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Was vor einigen Monaten in Walchensee über die Bühne ging, soll kommenden Samstag in Wallgau geschehen: eine Demonstration gegen den wachsenden Verkehr.

Ein Dorf demonstriert

Verkehrsdemo: Wallgau macht die Schotten dicht

  • vonChristof Schnürer
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Wallgau wird dicht gemacht - zumindest für eineinhalb Stunden. Für Durchreisende drohen am kommenden Samstag lange Wartezeiten im Stau.

Wallgau – Die Blechlawine, die vornehmlich am Wochenende über den Walchensee durchs Obere Isartal rollt, wächst von mal zu mal und wird für die geplagten Einheimischen immer unerträglicher. Jetzt will Wallgau ein Zeichen setzen: Das 1400-Seelendorf plant wegen der Verkehrssituation auf der Bundesstraße 11 am Samstag, 25. Juli, eine Demonstration.

„Irgendetwas muss passieren“

„Irgendetwas muss passieren“, verdeutlicht Katharina Zunterer, die Sprecherin der neugegründeten Interessengemeinschaft Verkehrsentlastung Wallgau (VEW). Unter dem Motto „Ausbremst is“ ruft sie gemeinsam mit der Radl-Initiative Garmisch-Partenkirchen zum Protest. Die friedliche Kundgebung startet um 11 Uhr am Wallgauer Bichl (Ortseinfahrt Nord) und soll spätestens um 12.30 Uhr am südlichen Ende des Dorfs (Richtung Krün) ihren Abschluss finden.

Ein entsprechendes Schreiben der Initiative VEW hat Bürgermeister Bastian Eiter (Wählerverein) in der jüngsten Gemeinderatssitzung verlesen. Das Gremium nahm die Denkschrift zur Kenntnis, diskutiert wurde darüber nicht – zumindest nicht im öffentlichen Teil.

Komplett abgeriegelt

So wird es erstmals in Wallgau eine Demonstration im großen Stil geben. Erwartet werden um die 300 Teilnehmer. Sie wollen gemütlich zum Beginn der Sommerferien durchs Dorf spazieren. In dieser Zeit ist Wallgau für den Verkehr auf der B 11 komplett abgeriegelt.

Schlupflöcher für Durchreisende soll’s nicht geben. Wer vom Walchensee oder von Mittenwald kommt, muss mindestens eineinhalb Stunden warten. Kilometerlange Staus in beiden Richtungen sind programmiert. Darüber sind sich die VEW-Verantwortlichen im Klaren. „Wir wollen keinen ärgern, wir wollen wachrütteln“, betont Zunterer.

„Lebensgefährliche Situation“

Im Schreiben an die Gemeinde kritisiert sie unter anderem zu hohe Geschwindigkeiten „besonders an den Ortseingängen“, Lärmbelästigung durch permanentes Hupen, fehlende Übergangsmöglichkeiten, keine eingezeichneten Fahrradwege, generelle Luftverschmutzung sowie „lebensgefährliche Situationen“ gerade im Bereich Kindergarten. Lösungsansätze liefert die Interessengemeinschaft gleich mit. Sie schlägt beispielsweise vor, eine Umgehungsstraße zu beantragen. Eine Idee, die nicht neu ist, aber die viele wegen der komplizierten und kostenintensiven Umsetzung für nahezu illusorisch halten.

Dass Wallgau wie so viele Tourismusorte im Alpenraum ein Verkehrsproblem hat, offenbarte eine Messung von 5. bis 13. September 2018 auf der Mittenwalder und Walchensee-Straße. In diesem knappen Zeitraum im Herbst registrierte man an diesen beiden Punkten 62 390 beziehungsweise 33 850 Fahrzeuge. Der Spitzenwert lag an einem Sonntag bei 10 278. „Die Zahlen würden im Sommer sicher bei Weitem übertroffen werden“, erläuterte der damalige Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU). Grundsätzlich gelangte er seinerzeit zu der Einschätzung: „An manchen Tagen kommt man ja fast nicht mehr über die Straße.“ csc " BAYERN

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