Unterirdisch verläuft die Trasse der Finzbachüberleitung. Mit ihrem Wasser und einer Turbine will Wallgau Strom gewinnen. grafik: gemeinde Wallgau/ Holzapfel

Wallgau setzt auf Wasserkraft

Wallgau - Wallgau will ein Wasserkraftwerk: Es gibt erste Gespräche mit Eon über ein Projekt an der Finzbachüberleitung...

Als „höchst interessant“ bezeichnet Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) die Idee des Wallgauer Wasserbau-Experten Dr. Joahnn Neuner. „Die habe ich natürlich sofort aufgegriffen“ - und weitergetragen.

Nämlich zu den Verantwortlichen von Eon. Dem Rathauschef schwebt vor, dieses Projekt gemeinsam mit dem Betreiber des Walchenseekraftwerks zu realisieren. Schließlich nutzt der Energieriese schon den Isarkanal, um Wasser vom Fluss abzuzweigen und direkt ins Kraftwerk zu befördern.

Bei Eon zeigten sich die Wasserkraft-Vertreter „sehr offen“, sagt Zahler. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie für das Projekt. Denn es muss sich wirtschaftlich lohnen und technisch möglich sein.

Diesbezüglich ist Neuner „guter Dinge“, auch wenn diese Untersuchungen einen völlig „offenen Ausgang“ haben. Der Experte, der bei der Tiroler Wasserkraft AG arbeitet, sieht gute Grundvoraussetzungen für eine Turbine in seinem Heimatdorf. Denn „es gibt ein bestehendes Rohrsystem, das nur angepasst werden müsste“, unterstreicht er. Die Rohre der Überleitung, die das Wasser des Finzbachs unterirdisch dem Isarkanal zuführen, sind vorhanden. „Die Eingriffe wären moderat.“

Und auf dieser Strecke gibt es „eine Restfallhöhe, die nicht genutzt wird“. Rund 30 Meter beträgt das Gefälle der Überleitung bis zum Kanal. Folglich besteht dort von Natur aus ein hoher Wasserdruck, der für die Stromgewinnung noch gesteigert werden soll. „Wir müssen aber erst prüfen, ob die Leitungen dem standhalten“, untermauert Zahler.

Genau das soll die Studie unter anderem prüfen. Ebenso wie einen Standort für das Mini-Kraftwerk mit Turbine. Das könnte sich der Bürgermeister am Haus des Gastes, neben dem Trafohäuschen, vorstellen. Der Vorteil: „Es wäre in unmittelbarer Nähe zum Finzbach.“

Auf die Idee für das Projekt kam Neuner im Rahmen der Dorfererneuerung. Der Ingenieur gehört zur Teilnehmergemeinschaft und bringt sich im Arbeitskreis Energie und Landwirtschaft ein. Die Mitwirkenden haben sich Gedanken gemacht, wie Wallgau die regenerative Energiegewinnung voranbringen kann.

Das Ergebnis: „Das Wasser wird bei uns schon stark genutzt“, sagt Neuner. Sei es fürs Walchenseekraftwerk oder ein kleines Kraftwerk an der alten Quellleitung in Richtung Schöttlkarspitz. Dort erwirtschaftet die Gemeinde mit einer Leistung von 19 Kilowattstunden Strom monatlich 800 bis 900 Euro, sagt der Bürgermeister. Um mehr zu generieren, bleiben nur „die Isar-Zubringer, die genutzt werden können“, legt Neuner dar.

Das wollen die Wallgauer nun aber nicht allein machen. Ein „partnerschaftliches Modell“ schwebt Rathauschef Zahler mit Eon vor. Gemeinde und Unternehmen beteiligen sich an den Kosten, beide verkaufen den Strom. Der Bürgermeister will vernommen haben: Von Eon „ist die finanzielle Bereitschaft da“. Muss nun nur noch die Studie zeigen, dass sich das Projekt auch lohnt und machbar ist.

(nine)

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