Hansjörg Zahler appelliert an die Staatsregierung.

Trinkwasser in Gefahr

Kiesmassen in der Isar: Zahler wettert gegen EU-Bescheid

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Kiesmassen in der Isar plagen die Gemeinde Wallgau: Das Geschiebe gefährdet den einzigen Trinkwasserbrunnen. Bürgermeister Hansjörg Zahler appelliert nun an die Staatsregierung, den Fluss wieder auszuräumen.

Wallgau – Es geht um das Elementarste. Dem ist sich Hansjörg Zahler (CSU) bewusster denn je. Das Trinkwasser für seine Wallgauer ist in Gefahr, daran lässt der Bürgermeister keinen Zweifel. Schuld sind die Unmengen an Kies im Isarbett. Das Geschiebe zwischen Krün bis zur Weberwiese ist „schon bis zu sechs Meter hoch“. Dadurch steigt der Grundwasserspiegel rasend schnell an. So haben im Juni die übergeordneten Behörden eine Wasser-Entnahme aus dem gemeindeeigenen Tiefbrunnen untersagt. Sie befürchteten Krankheitserreger. Doch der wahre Grund ist für Zahler ein bürokratischer: Ein neuer EU-Bescheid verlangt von der Kommune, das Trinkwasserschutzgebiete mindestens vier Meter überdeckt werden müssen – obwohl es genug Proben gäbe, die dem Bürgermeister zufolge beweisen, dass das Trinkwasser auch darüber keinerlei Gefahr für seine Bürger darstellt. „Reiner Bürokratismus“, wettert er.

Zwei Monate lang musste somit das Wasser über eine Notverbund-Leitung aus dem Nachbardorf Krün bezogen werden. Das kann aber nur eine kurzfristige Lösung sein. „Eine dauerhafte Wasserlieferung würde das Trinkwassersystem der Nachbargemeinde überfordern.“ Für Zahler nehmen die Folgen der neuen Trinkwasserverordnung „fast schon existenzielle Ausmaße an“.

Kies wird beim Öffnen des Staudamms mit gespült

Woher der Kies kommt, ist bekannt. Immer dann, wenn der Energie-Konzern Uniper die Schleusen am Krüner Wehr öffnet, werden Unmengen an Geschiebe nach Wallgau gespült. Sind die Schotten wieder dicht, fließt weniger Wasser und der Kies verlandet irgendwo zwischen Krün und Weberwiese. Dadurch erhöht sich die Sohle im Flussbett sichtbar und drückt auf den Grundwasserstock. Das restliche Isarwasser, das nicht zum Walchenseekraftwerk abgeleitet, sondern am Staudamm durchgelassen wird, reicht bei weitem nicht aus, um die Berge von Gestein wegzuspülen. „Da fehlen dem Fluss etwa 70 Prozent seines Wassers.“ Das Kraftwerk würde Zahler aber in keiner Weise in Frage stellen. „Wir stehen hinter dem Ansatz der umweltfreundlichen Energieerzeugung.“

Er fordert deshalb die Staatsregierung zum Handeln auf. Zahler hat Umweltminister Thorsten Glauber bei der Hauptalmbegehung im Isartal persönlich getroffen und beiseite genommen. Herausgekommen ist ein kurzes, aber ergiebiges Gespräch. Zahler will nun der Staatsregierung mit einem Schreiben die Problematik noch einmal näher bringen. Denn passiert sei bisher nichts, „außer, dass der damalige Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bei der 1250-Jahr-Feier unseres Ortes versprochen hatte, den ,Kies mit nach München’ zu nehmen, um das Problem zu lösen“. Jetzt herrsche aber „dringender Handlungsbedarf.“ Lieber heute als morgen noch würde Zahler den Kies entnehmen.

Lösung soll Kiesfang bringen: Nur um den Standort wird debattiert

Auf Dauer könne aber nur ein Kiesfang die Lösung sein. Allerdings an anderer Stelle, wie vom Kreisfischereiverein präferiert. Die Fischer bevorzugen einen Standort oberhalb des Krüner Staudamms. „Er sollte aber auf Höhe der Kiesgrube Achner entstehen“, also östlich von Zahlers Kommune. Dieser Standort habe für Zahler und auch seinen Krüner Kollegen Thomas Schwarzenberger den klaren Vorteil, dass kein Schwerlastverkehr bei der Entnahme des Geschiebes durch ihre Ortschaften fahren müsste. Auch Lagerflächen wären vorhanden und „auf kürzestem Wege erreichbar“. Die Lkw müssten weniger als 300 Meter weit fahren. Ein Ausschotterungsbecken oberhalb des Krüner Wehrs wiederum würde „gerade Mal 30 Prozent des Geschiebes zurückhalten“. Zahler beruft sich dabei auf die Ergebnisse von Untersuchungen der Technischen Versuchsanstalt für Wasserbau an der TU München. „Somit sind weiterhin Dammspülungen erforderlich und das Trinkwasserproblem für Wallgau bleibt bestehen.“

Zudem will Zahler weitere Regelungsbauwerke und Richtlinien ändern, um eine Trinkwasserentnahme zu gewährleisten. Damit könnte – zumindest halbwegs – ein Zustand wie in den 1980-er Jahren entstehen. Zu dieser Zeit hatte Wallgau mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim den Standort für den Tiefbrunnen an der Auhütte ausgesucht und ihn dort installiert. „Damals wurde noch regelmäßig Geschiebe aus der Isar entnommen“, sagt Zahler. „Probleme, wie sie heutzutage auftreten, waren zu dieser Zeit gänzlich unbekannt.“

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