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Im Untergrund lauert die Gefahr: der Boden im geplanten Gewerbegebiet Wallgau ist belastet.

Erst sanieren, dann Betriebe ansiedeln

Wallgau soll Gewerbegebiete bekommen - doch Schadstoffe bremsen die Gemeinde aus

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Das eine hui, das andere pfui. Zwei Gewerbegebiete will Wallgau entwickeln. Während es bei den Flächen am Finzbach keine Probleme gibt, ist die Gemeinde an der Isar zum Abwarten verdonnert.

Wallgau – Wie wichtig Gewerbesteuer-Einnahmen sind, zeigt sich in vielen Orten. Man nehme Oberau, wo die Firma Langmatz viel Geld in die Gemeindekasse spült. Oder Krün, das von den beiden Luxus-Hotels „Schloss Elmau“ und „Das Kranzbach“ profitiert. Das Nachbardorf Wallgau spielt dagegen in einer anderen Liga – ein paar Klassen tiefer. Das gleiche Niveau erreicht die Kommune auch nicht durch ihren Plan, zwei Gewerbegebiete zu entwickeln. Aber zum einen würden sie ihrem Portemonnaie gut tun, zum anderen heimischen Unternehmen Entwicklungschancen bieten. Doch bis diese sich dort ansiedeln, dürfte noch viel Wasser die Isar hinunterfließen. Es geht eher zäh voran. Vor allem beim Problemkind.

Die Gemeinde ist bei den zusätzlichen 1,4 Hektar des bestehenden Areals an der Isar zum Abwarten verdonnert. Mit den Eigentümern, den Staatsforsten und den Weidegenossen Krün, hatte sie sich bereits geeinigt, der Kaufvertrag war in Vorbereitung. Doch dann tauchte das Schreckgespenst auf. Bei Bodenuntersuchungen waren Schadstoffe entdeckt worden. Und zwar in erheblichem Umfang. „Das Landratsamt hat sich gleich so erschreckt, dass die Fläche ins Abfallkataster aufgenommen wurde“, sagte Rathauschef Hansjörg Zahler (CSU) bei der Bürgerversammlung. Dabei handelt es sich um ein Verzeichnis des Bayerischen Landesamts für Umwelt, in dem die Belastungen aufgeführt werden. Wallgau kam mit einem blauen Auge davon, weil die Kosten für die Sanierung der Gemeinde erspart bleiben. Dafür muss sie warten, bis die Arbeiten erledigt sind. Erst wenn das Landratsamt keine Bedenken mehr äußert, geht’s mit dem Projekt weiter. Passieren könnte aber auch, dass es Einschränkungen gibt. Zum Beispiel, dass nur ebenerdig gebaut werden darf, also ohne Keller. Wie die Interessenten dazu stehen, müsste man Zahler zufolge bei ihnen abfragen. Der Rathauschef, der den Bereich weiterhin erwerben möchte, ist beim Thema Schadstoffe aber vorsichtig. „Die pappen dir irgendwann an der Nase.“

Söder gibt infrastrukturelles Okay

Von solchen Komplikationen blieb die Gemeinde bei der Fläche nahe des Kieswerks am Finzbach verschont. Eine naturschutzfachliche Beurteilung hat ergeben, dass es keine Hinderungsgründe gibt, dort ein Gewerbegebiet zu entwickeln. „Ausnahmsweise ist nichts Besonderes gefunden worden“, sagt Zahler auf Nachfrage etwas süffisant. Er wiegt sich längst nicht in Sicherheit. Aus Erfahrung. Vermutlich taucht noch ein schützenswerter Schwanzlurch auf, scherzt der Rathauschef. Abgesehen davon ist er aber zuversichtlich. Mit den Grundstückseigentümern, neben den Staatsforsten sind das noch vier private, fanden bereits Gespräche statt. Sie haben Zahler zufolge Interesse an einem Verkauf bekundet. Einen Teil der Flächen hat die Gemeinde bereits erworben.

Gespräche mit Eigentümern vertiefen

In Sachen Infrastruktur gibt’s bereits grünes Licht. Der damalige Heimatminister und jetzige Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ließ wissen, dass die Anbindung an den Ort gegeben sei. „Ohne das ist keine Entwicklung möglich“, betont Wallgaus Gemeindechef. Erfreuliches zur Erschließungsstraße konnte Zahler bei der Bürgerversammlung ebenfalls berichten. Von Seiten des Energiekonzerns Uniper kann diese über den Düker führen. Sogar die Kosten für die Prüfung von dessen Belastungsfähigkeit habe das Unternehmen übernommen. Das Ergebnis: 40 Tonnen seien ohne Weiteres machbar.

Als Nächstes plant Zahler, die Gespräche mit den Eigentümern der Flächen zwischen Isarkanal und östlich der Kiesgrube Achner zu vertiefen. Auch um die finanzielle Vorgehensweise festzulegen. Heißt konkret: Sollen die Flächen an die Gemeinde verkauft werden, die diese dann überplant und weiterveräußert? Oder soll alles über einen direkten Weiterverkauf an den Interessenten abgewickelt werden? Mit dieser Frage wird sich der Gemeinderat noch auseinandersetzen.

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