+
Noch steht der Laden im ehemaligen Rewe-Markt leer.

Überraschung bei Generalversammlung

Raiffeisenbank verkauft in Wallgau Lebensmittel

  • VonChristof Schnürer
    schließen

Neben Kredite und Konten kümmert sich die Raiffeisenbank Wallgau-Krün künftig um Lebensmittel. Verkaufen will sie diese im leerstehenden, ehemaligen Rewe-Markt.

Wallgau – Gerüchte im Dorf gibt es schon länger. Jetzt rückte Vorstandsvorsitzender Matthias Breith bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Wallgau-Krün mit der Sprache heraus: Die seit Januar 2018 in Wallgau leer stehende Ladenfläche an der Mittenwalder Straße wird angemietet, „um den Bürgern ab März 2021 eine weitere Einkaufsmöglichkeit in einem Lebensmittelmarkt zu bieten“.

Gespräche mit Eigentümer Dr. Josef Neuner, der für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, sollen voll und ganz positiv verlaufen sein. „Wir wollen die Infrastruktur aufwerten“, betont Breiths Vorstandskollege Bernhard Benz, „und uns breiter aufstellen“. Denn es ist kein Geheimnis, dass gerade kleinere Geldinstitute in Niedrigzins-Zeiten immer auf der Suche nach neuen Geldquellen sind. Ein florierendes Geschäft ist schon seit langem das Raiffeisenbank-Lagerhaus im Wallgauer Gewerbegebiet, in dem bereits jetzt Lebensmittel angeboten werden. Diese will man laut Breith ab 2021 umlagern.

Doch die beiden Chefs sehen nicht nur für ihr Unternehmen, sondern für das ganze Dorf Vorteile. „Denn wir schaffen mit dem Lebensmittelgeschäft neue Arbeitsplätze für Einheimische“, unterstreicht Benz, „und die Gemeinde Wallgau profitiert gleichzeitig von höheren Steuerzahlungen“.

Mit der Entscheidung, sich ein zusätzliches Standbein neben dem Kerngeschäft zu schaffen, kann auch Aufsichtsratsvorsitzender Albert Neuner gut leben. „Gut, dass endlich was angepackt wird.“ Womit der „Hackl-Albert“ auf den generellen Stillstand im Dorf anspielt. Seit einiger Zeit träumen Neuner und die restlichen Landwirte von einem Bauernladen im gemeinde-eigenen Kirchenböbl am Dorfplatz. „Doch der macht dann keinen Sinn mehr“, meint Bürgermeister Bastian Eiter im Hinblick auf die Lebensmittel-Offensive der Raiffeisenbank. Diese möchte Vorstand Benz zufolge „den Fokus auf regionale und qualitativ gute Produkte“ legen. Mit anderen Worten: Ein guter Absatzmarkt für die heimischen Landwirte. „Wenn das in dieser Richtung funktionieren würde, dann bräuchten wir keinen eigenen Laden“, sagt Albert Neuner. Mit dem neuen Supermarkt könnten also einige Probleme gelöst werden.

Entstanden sind diese beispielsweise durch das Aus des Rewe-Markts am 31. Dezember 2017. Seitdem steht das 500-Quadratmeter-Geschäft von Dr. Neuner leer. Einziger Lichtblick in Wallgau war seitdem „Schuwi’s Wurst- und Getränkeladerl“ zwischen Rathaus und Dorfplatz.

Dieses Ensemble wiederum wartet seit einer gefühlten Ewigkeit auf Revitalisierung. „Das ist völlig eingeschlafen“, räumt der Bürgermeister ein – nicht zuletzt wegen Corona und des stockenden Dorferneuerungsprozesses, bedingt durch den zuletzt regen Personalwechsel beim federführenden Amt für ländliche Entwicklung (ALE). Jetzt geht es laut Eiter erst einmal um die Teilnehmergemeinschaft. „Wir müssen wieder eine Mannschaft finden“, drückt es der Neue im Rathaus aus und zielt damit auf die längst fälligen Wahlen (alle sechs Jahre) in diesem wichtigen Bürger-Mitsprache-Gremium ab. Vieles in Wallgau ist zuletzt ins Stocken geraten – durch Corona und eine amtsmüde Führung. Dank der Raiffeisenbank könnte nun Bewegung ins Dorf kommen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare