Viel Kies, wenig Wasser: Das ist das typische Bild in Wallgau. Nächstes Jahr werden 20 000 Kubikmeter Geröll aus dem Fluss entfernt. foto: X

Wallgau mit dem Seehofer-Effekt

Wallgau - Nach langem Kampf steht Wallgau kurz vor der Erlösung - und zwar vom Isarkies. Behörden-Vertreter haben scheinbar Zustimmung für eine dauerhafte Kiesentnahme signalisiert. .

Wenn der Bagger kommt, schlägt das Herz vieler Wallgauer höher. Denn dann holt er den Kies aus der Isar, dann ist die Überschwemmungsgefahr wieder abgewendet - und das große Risiko, dass das Geröll in den Brunnen gelangt und das Trinkwasser verschmutzt. Bislang kam der Bagger aber nicht oft. Die Steinmassen durften nur ganz selten entnommen werden. Seit vielen Jahren kämpft das Dorf dafür, immer wieder mal Geröll aus dem Fluss zu holen, wenn es zu viel wird (wir berichteten). Doch vor allem Naturschützer wehrten sich massiv dagegen, da viele verschiedene Tierarten im Kies leben.

Doch nun kommt der Bagger wieder. Ganz sicher. „20 000 Kubikmeter werden im Frühjahr 2014 entnommen“, verrät Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU). Ansonsten gibt er sich zurückhaltend - ebenso wie das Landratsamt. Das Thema ist sensibel, an die Öffentlichkeit wollen die Beteiligten erst gehen, wenn alle das Protokoll des letzten Treffens abgesegnet haben.

Dieses Treffen dürfte große Hoffnungen in Wallgau geschürt haben - und zwar auf einen regelrechten Befreiungsschlag. Denn dem Vernehmen nach sind die 20 000 Kubikmeter nur der erste, kleine Schritt. Geplant ist ein so genanntes Geschiebemanagement, dass der Gemeinde zusichern soll, immer dann Kies aus der Isar entnehmen zu dürfen, wenn sein Stand eine bestimmte Höhe übersteigt. „Darauf haben sich alle Parteien geeinigt“, bestätigt Regierungssprecherin Ines Schantz. In Krün wird dieses Vorgehen schon praktiziert. Für Wallgau würde es bedeuten: „Was vor der Haustür liegt, kommt raus“, verdeutlicht der Rathauschef. Dort liegt viel Geröll, bei jedem Hochwasser bleibt mehr zurück. Konkret geht es bei den Plänen zur dauerhaften Entnahme um die rund 1,5 Kilometer lange Strecke zwischen Wallgauer Steg und Weberwiese. Letztere ist voller Steine und für den Weidebetrieb unbrauchbar. Damit nicht genug: Auch der Schutzwall für den Trinkwasserbrunnen wird verlängert und verstärkt, „sodass er einem hundertjährigen Hochwasser standhalten soll“, berichtet Zahler.

Mit diesen Maßnahmen wären weite Teile der Forderungen Wallgaus erfüllt. Mit einer dauerhaften Entnahme gingen die Naturschützer einen großen Kompromiss ein, den die Behörden in der Vergangenheit stets ablehnten. Möglicherweise haben die Wallgauer den Erfolg dem Ministerpräsidenten zu verdanken. Denn als Horst Seehofer im August zum 1250-jährigen Jubiläum das Dorf besuchte, gab er ein vollmundiges Verprechen ab: „Ich nehme den Kies gerne mit.“ Er scheint Wort zu halten. Und wenn sich der Chef persönlich kümmert, rückt vielleicht auch der Bagger schneller an. csc

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