+
Präsident zum Mitnehmen: Hansjörg Zahler behält das Bild vom G7-Gipfel, das seine Begegnung mit Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel dokumentiert. 

Vorfreude auf die neuen Aufgaben

Wallgaus Noch-Bürgermeister macht sich selbstständig - und nimmt es zusätzlich mit 170 Hühnern auf

  • schließen

Der Abschied naht. Am 1. Mai scheidet Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler aus seinem Amt. Auf die faule Haut will sich der 56-Jährige künftig aber nicht legen. Im Gegenteil. Er macht sein Hobby zum Beruf. 

Wallgau – Hansjörg Zahler räumt auf. Und aus. Beseitigt seinen Saustall, wie er es ausdrückt. „Man sieht schon was“, meint er und lacht. Die Akten-Ordner im Schrank oder das Mobiliar im Büro tastet er aber nicht an. Gehört alles der Gemeinde. Nur ein Bild möchte Wallgaus Noch-Bürgermeister mit nach Hause nehmen. Es erinnert ihn an einen besonderen Moment seiner zwölfjährigen Amtszeit. An eine Begegnung der außergewöhnlichen Art.

Das gerahmte Foto ziert seit 2015 die Wand neben seinem Schreibtisch. Es zeigt ihn mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel beim G7-Empfang in Krün. Eine solche Gelegenheit bekommt nicht jeder. „Ich war sehr beeindruckt“, erinnert sich Zahler. Vor allem von dem amerikanischen Staatsoberhaupt. „Seine Aura ist spürbar.“

Jetzt aber hängt der Rathauschef das Bild ab. Am 1. Mai endet Zahlers Amtszeit. Für ihn ist es ein Abschied ohne Ängste und Bedenken. Die Entscheidung, seinen Posten abzutreten, hat er schließlich wohlüberlegt getroffen. Der 56-Jährige setzt einen Haken hinter sein kommunalpolitisches Engagement in Wallgau. Seit 2008 war er Gemeindechef, zuvor sechs Jahre Vize. Zahler vergleicht sein Ausscheiden mit einem Vertrag. Der jetzt ausläuft.

Lesen Sie auch: Kommunalwahl: Wallgaus Bürgermeister lüftet das Geheimnis

Zahler legt sich nicht auf die faule Haut

Ein paar Tage Resturlaub muss der 56-Jährige noch abbauen. Davor bereitet er seine letzte Gemeinderatssitzung am 28. April vor und trifft sich mit seinem Nachfolger Bastian Eiter (Wallgauer Wählerverein) zu Übergabegesprächen. Ein paar Sachen gibt es noch zu klären. Mehr nicht. „Ich muss ihm ja nicht sagen, wie die Bürgermeisterei geht.“

Ein Abschnitt endet, ein neuer beginnt. Und Zahler freut sich auf das, was nun auf ihn zukommt. Die Weichen für seine berufliche Zukunft hat er längst gestellt. Denn „ich habe nicht die geringste Absicht, mich auf die faule Haut zu legen“, betont der frühere Verkehrsamtsleiter und spätere Werbeleiter der Instrumentenbaufirma Gewa. Sein Herz schlägt für Erd- und Tiefbau. Nach der Arbeit ließ er sich in dem Thema schulen, nahm an Abendveranstaltungen teil und belegte Internetkurse, um sich weiter zu qualifizieren.

Mit eigenem Betrieb durchstarten

Ab 1. Mai will er als Selbstständiger mit der „Bau- und Umweltservice Oberland GmbH“ durchstarten. Stoffströme, Recycling und Behandlung von Böden sind seine Themenfelder. Beratung und Konzepte gehören unter anderem zum Leistungsspektrum. Außerdem plant er eine Weiterbildung zum Sicherheits- und Gesundheitskoordinator, kurz SiGeKo. Seinem Spezl Gerhard Storf von dessen Firma in Eglfing geht Zahler ebenfalls zur Hand. „Ich helf’ da mit“, sagt er – und schiebt einen kleinen Seitenhieb an seine Kritiker hinterher. „Wenn sich mal die Gelegenheit bietet, dass ich Bagger- oder Lastwagenfahren kann, dann ist das legitim und keiner braucht sich aufregen.“ In der Vergangenheit hatten ihm Bürger – nicht persönlich – des öfteren vorgeworfen, er würde während seiner Arbeitszeit seinem Hobby frönen. Zahler dagegen betonte stets, das sei nur im Urlaub geschehen.

