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Die Ergebnisse der Messungen an  der Walchenseestraße fallen ernüchternd aus.  

Messung ergab erschreckende Ergebnisse

Mit über 100 km/h in den Ort: Wallgau kämpft mit Verkehrsproblemen

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Wallgau hat ein Verkehrsproblem: Das zeigen die Ergebnisse einer Messung im September. Diese wurden nun den Gemeinderäten präsentiert. Alle waren sich einig: Es besteht Handlungsbedarf – und zwar dringender.

Wallgau– Es ist eine ausgeprägte Krankheit. Überall auf der Welt tritt sie auf. Das Raser-Syndrom greift um sich. Obwohl es einen Impfstoff dagegen geben würde: die Statistiken von Toten im Straßenverkehr. Doch die sind anscheinend nicht abschreckend genug. Das belegt die Situation in Wallgau. Dort hat die Gemeinde eine Verkehrszählung an der B11 veranlasst. Eigentlich, um die angenommen hohe Frequenz an Autos, Motorrädern und Co. zu erfassen und die „Gefühlslage durch Zahlen zu erhärten“, sagte Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) im Gemeinderat. „An manchen Tagen kommt man ja fast nicht mehr über die Straße.“ Die Auswertung ließ keine Zweifel. Es gibt ein Problem, vor allem mit Temposündern.

An zwei Standorten stellte die Kommune ein so genannten TOPO-Gerät auf, welches sie vom Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung ausgeliehen hatte. Das eine war an der Mittenwalder Straße am südlichen Ortseingang nahe der Finzbrücke positioniert worden, das andere an der Walchenseestraße im Bereich der Einfahrt zur Vorderbergleiten. Die Messungen liefen vom 5. bis 13. September, also neun Tage lang. Mit einem Resultat, das der Rathauschef als „beeindruckend“ bezeichnete. Allerdings im negativen Sinn. An der Mittenwalder Straße wurden in dem Zeitraum 62 390 Fahrzeuge gezählt, an der Walchenseestraße 33 850. Spitzenwert an einem Tag – einem Sonntag: 10 278. Und das in einem Herbstmonat. „Die Zahlen würden im Sommer sicher bei Weitem übertroffen werden.“

Muss erst was passieren?

Auch an der Mittenwalder Straße gibt‘s viele Temposünder. 

Besonders drastisch erwiesen sich die Geschwindigkeitsüberschreitungen. Im nördlichen Bereich mehr als im südlichen. Viele steigen dort kräftig aufs Gaspedal. Dem Bürgermeister schwant Böses: „Wenn einer bei Ortseinfahrten mit über 100 km/h reindonnert, kann man drauf warten, bis was passiert.“

Zu Beinah-Zusammenstößen, zum Beispiel mit Radfahrern, sei es in der Vergangenheit schon gekommen. Gerade am Brennpunkt, im steilen Bereich an der Einfahrt zur Risser Straße. Robert Kuplwieser (CSU) beschwerte sich deshalb über das Verhalten der Polizei, die ein Stoppschild nach einer Verkehrsbeschau dort abgelehnt hatte. „Das ist unvorstellbar“, klagte er. Sieht auch sein Parteikollege so. Ein solches Schild wäre geboten, findet Zahler.

Bürgermeister Zahler: „So geht‘s nicht“

Grundsätzlich sieht der Gemeindechef dringenden Handlungsbedarf. Nach den aktuellen Werten erst recht. „Das sind Zahlen, bei denen eine Gemeinde als Sicherheitsbehörde was tun muss“, betonte er. Seine klare Ansage: „So geht’s nicht.“ Es brauche ein Konzept für die B11.

Einen Punkt davon will Zahler über die Dorferneuerung abwickeln. Im Rahmen des Projekts muss die Fahrbahndecke erneuert werden. In diesem Zuge würde der Bürgermeister die Straße gerne auf ein Mindestmaß verengen. Reduziert zwar nicht den Durchgangsverkehr, aber im Idealfall die Geschwindigkeiten.

Zusätzlich steht die Überlegung im Raum, ein eigenes TOPO-Gerät anzuschaffen – sei es gekauft oder gemietet. Bei durchgehenden Messungen wäre es so möglich, der Polizei und dem Staatlichen Bauamt Weilheim bessere Daten vorzulegen, stellte Zahler klar. Damit nicht genug beauftragte der Gemeinderat einstimmig die Verwaltung, einerseits mit dem Straßenbauamt geeignete Maßnahmen zu besprechen, mit denen der Verkehr eingedämmt werden kann. Andererseits den Kontakt mit der Polizei Mittenwald aufzunehmen, um passende Geschwindigkeits-Kontrollen abzustimmen und einzuleiten. Damit sich das Raser-Syndrom nicht weiter ausbreitet.

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