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Pattsituation: Im Wallgauer Gemeinderat wird heiß über den Kirchenböbl debattiert.

Lebhafte Debatte im Gemeinderat 

Wallgauer Kirchenböbl: Ein verzwicktes Politikum

Abriss oder Neubau? In der Dauerdebatte über das Schicksal des Kirchenböbl zeichnet sich im Wallgauer Gemeinderat ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Am Donnerstagabend einigte sich das Gremium mehrheitlich (10:3) darauf, zunächst beide Varianten weiterzuverfolgen. Zu einem Schwur soll es in einigen Wochen kommen.

Wallgau – Lange Zeit schien in Wallgau alles auf den Abriss des Kirchenböbl und einen Neubau auf dem Dorfplatz hinzudeuten. Darüber herrschte in den Gremien der Dorferneuerung und im Gemeinderat scheinbar Konsens. Doch dann kamen die Gebrüder Leismüller und sorgten mit ihren Ideen bei einigen in der Volksvertretung für einen Stimmungswandel. Beispielsweise bei Karlheinz Schwaiger (Wählerverein). Der Zweite Bürgermeister gerät bei der Vorstellung, das alte Anwesen zu sanieren und dort eine Schau-Brennerei und -landwirtschaft unterzubringen, regelrecht ins Schwärmen. „Das wäre einzigartig im ganzen Landkreis, dann hätten wir ein Alleinstellungsmerkmal und den schönsten Dorfplatz weit und breit.“

Eine Sichtweise, die am Donnerstagabend in der Sitzung im Haus des Gastes Schwaigers unmittelbaren Nachbarn und Fraktionskollegen Josef Berwein gar nicht behagten. Vor rund 70 Zuhörern im Festsaal sträubte er sich mit Händen und Füßen gegen einen Verkauf des Kirchenböbl ohne Auflagen, wie es sich Franz-Martin und Hubertus Leismüller wünschen. „Dann wissen wir nicht mehr, was reinkommt, dann haben wir keine Handhabe mehr.“ Die Gemeinde, die vor über drei Jahren den Kirchenböbl von der Raiffeisenbank für 480 000 Euro gekauft hat, solle Eigentümer bleiben, das Anwesen abreißen und dort ein neues Geschäftshaus bauen.

Was bei Berwein nicht weiter verwundert, schließlich möchte er mit drei weiteren hiesigen Landwirten im neuen Kirchenböbl einen Bauernladen eröffnen und entsprechende Flächen von der Kommune anmieten. Doch das macht Berwein in den Augen von Hans Baur (Junge Mitarbeiter) verdächtig. In einem 14 Punkte umfassenden Fragekatalog wollte er unter anderem von Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) wissen, ob Bauernladen-Mitbetreiber Berwein bei einer Grundsatzentscheidung (Abriss oder Neubau) befangen sei. Das beantwortete der Rathauschef nach vorheriger Rücksprache mit dem Landratsamt mit einem „wahrscheinlich ja“.

Zahler hatte für diesen Abend eigentlich ein anderes Drehbuch geschrieben. „Angesichts der aktuellen Situation müssen wir doch mal entscheiden“, betonte der Bürgermeister. Nicht zuletzt deshalb, da wegen der drohenden Rewe-Schließung im Dezember dringender Handlungsbedarf in puncto Grundversorgung besteht. „Daher müssen wir uns schon fragen, ob wir den Sprung nicht endlich wagen sollten.“

Dieser blieb an diesem Abend aus. Stattdessen rang sich das Gremium mit 10:3 Stimmen zu dem salomonischen Beschluss durch, vorerst beide Varianten weiterzuverfolgen. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass Zahler einen Neubau des Kirchenböbl präferiert – ähnlich wie die benachbarten Gastwirte Bernhard Neuner junior (Posthalter) und Albert Neuner (beide CSU). Der Neuwirt appellierte an seine Kollegen, als er meinte: „Wir dürfen unser Herzstück nicht verkaufen, wenn wir nicht müssen.“

Das sehen Bernhard Wilde und Julia Schwarzenberger (beide Wählerverein) völlig anders. Beide sprachen sich für einen Verkauf – am besten an die Familie Leismüller – aus. „Es wird Zeit, sich mit ihr an einen Tisch zu setzen“, forderte Schwarzenberger. „Jetzt hätten wir die Chance, uns von dieser Last zu befreien“, stieß Baur ins gleiche Horn.

Der Kirchenböbl polarisiert mehr denn je. Die endgültige Abstimmung über ihn wird eine ganz enge Sache.

Christof Schnürer

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