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Der Kirchenböbl steht im Fokus der Dorferneuerung.

Bürger-Umfrage

Wallgauer wollen Kirchenböbl abreißen

Wallgau - Abriss oder Neubau? Das Votum der Bürger ist eindeutig: Sie wollen den Kirchenböbl abreißen. Für die Nutzung des Neubaus hingegen gibt's viele Ideen.

Kaum etwas wird in Wallgau so heiß diskutiert wie die Zukunft des Dorfplatzes. Ideen gibt es viele, Gespräche, Workshops und Sitzungen auch. Aber nicht immer lief die Entwicklung eines Konzepts harmonisch. Fünf Mitglieder der Arbeitsgruppe „Alpenraum und Tagespflege“ verließen die Teilnehmer-Gesellschaft (TG) zur Dorfentwicklung im Januar, nachdem sie sich im Stich gelassen fühlten – von Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) und dem Gemeinderat. Den Aussteigern stank unter anderem, dass Zahler die Ergebnisse einer Bürger-Umfrage im Dorfkurier nicht zeitnah veröffentlichte. Denn sie „würde die Stimmung und Meinungen zur Dorferneuerung einholen“.

Die Ergebnisse lieferte der Rathauschef nun bei der Bürgerversammlung auszugsweise nach. Im Fokus stand dabei – wie bei der Dorferneuerung insgesamt – die künftige Nutzung des Kirchenböbls. 315 Einwohner hatten den Fragebogen ans Rathaus zurückgeschickt.

Am deutlichsten fiel ihre Meinung zur Grundsatzfrage aus: 61 Prozent sprachen sich für einen Abriss des alten Anwesens aus, das die Gemeinde nach zähen Verhandlungen 2013 von der Raiffeisenbank kaufte. Sie wünschen sich einen Neubau. Als „sehr eindeutiges Ergebnis“ wertete Zahler diese Aussage.

Deutlich differenzierter waren die Positionen in Bezug auf die Nutzung des Anwesens an zentraler Stelle. Indoor-Spielplatz, Kletterhalle, Tagespflege, Senioren-Zentrum oder neuer Standort fürs Rathaus samt Tourist-Info: Viele Optionen wurden abgefragt. Sowohl einen Spielplatz (36 Prozent) als auch eine Kletterhalle (39 Prozent) und die Verlegung des Gemeindesitzes (38 Prozent) lehnte eine jeweils knappe Mehrheit ab.

Wesentlich aufgeschlossener stehen die Wallgauer denjenigen Optionen gegenüber, die auch die Dorfentwicklungs-Gremien ins Visier nehmen. Eine Tagespflege wünschen sich viele, aber nur 38 Prozent im Kirchenböbl. 44 Prozent der Befragten würden diesen Service gern woanders im Dorf unterbringen. Ähnlich sieht es beim Senioren-Zentrum aus. Auch das wünschen sich 38 Prozent im Anwesen am Dorfplatz, 33 Prozent an einem anderen Standort. Jeweils 14 Prozent sehen überhaupt keinen Bedarf für beide Angebote.

Noch deutlicher fiel das Ergebnis beim derzeit favorisierten Konzept „Alpenraum“ für den Kirchenböbl aus, das das Fürther Büro „Standort & Kommune“ momentan für Wallgau auf Wirtschaftlichkeit prüft. 54 Prozent der Befragten können sich gut vorstellen, in dem Haus „eine Art begehbaren Katalog mit alpenländischen Produkten“ unterzubringen, wie Zahler die Idee beschrieb. 25 Prozent stimmten gegen eine Galerie, Ausstellungen, Märkte, Werkstätten mit heimischem Handwerk, einen Online-Shop und weitere Ideen, die sich hinter dem „Alpenraum“ verbergen.

Zahler plant eine weitere Bürgerversammlung zum Thema Dorferneuerung im Herbst. Denn fehlende Transparenz und Kommunikation will er sich kein zweites Mal vorwerfen lassen müssen – und weitere engagierte Bürger für die Dorfentwicklung verlieren.

Janine Tokarski

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