+
Gemeinsam auf der Bühne: (v. l.) Andrea Ott, Hansjörg Zahler, Roman Roell, Magdalena Neuner und Christian Neureuther.

Live-Übertragung aus Wallgau

Magdalena Neuner schwärmt: „Ein Stückchen heile Welt“

Rosi Mittermaier und Christian Neureuther strahlen mit Magdalena Neuner um die Wette von der Bühne. So soll‘s sein, wenn das Fernsehen live überträgt.

WallgauEs herrscht eine seltsame Stimmung in Wallgau. An der Ortseinfahrt empfangen einen an der Straßensperre vier Feuerwehrmänner. Bei der Weiterfahrt wirkt das Dorf gespenstisch leer. Doch kaum biegt man beim Neuwirt um die Ecke, taucht der Passant in eine farbenprächtige Partystimmung ein – im Lichterschein die Fassade des Posthotels. Möglich macht dies an diesem Freitagabend das Bayerische Fernsehen, das zur BR-Schneeschuhnacht auf den Dorfplatz gerufen hat.

Dort scharen sich hunderte von Schaulustigen an den Ständen der heimischen Vereine und vor der großen Bühne – man könnte fast meinen, es steht wieder ein Empfang von Magdalena Neuner ins Haus. Die prominente Lokalmatadorin mischt sich tatsächlich eher unscheinbar unters Volk, ebenso die nicht minder bekannten Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, die beiden Impulsgeber der Schneeschuhnacht.

An der Pfarrkirche hat derweil ein Übertragungswagen geparkt. Um kurz nach 17 Uhr kommt geschäftiges Treiben ins beschauliche Fest. Schließlich soll punkt 17.30 Uhr live aus Wallgau für die Abendschau übertragen werden. Die Moderatoren Andrea Ott und Roman Roell üben mit dem Publikum das Jubeln fürs TV und erklären den Zuschauern, was es mit dem Knöpfchen im Ohr auf sich hat, mit dem sie Regieanweisungen erhalten. Die Lichttechniker suchen indes die optimale Beleuchtung. Im Hintergrund sausen die Eissternchen aus Mittenwald über die eigens präparierte Fläche. Ein bisserl Winter-Wonderland soll’s schon sein.

Eissternchen 

Stephanie Reiter testet das Eis. „Hm, das ist schon ganz schön weich von der Sonne heute Nachmittag“, lautet ihr Urteil. „Ob das wohl klappt nachher?“ Die Nachwuchsläuferin ist ein bisschen nervös vor ihrem Liveauftritt, obwohl das meiste ja schon im Kasten ist. „Wir haben viel vorher aufgezeichnet, das war spannend, weil ich noch nie im Fernsehen war. Heute Abend geht es eigentlich nur mehr um unsere Kostüme.“

Geplant ist ein Teil aus „Die Schöne und das Biest“. Am anderen Ende der Eisbahn stehen Reiters Klubkameradinnen und versuchen, den weichen Abrieb vom Eis zu schieben. Trotz vereinter Kräfte gewinnt das Wetter. Die Live-Sequenz beschränkt sich auf ein Posieren im Kostüm.

Am anderen Ende des Dorfplatzes kommt Bewegung auf die eigens angelegte Schneespur. Auf ihr werden später die Schneeschuhwanderer einlaufen. Die ersten sind schon da und schauen neugierig zum Festplatz. Unter ihnen Irmgard Wiedmann und Sophie Schön aus Schrobenhausen. Sie hatten eine Werbung im TV gesehen und wollten es einfach mal versuchen. Jetzt, acht Kilometer später, spüren sie jeden Muskel. „Wir haben die Genießerrunde mit Magdalena gemacht, aber uns eher geplagt wie genossen“, erzählt Schön lachend von ihrer Runde, auf der teilweise Taucherflossen besser gewesen wären als Schneeschuhe. Trotzdem war es eine einmalige Erfahrung

