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Wer regiert hier künftig - ein haupt-oder ehrenamtlicher Bürgermeister?

Debatte über ehrenamtlichen Bürgermeister

Wer hat im Wallgauer Rathaus das Sagen?

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Der jüngste Vorstoß der CSU, über einen ehrenamtlichen Bürgermeister in Wallgau nachzudenken, bleibt nicht ohne Echo. Während sich die anderen Gemeinderats-Fraktionen von diesem Gedankenspiel überrascht zeigen, rudert einer der Ideengeber, Rathauschef Hansjörg Zahler, wieder ordentlich zurück.

Wallgau – Es bleibt dabei: Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) lässt sich nicht in die Karten schauen. Ende des Monats möchte er mitteilen, ob er im März 2020 ein drittes Mal kandidiert oder nicht. Spekuliert wird im 1400-Seelen-Dorf seit gestern aber noch über ein weiteres spannendes Thema, entfacht von der CSU. Pikanterweise stellt die Bürgermeister-Partei aus dem Nichts heraus die Frage, ob die Kommune künftig überhaupt noch einen hauptamtlichen Gemeindechef benötigt.

Diese erstaunlichen Gedankenspiele umschreibt der Amtsinhaber als „Besorgnis der CSU-Fraktion“. Besorgnis um was? Um den Bürgermeister, der vielfach kritisiert wird und jetzt nicht weiß, ob er es noch einmal wagen sollte anzutreten? Oder um die Gemeinde, die finanziell bekanntlich nicht auf Rosen gebettet ist?

Wie es scheint, ist der Vorstoß von CSU-Ortsvorsitzendem Bernhard Neuner junior bei der Jahresversammlung seiner Partei wohl eher ein schwarzer Test-Ballon gewesen, um die Stimmung auszuloten. „Daraus sollte jetzt keine Grundsatzdiskussion werden“, wiegelt Neuners Parteifreund Zahler ab. „Aber wir könnten im Zuge der Haushaltsberatungen mal offen darüber reden, ob wir uns einen hauptamtlichen Bürgermeister weiter leisten wollen.“ Was dennoch die Frage aufwirft: Was führt Hansjörg Zahler im Schilde? Denn selbstredend wusste er im Vorfeld von Neuners Bürgermeister-Frage.

Bei den anderen beiden Gruppierungen im Gemeinderat herrscht jedenfalls gesunde Skepsis. „Ich bin schon sehr verwundert“, meint Karlheinz Schwaiger (Wählerverein). Ist die Initiative der stärksten Rathausfraktion wirklich ernst gemeint, dann lässt das für den Zahler-Stellvertreter nur einen Schluss zu: „Dann ist unser Bürgermeister jetzt offenbar nicht ausgelastet.“

Hans Baur (Junge Mitarbeiter), den nicht wenige im Dorf die Rolle des Oppositionsführers zuschanzen, zeigt sich mindestens genauso überrascht wie Schwaiger. „Das kommt aus heiterem Himmel.“ Der Jurist glaubt knapp elf Monate vor der Kommunalwahl an politisches Kalkül. „Das ist sicher abgesprochen worden.“ Gleichwohl hat Baur überhaupt kein Problem, die Bestellung des wichtigsten Postens im Dorf in aller Offenheit zu diskutieren.

Tagblatt-Recherchen ergaben, dass ehrenamtliche Bürgermeister in Orten von 1000 bis 3000 Einwohnern zwischen 2924 und 4386 Euro brutto verdienen können. Ein Hauptamtlicher im Rathaus kassiert in der Besoldungsgruppe A 13 etwas über 5000 Euro. Insofern käme ein nebenberuflicher Bürgermeister deutlich günstiger. Was man aber nicht außer Acht lassen sollte: Ein Ehrenamtlicher an der Spitze erhält nach seinem Ausscheiden bis zum Ableben einen monatlichen Ehrensold. Der wird nicht aus der staatlichen Pensionskasse bestritten. Den zahlt der Wallgauer Bürger.

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