Die Behauptungen entstanden mitunter aus Unzufriedenheit. Manch einer lastete dem Rathauschef an, den Ort zu wenig vorwärts zu bringen. Zahler kommentierte das Thema ausgiebig in der Bürgerversammlung im März 2019. Heute sagt er: „Ich werde es nicht vermissen, dass man mich schimpft.“ Damit habe er im Prinzip kein Problem, vorausgesetzt „ich hab’ was verbockt“.

Mehr dazu: Bürgerversammlung Wallgau: Rathaus-Chef Zahler schwingt die Moralkeule

„Ich hab‘ selber keinen Bock auf Industrie-Eier“

Zusätzlich zu seinem neuen Standbein realisiert der 56-Jährige seinen lang gehegten Wunsch, landwirtschaftliche Produkte vor Ort zu erzeugen. Ein mobiler Hühnerstall steht bereits neben seinem Stadl. Sobald ihn der Tierarzt abgenommen hat, ziehen 170 Hennen ein. Erhält die Packstelle dann noch die EU-Zertifizierung, können sich interessierte Gaststätten, Hotels und Privatpersonen mit Eiern eindecken. Positives Feedback gibt’s schon, sagt Zahler. Und kann’s unabhängig davon, dass es seine Idee ist, verstehen. „Ich hab’ ja selber keinen Bock auf Industrie-Eier.“

Seine neuen Tätigkeiten stehen fest. Offen ist dagegen noch, wie es mit seinen Positionen bei der Gesundheitsregion Plus im Landkreis weitergeht. Zahler fungiert als Vorsitzender des Gesundheitsforums, dem höchsten Organ, sowie als Beiratsvorsitzender. Er verweist auf die nächste konstituierende Sitzung. „Dann schauen wir, wohin die Reise geht.“ Nach wie vor schreibt er dem Tourismus in Verbindung mit Gesundheit ein „Wahnsinns-Potenzial“ zu. Eines, das man weiter ausbauen könne. Auch in Nach-Corona-Zeiten.

Zahler bleibt politisch aktiv

Aber ein Leben ohne in irgendeiner Weise Politik zu betreiben? Von 100 auf 0? Nicht sein Ding. „Ein bisschen politisch affin werde ich immer sein“, betont der Wallgauer. „Es wäre doch seltsam, wenn man das an- und ausschalten könnte.“ Deshalb bleibt er im Kreistag vertreten.

Seine Rathaus-Verwaltung wird er vermissen. Selbstgewählter Rücktritt hin oder her. Das Verhältnis – kameradschaftlich. Wenn es die Corona-Krise irgendwann zulässt, will er die Mitarbeiter zum Grillen an seinen Stadl einladen. Gehört sich, findet Zahler. Das Team war wichtig für ihn – in der „hochinteressanten und manchmal intensiven Zeit“. In den zwölf Jahren mit „wunderschönen Augenblicken“. Die Empfänge von Magdalena Neuner nach ihren Biathlon-Triumphen, die guten Gespräche mit Bürgern – und die Begegnung mit Ex-Präsident Barack Obama.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Unbekannte drängen Mann (60) zum Kauf von Töpfen 
Unbekannte haben in Murnau einen Mann (60) zum Kauf von Töpfen und Messersets gedrängt. Die Täter machten sich anschließend aus dem Staub.  
Unbekannte drängen Mann (60) zum Kauf von Töpfen 
Mann trägt Tätowierung mit NS-Symbol am Arm - jetzt muss er sich dafür verantworten
Ein Tattoo mit Folgen: Gegen einen 31-Jährigen wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Grund ist seine Tätowierung.
Mann trägt Tätowierung mit NS-Symbol am Arm - jetzt muss er sich dafür verantworten
Mann (26) mit Drogen und Waffen im Zug erwischt - in seiner Wohnung stößt die Polizei auf Außergewöhnliches
Aphetamine, Marihuana, ein Messer und noch mehr haben Polizisten bei einem Sicherheitsmitarbeiter entdeckt. Auch in seiner Wohnung wurden die Beamten fündig. Und wie.
Mann (26) mit Drogen und Waffen im Zug erwischt - in seiner Wohnung stößt die Polizei auf Außergewöhnliches
Zwei Flaschen Sekt gestohlen: Mehrfach vorbestrafter Rentner muss ins Gefängnis
Ein mehrfach vorbestrafter Ammertaler (74) muss ins Gefängnis. Er hatte in Oberammergau zwei Flaschen Sekt gestohlen.
Zwei Flaschen Sekt gestohlen: Mehrfach vorbestrafter Rentner muss ins Gefängnis

Kommentare