Immer wieder einmalig empfindet auch Rosi Mittermaier das Spektakel. Bereits zum achten Mal ist sie mit von der Partie, diesmal nur im Ziel. Sie hat sich vor einigen Tagen an der Hand verletzt. Für Gold-Rosi ist Gold-Magdalena auf der Strecke. „Das Schneeschuhwandern ist einfach toll, man bewegt sich und hat Zeit sich kennenzulernen, was unglaublich wichtig ist in der heutigen Zeit“, verdeutlicht Mittermaier. „Manche Gäste kommen schon zum x-ten Mal bis aus Berlin und hängen dann noch einen Urlaub dran, das ist wirklich super.“

Dann plötzlich Stille auf dem Dorfplatz, in der Ferne sind Stirnlampen zu erkennen – und dann das Geräusch von 600 knirschenden Schneeschuhen. Der geübte Jubel der Zuschauer geht dabei fast unter. Nach dem Einzug der „Helden“ geht die Liveübertragung zu Ende.

Jetzt betreten Rosi, Magdalena und Christian die Bühne, Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler übergibt den Scheck an die BR-Sternstunden. 1800 Euro hat man erwandert. Neureuther nutzt die Chance und lädt Neuner ein ins BR-Schneeschuhteam: „Ich weiß Magdalena, Du bereust es schon so lange, Biathlon gemacht zu haben anstatt mit Schneeschuhen zu wandern.“ Neuner lächelt charmant und sagt schelmisch: „Ja, ich werd’ mir wohl eigene Schneeschuhe kaufen.“

Die Stimmung ist locker, die Fans zücken die Smartphones, denn selbst Neuners Tochter Verena steht mit auf der Bühne und bandelt mit Neureuthers Hund Buddy an. Die Schneeschuhnacht ist vor allem eines: ein Familienfest mit entspannten Stars zum Anfassen. Das ist möglich, „weil die Leute wirklich alle nett und anständig sind“, sagt Mittermaier. Schön, dass man „dieses Stückchen heile Welt“, wie Neuner ihr Wallgau gerne bezeichnet, heute tatsächlich noch erleben kann.

Kathrin Ebenhoch

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Statt Netflix“: Schüler (18) stampft Corona-Helfergruppe aus dem Boden - Viele ziehen mit
Luis Maurer ist 18 Jahre alt. Er wollte in der Corona-Pandemie helfen - und ist aktiv geworden. Der Grainauer hat dafür sogar 50 jugendliche Mitstreiter  gefunden.
„Statt Netflix“: Schüler (18) stampft Corona-Helfergruppe aus dem Boden - Viele ziehen mit
Coronafälle in Murnauer Seniorenzentrum: Zwei weitere Frauen gestorben - Heim vorerst geschlossen
Die Lage im Murnauer Seniorenzentrum hat sich leider nicht beruhigt. Im Gegenteil. Corona fordert dort zwei weitere Todesopfer. Das Heim ist vorerst geschlossen worden.  
Coronafälle in Murnauer Seniorenzentrum: Zwei weitere Frauen gestorben - Heim vorerst geschlossen
Unfall am Ettaler Sattel: Lkw kippt um - Straße vier Stunden gesperrt
Der Lastwagen liegt auf der Straße. In der letzten Kehre des Ettaler Sattels ist er umgekippt. Der Unfall fordert Feuerwehren und Rettungskräfte. Stundenlang bleibt die …
Unfall am Ettaler Sattel: Lkw kippt um - Straße vier Stunden gesperrt
Er hätte offenbar in Corona-Quarantäne sein müssen: Mann geht Bergsteigen und stürzt ab
Ein Mann (42) ist beim Bergsteigen im Karwendel abgestürzt. Eigentlich hätte er offenbar zuhause in Quarantäne sein sollen.
Er hätte offenbar in Corona-Quarantäne sein müssen: Mann geht Bergsteigen und stürzt ab

Kommentare