Wallgau unter Zugzwang

Wallgau - Die Gemeinde muss ein Betreuungsangebot für Förderkinder schaffen: Bürgermeister Zahler will eine Lösung in Wallgau, betroffene Eltern sind ziemlich skeptisch.

Einfach ist die Situation für Sabine Rappensberger nicht. Derzeit gehen die beiden Töchter der Wallgauerin in den Integrationskindergarten nach Garmisch-Partenkirchen. Alexandra (5) kommt im nächsten Jahr in die Schule, doch die Zukunft ihrer dreijährigen Schwester ist ungewiss. Wie berichtet, muss das hörgeschädigte Mädchen die Einrichtung der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe (KJE) im August 2012 verlassen. Denn an dem Neubau hat sich die Gemeinde Wallgau nicht beteiligt, folglich stehen für Wallgauer Kinder dort keine Betreuungsplätze zur Verfügung. „Wir hängen total in der Luft“, ärgert sich Mutter Sabine. „Ich wüsste jetzt einfach mal gern, ob Daniela bleiben kann oder nicht.“ Gleiches gilt für den fünfjährigen Finn Lachner, der ebenfalls die KJE-Einrichtung besucht.

Doch ein Angebot für Förderkinder fehlt bislang in Wallgau. „Wir können uns das nicht leisten“, betont Bürgermeister Hansjörg Zahler die Ablehnung einer Beteiligung am Neubau.

Deshalb favorisiert er eine Lösung vor Ort: In den kirchlichen Kindergärten Krün und Wallgau sollen je zwei Förderplätze geschaffen werden. Für die speziellen Therapien der Kinder könne Fachpersonal für einige Stunden in der Woche in die Einrichtungen kommen. So könnten Zahler zufolge Investitionskosten gespart und die Einrichtung vor Ort langfristig gesichert werden. „Denn der demografische Wandel geht auch an uns nicht spurlos vorbei.“ Gerade einmal drei Geburten gab es 2011 in Wallgau.

Mit dieser Argumentation will er heute Abend im Gemeinderat nochmals an die Gründe für die Entscheidung Wallgaus erinnern. Als das Problem der Familien Lachner und Rappensberger bekannt wurde, hat der Bürgermeister nämlich Gegenwind gespürt.

Für Rappensberger bleibt Zahlers Idee „inakzeptabel“. Daniela habe sich in der KJE-Einrichtung bestens eingelebt, außerdem erhalte sie dort eine perfekte Betreuung. Dass es die auch in Wallgau geben könnte, bezweifelt die Mutter. „Ich sehe nicht, dass hier etwas Gleichwertiges aufgebaut wird.“ Niemand habe sich bislang nach der Krankheit ihres Kindes und dessen Bedürfnissen erkundigt. „Ich bin sehr skeptisch.“

Weit fortgeschritten sind die Planungen auch noch nicht. Zwar haben sich die Verantwortlichen der beiden Kindergärten in Krün und Wallgau grundsätzlich bereit erklärt, einzelne Förderkinder zu betreuen, „aber wirklich viel zu berichten gibt es noch nicht“, sagt Leiterin Doris Schmidt. Im neuen Jahr seien zu diesem Thema Gespräche mit Pfarrer Mieczyslaw Studzienny geplant, der für die katholische Einrichtung verantwortlich ist. Schmid weiß, dass die Aufnahme von Förderkindern „eine größere Umstellung“ bedeutet. Grundsätzlich nehmen sie und ihr Team diese gern in Kauf. Doch in den Fällen Finn und Daniela „haben wir eigentlich nicht gedacht, dass sie ihre Plätze verlieren.“

Genau danach sieht es aber aus. Bleiben könnten die beiden nur, wenn in den vier Gemeinden, die am KJE-Neubau beteiligt sind, nicht alle Plätze gebraucht werden. Dann könnte Wallgau einen dieser Plätze temporär abkaufen.

Janine Tokarksi

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