+
Lebenslang Christbäume freihaus bekommt jetzt der Geehrte Hans Baur (l.) von Thomas Emslander für seine Leistungen um den Bayerischen Christbaum.

Auszeichnung erhalten 

Ein Wallgauer ist der Retter der bayerischen Christbäume

  • schließen

Wer einen bayerischen Christbaum in der Stube stehen hat, darf sich beim Wallgauer Hans Baur bedanken. Er war es, der nicht nur ein entsprechendes Zertifikat einführte, sondern überhaupt den heimischen Nadelbaum salonfähig machte. In Ergolding ist er nun geehrt worden. Was sein Erfolg mit einem Brummi-Streik in Dänemark zu tun hat? Erstaunlich viel.

Wallgau/Ergolding – Als Hans Baur noch jünger war, gab es plötzlich keine Christbäume mehr. Zumindest keine importierten aus Skandinavien. 1991 war das. Als Lastwagenfahrer einer Christbaumspedition ihre Arbeit niederlegten, in dem Fall ihr Gefährt an den Straßenrand stellten, und streikten. Abertausende Nordmann-Tannen hätten sie von Dänemark aus nach Deutschland liefern sollen. Damit war 1991 Schluss.

Das Gejammer derer, denen drohte, das Weihnachtsfest ohne Baum im Wohnzimmer feiern zu müssen, verstand Baur überhaupt nicht. „Ja, haben wir denn keine eigenen?“, hat er damals ausgerufen. Er machte er sich als damaliger Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes den Brummi-Streik von 1991 zu nutze. Er und die bayerischen Waldbauern reagierten schnell. Sie stießen in die Nische und retteten mit ihren bayerischen Christbäumen die Festtage unzähliger Kinder und Erwachsener.

Herkunft der Nordmann-Tannen störte ihn

Hans Baur hat sich schon davor für den heimischen Baum eingesetzt. Seit 1978 hat er die Interessen der bayerischen Waldbesitzerverbandes vertreten. 1989 wurde er Geschäftsführer. „Von der Region, für die Region“, war fortan sein Credo. Ihn störte es schon damals, dass die unzähligen Nordmann-Tannen in den bayerischen Wohnzimmern aus gigantischen dänischen Plantagen stammten und von dort aus quer durch Deutschland bis nach Wallgau gekarrt werden mussten. 1983 machte er sich selbst ein Bild vor Ort, begutachtete eine Produktion in Dänemark und analysierte ihre Vertriebswege. Ein Schock: Schon damals, noch vor Greta Thunberg und der globalen Klimaschutzbewegung, erkannte Baur, was für eine unglaubliche CO2-Schleuder der importierte Christbaum in den bayerischen Stubn war.

Damit sollte fortan Schluss sein. 1996, fünf Jahre nach dem erfolgreichen Streik, gründete Baur einen Arbeitskreis. Fortan bekam ein Nadelgewächs aus dem Freistaat das Zertifikat „Bayerischer Christbaum“. Daraus resultierte 2011 ein eigener Verein: „Die Bayerischen Christbaumanbauer“ – ein Zusammenschluss heimischer Betriebe mit dem Ziel, den regionalen Anbau zu unterstützen.

Beliebt bei Verbrauchern

Mit Erfolg: Immer mehr Verbraucher bevorzugen diesen. Das heimische Grün ist mit Hilfe des rot-goldenen Zeichens mit dem stilisierten Weihnachtsbaum und der Aufschrift „Bayerischer Christbaum“ unverkennbar. 180 Betriebe gibt es mittlerweile im Freistaat. Sie decken Dreiviertel der fünf Millionen Weihnachtsbäume in Bayern ab. „Ein heimischer Christbaum hat keine langen Transportwege hinter sich und spart somit CO2 ein“, sagt Baur. „Zudem bieten Christbaumkulturen einer Vielzahl von Tieren einen geeigneten Lebensraum.“ Insbesondere gefährdete Arten wie die Heidelerche oder der Neuntöter fühlten sich dort pudelwohl.

„Beim Kauf eines bayerischen Christbaums kann man sich guten Gewissens einen ökologischen, frischen Baum ins Wohnzimmer stellen“, versichert auch Thomas Emslander. Er ist Vorsitzender des Vereins der Bayerischen Christbaumanbauer.

Emslander muss schmunzeln, denkt er an so manch nette Anekdote zurück, die er und Baur während des gemeinsamen Kampfes für den heimischen Christbaum erlebt haben. Als „ideenreich und umtriebig“, hat Emslander den Wallgauer kennen gelernt. Ohne ihn sei der Verein nicht zustande gekommen. Lachen muss er auch, als er an einen Filmbeitrag des Bayerischen Rundfunks über Baur zurückdenkt. Der Wallgauer stand damals im knappen lodenen Wetterkotzen im Regen und begab sich auf Christbaumsuche durch den tiefen Tann. Für den Geehrten hat sich die Christbaumsuche ab sofort erübrigt: Er bekam neben einer Auszeichnung und einem goldenen Christbaumständer einen Gutschein für den lebenslangen kostenlosen Bezug eines heimischen Christbaums freihaus.

Von Josef Hornsteiner und Leonhard Habersetzer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Streit um Grundstück in Toplage am Staffelsee eskaliert
Der Streit um ein Uffinger Premium-Grundstück eskaliert. Nachdem der Gemeinderat eine alte Entscheidung revidiert und einen Hausbau verhindert hat, stellt die …
Streit um Grundstück in Toplage am Staffelsee eskaliert
Wegen Stau: Verkehrsteilnehmer begehen grobe Verstöße auf Autobahn 
Das schöne Wetter hat wieder zahlreiche Menschen am Samstag in den Landkreis gelockt. Die Folge: Stau. Bereits auf der Autobahn. Dem wollte so mancher Verkehrsteilnehmer …
Wegen Stau: Verkehrsteilnehmer begehen grobe Verstöße auf Autobahn 
Mann (22) verrichtet bei Faschingsball  Notdurft an unpassender Stelle - dann kommt‘s zum Gerangel
Er wollte offensichtlich nicht die Toilette aufsuchen. Weil der Murnauer seine Notdurft an anderer Stelle verrichtete, war der Faschingsball für ihn beendet.
Mann (22) verrichtet bei Faschingsball  Notdurft an unpassender Stelle - dann kommt‘s zum Gerangel
Aus alt und grauslich wird jung und schön: Altweibermühle wird reaktiviert 
Die Grainauer Altweibermühle wird an diesem Sonntag reaktiviert. Zwei Jahre hatte sie ihren Dornröschenschlaf gehalten.
Aus alt und grauslich wird jung und schön: Altweibermühle wird reaktiviert 

Kommentare