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Filet-Fläche: Auf diesem Hang in Traumlage könnten Bauplätze entstehen

Bauplätze in traumhafter Lage

Wallgau will wachsen

Wallgau - Einige Einheimischen reicht die Postkarten-Idylle Wallgaus nicht mehr. Sie möchten ihren Kindern Bauplätze bieten. Doch da stößt man in der Gemeinde an Grenzen.

Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) brachte es im Wallgauer Gemeinderat auf den Punkt: „Soll der Ort wachsen oder nicht? Das ist die Schlüsselfrage.“ Für den Rathauschef und die überwältigende Mehrheit des 13er-Gremiums lautet die Antwort: Ja. „Man muss dem Dorf Raum zur Entwicklung geben“, bekräftigt Zahler auch gegenüber dem Tagblatt.

Der Hintergrund dieser Sichtweise ist ein ganz pragmatischer: Acht Grundstückseigentümer haben sich vor geraumer Zeit an die Gemeinde gewandt. Unisono wünschen sie sich zusätzliche Bauplätze auf ihren – mitunter exquisit gelegenen – Flächen. Doch in den überwiegenden Fällen müssten im Zuge einer Flächennutzungsplan-Änderung hierzu die Ortsgrenzen arrondiert werden.

Und das schmeckt einem gar nicht: Bernhard Wilde vom Wallgauer Wählerverein (WWV). „Da geben wir einen Teil unserer Planungshoheit her“, argumentierte der Gemeinderat, der folglich bei den Einzelabstimmungen bis auf zweimal als einziger stets dagegen votierte. Wildes Angst: Durch die zusätzlichen Bauvorhaben an den Ortsrändern werden ihm zufolge sinnvolle und gewachsene Baulinien durchbrochen. Die Folge: ein architektonischer Wildwuchs und Präzedenzfälle.

Der Bürgermeister versuchte, Wildes Befürchtungen zu zerstreuen: „Mit den Aufstellungsbeschlüssen geht keine Vorfestlegung einher.“ Das Ja zu den einzelnen Parzellen in teilweise traumhaften Lagen (Krepelschroffen-Straße, Vorderbergleiten, Kurpark) ist auf alle Fälle eines: eine klare Willensbekundung der politischen Gemeinde. Mit diesem Signal möchte Wallgau nun den Gang durch die Instanzen antreten. Denn die zugrundeliegende Novellierung des Flächennnutzungsplans bedarf der Zustimmung übergeordneter Stellen (Landratsamt, Naturschutz-Behörden etc.). Und das wird schwierig genug, wie der Bürgermeister aus Erfahrung weiß.

Zahler schildert noch einmal, warum das Dorf nicht sinningerweise innerorts, sondern an den Grenzen wachsen soll. Innerhalb Wallgaus gibt es zwar adäquate Bauflächen – am Haus des Gastes, am Kurpark und im Unterdorf (Schöttlstraße) –, doch darauf hat die Kommune aufgrund privater (landwirtschaftlicher) Nutzung aktuell keinen Zugriff. Dass durch die Außen-Variante mitunter betuchte Besitzbürger zu weiteren Filet-Immobilien kommen, müsse dabei außer Acht gelassen werden, mahnte Zahler im Gemeinderat. „Die soziale Komponente darf dabei keine Rolle spielen.“

Um möglicherweise auch bessere Karten bei den Genehmigungsbehörden zu haben, hat sich der Gemeinderat zudem entschlossen, sämtliche Neuausweisungen mit einem Einheimischen-Modell-Passus zu belasten. „Denn wir wollen keine Spekulationsobjekte“, verdeutlicht der Rathauschef.

Die potenziellen Bauwerber dürfen also ihre hochwertigen Parzellen nur an Mitbürger veräußern, die mindestens zehn Jahre bereits in Wallgau leben. Die Bindungsfrist soll 20 Jahre laufen. Im Bedarfsfall sichert sich die Gemeinde ein Vorkaufsrecht. Eine Vorgehensweise, die Gemeinderätin Veronika Stelzl (CSU) zu 100 Prozent unterstützt. „Wir jammern immer, dass wir nur noch alte Leute haben. Dann sollten wir jetzt den Jungen eine Chance geben.“ Im Publikum saß auch Rudi Hirtreiter, der ehemalige Bürgermeister (1990 bis 2002). Als er ums Wort gebeten wurde, berichtete er, dass entsprechende Vorhaben zu seiner Zeit nicht zuletzt vom damaligen Kreisbaumeister Bernd Feldpausch niedergebügelt worden seien. „Und heute macht Herr Feldpausch Bebauungspläne für die Gemeinde.“

Christof Schnürer

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