Arbeitskreis soll gebildet werden

Besorgniserregende Tourismuszahlen: So reagiert die Gemeinde Wallgau

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Tourismus ist Wallgaus Standbein Nummer eins: Trotzdem brechen dem Ort peu à peu Betten weg, bei den Übernachtungs- und Ankunftszahlen steht das Minus. Die Gemeinde will auf die Entwicklung reagieren.

Wallgau – Seine Laune – im Keller. Die jüngst im Tagblatt veröffentlichten Tourismuszahlen haben Hans Baur (Junge Mitarbeiter) die Stimmung vermiest. „Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, sagte er in der Gemeinderatssitzung mit aller Deutlichkeit. Der 69-Jährige appellierte an seine Kollegen, dringend etwas gegen den Negativ-Trend zu unternehmen.

In der Tat schneidet der rund 1500-Seelen-Ort im Vergleich zu Mittenwald und Krün schlecht ab. Im Gegensatz zu den Nachbarn und anderen Gemeinden wie Garmisch-Partenkirchen oder Oberammergau steht ein Minus vor den Ankünften (-3,01) und Übernachtungen (-1,54). Der Bettenrückgang – in drei Jahren 3,6 Prozent weniger – bereitet Baur erst recht Sorgen. „Wir müssen uns Gedanken drüber machen.“

Der Wallgauer möchte keine Fundamentalkritik an der Alpenwelt Karwendel (AWK) üben. Er weiß, dass die Infrastruktur vor Ort nicht zum Aufgabenbereich der GmbH zählt, sondern in erster Linie die Vermarktung. Trotzdem wollte er auf die finanzielle Seite anspielen. Die Gemeinde zahlt 550 000 Euro an den Tourismusverbund. Eine „stolze Summe“, sagte er, „wenn nichts rauskommt“.

Einen Vorschlag für die Zukunft hatte er schon parat: Baur schwebt vor, einen Arbeitskreis zu gründen, der sich den Problemen annimmt. „Wir müssen uns selbst kümmern, dass wir stärker werden.“ Ihm geht es darum herauszufinden, warum die Gastgeber mit der Vermietung aufhören. Wenn die Alpenwelt mithelfen würde – umso besser. Baur sieht es sogar als „Verpflichtung“, darüber im Gemeinderats-Kreis zu sprechen.

Als vernünftigen Ansatz betrachtet Bernhard Neuner (CSU) den Vorstoß Baurs. Er erklärte sich wie auch Bernhard Wilde (Wählerverein) bereit, dem Arbeitskreis beizuwohnen. Der Hotelier und AWK-Aufsichtsrat wies aber auch darauf hin, dass es nicht reicht Ankunfts- und Übernachtungszahlen unter die Lupe zu nehmen. Die GmbH brauche bessere Daten. Deshalb richteten Geschäftsführerin Sabrina Blandau und ihr Team 2017 den Blick bereits auf die Auslastung in den einzelnen Unterkunftsarten, um zu erkennen, wo ein Rückgang zu verzeichnen ist. „Bei den Ferienwohnungen hapert’s“, verdeutlichte Neuner. Standen in dieser Kategorie 2016 im Isartal noch 4038 Betten zur Verfügung, waren es 2017 nur noch 3996. Heißt: Auf die Betreiber sollte man seiner Meinung zugehen.

Von der Idee, den Arbeitskreis zu installieren, zeigte sich Hansjörg Zahler (CSU) ebenfalls angetan. „Man muss den Entwicklungen auf den Grund gehen.“ Der Bürgermeister stellte aber deutlich klar, dass man zwar Ursachen und Motive herausarbeiten könne, handeln müssten aber die Unternehmern. Und das sind die Gastgeber selbst.

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