eineinhalb Meter entfernt steht, hat man keine Chance, sie zu sehen.“

Laut Eichinger „erstmalig“ filmte das Team Gänsesäger bei der Jagd. „Sie schwimmen mit dem Kopf unter Wasser durch den Fluss“, sagt der 55-jährige Naturfilmer. „Wenn sie was finden, schalten sie den Turbo ein.“ Doch um diesen Moment abzupassen und einzufangen, muss man die Kamera oft zwei bis drei Stunden mit starkem Zoom auf die Vögel richten. „Wir haben allein für die Jagdszenen fünf Tage gedreht. Im Film dauert die Sequenz eine Minute.“

Fast noch komplizierter sind die Landschaftsaufnahmen für Eichinger, der über 50 Preise, Auszeichnungen und Nominierungen im Lebenslauf stehen hat. „Dafür braucht man schönes Wetter und schöne Lichtstimmungen. Aber hierzulande ist es oft grau und trüb, oder die Luft ist dunstig. Am besten ist es, kurz nachdem es geregnet hat, wenn die Luft klar ist und Weitsicht herrscht.“

Eine Besonderheit des Isar-Films ist die Art, wie er die ständige Veränderung des Wildflusses und den Transport von Geröll darstellt. „Wir haben mit einem Spezialisten im Studio eine Felswand nachgebaut.“ Daran sind Frostzyklen simuliert worden, um zu zeigen, wie das Eis den Felsen sprengt und wie sich daraus Gesteinsbrocken lösen, die dann von der Isar abtransportiert werden. Diesen Vorgang führt der Film auch in Natura vor – in unter Wasser gedrehten Zeitlupenaufnahmen. „Es war sehr schwierig, dafür die richtige Stelle zu finden, es musste ein Platz sein, an dem die Strömung groß genug ist, die aber trotzdem zugänglich ist, und wo die Trübung nicht zu stark ist.“

Die Produktion – finanziert von Arte, BR, SWR und HR – zeigt außerdem, wie sich der Flusslauf verändert. Dafür filmte Eichinger die Isar über sechs Monate immer wieder von genau denselben Standpunkten aus. Die galt es im Wechsel der Jahreszeiten erst einmal exakt wiederzufinden.

Ein großes Anliegen ist es Eichinger, darauf hinzuweisen, wie gefährdet dieses Naturwunder ist. „Der Film enthält die dramatische Aussage, dass es diese Flusslandschaft in ein paar Jahren nicht mehr geben wird.“ Der Münchner will auch die starke Belastung durch den Massenansturm von Erholungssuchenden deutlich machen. „Im Sommer geht es da zu – ein Rummelplatz ist nichts dagegen.“

Gleichzeitig ist dem gebürtigen Niederbayern bewusst, dass die Ausstrahlung der schönen Naturbilder im Fernsehen noch mehr Ausflügler anziehen könnte. Auf der anderen Seite hofft er, dass die TV-Produktion die Menschen „wachrüttelt“.

Ausstrahlung

Der Film „Wildes Deutschland – Die Isar, der letzte Wildfluss“ läuft am Freitag um 19.30 Uhr auf Arte.

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