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Ist bereit: Bastian Eiter.

Der Neue im Rathaus

Bastian Eiter freut sich auf Bürgermeister-Abenteuer

  • VonChristof Schnürer
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Kommunikation und Zusammenhalt sind für Bastian Eiter der Schlüssel zum Erfolg. Am 1. Mai übernimmt er die Kommandobrücke im Wallgauer Rathaus.

Wallgau – Spötter behaupten, in Wallgau stehe nicht erst seit der Corona-Krise die Zeit still. Keine Lösung in der Dorfplatz-Debatte, weit und breit kein Supermarkt in Sicht, und in puncto Gewerbegebiet rührt sich auch nichts. Zentrale Themen, die die Dorfbewohner bewegen. Sie müssen weiter zum Großeinkauf in die Nachbargemeinde, Handwerker müssen weiter auf bezahlbaren Grund für ihren Betrieb warten, und die Streiterei um den Kirchenböbl ist inzwischen so verstaubt, dass sie in die politische Mottenkiste gehört. „Es werden nie Entscheidungen getroffen“, beklagt Bastian Eiter (Wallgauer Wählerverein). Das soll ab 1. Mai ein Ende haben, dann tritt der Nachfolger von Hansjörg Zahler (CSU) das Bürgermeisteramt an.

Der gebürtige Seeshaupter mit SPD-Parteibuch, den es vor über zehn Jahren der Liebe wegen ins Obere Isartal verschlagen hat, übernimmt mit kräftigem Rückenwind die Kommandozentrale. 83,5 Prozent der Wallgauer gaben ihm am 15. März bei einer Wahlbeteiligung von 70,2 Prozent ihre Stimme. Zum Vergleich: 2014 hatte Zahler bei ungefähr der selben Resonanz 73,9 Prozent geholt. „Ich bin weit mehr als zufrieden“, meint Eiter, der als einziger Kandidat bereits mit einem Wert jenseits der Zwei-Drittel-Marke glücklich gewesen wäre. So ist’s natürlich besser. Seine Gemütslage am Wahlabend? „Ich war froh und erleichtert.“ Doch eines ist für Eiter, der erst seit zwei Jahren als Nachrücker im Gemeinderat sitzt, ebenso klar: „Mir wurde mit diesem Ergebnis eine Bürde auferlegt.“

Für Kirchenböbl-Abriss

Eiter, der leidenschaftliche Feuerwehrmann, muss liefern. Den Vertrauensvorschuss möchte er unter anderem damit rechtfertigen, dass er die eingangs erwähnten drei Dauerbrenner-Themen anpackt. Und nicht nur das: „Wenn ich eines davon abschließen und die anderen beiden anschieben kann, wäre viel geschehen.“ Es ist ein offenes Geheimnis, dass Eiter im Gegensatz zu seinem Fraktionskollegen und Zweiten Bürgermeister Karlheinz Schwaiger für den Abriss der gemeindeeigenen Immobilie Kirchenböbl plädiert. Bei einer Sanierung würde man „ein Fass ohne Boden aufmachen“. Eine Veräußerung des 2013 von der Raiffeisenbank erworbenen Anwesens in der Dorfmitte ist für Eiter ebenfalls keine Option. „Würde die Stadt München den Marienplatz verkaufen?“, fragt er rhetorisch in die Runde. Doch der Kirchenböbl soll nicht länger ausgesessen werden. Eiter beschreibt das folgendermaßen: „Wir sind auf einem Schiff und steuern auf eine Insel zu.“ Nichts tun, wäre in diesem Fall fatal. „Wir müssen uns für einen Weg entscheiden.“

„Ein echtes Kollektiv“

Das „Wir“ ist dem künftigen Bürgermeister besonders wichtig. „Ein echtes Kollektiv, ein echtes Miteinander“ schwebt ihm vor. „Ich lasse mich auch gerne überzeugen, denn ich bin ein überzeugter Demokrat.“ Themen im Dialog abarbeiten und umsetzen – das gilt auch bei der Kür des Zweiten Bürgermeisters bei der Konstituierenden Sitzung. Numerisch hat Eiters Wählerverein mit der Bürgermeister-Stimme die Mehrheit. Der Wiederwahl von Schwaiger – seit 2008 im Amt – würde also nichts entgegenstehen. „Aber ich möchte auch mit den anderen reden“, untermauert der Rathauschef in spe. „Gespräche, Gespräche, Gespräche“ lautet Eiters Motto. „Ich setze auf Zusammenarbeit und Kommunikation.“ Daran darf sich der künftige Kapitän des Wallgau-Tankers messen lassen.

Aktuell muss Eiter noch parallel fahren. Als scheidender Angestellter in einem Penzberger Ingenieur-Büro muss er bis 15. April noch Projekte abarbeiten – ein Gebäude im Murnauer Kemmelpark, ein Vorhaben am SOS-Kinderdorf in Landsberg und ein Bauteil am Weilheimer Gymnasium. Doch dann startet er in sein Wallgauer Abenteuer.

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