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Verkehrte Welt: Am 10. August, also mitten im Hochsommer, zieht ein Schneesturm über die Zugspitze hinweg. Auf dem Berg herrschen an diesem Tag Nebel und Temperaturen unter null Grad.

Zu warm, zu trocken: Wetter auf Rekordkurs

Garmisch-Partenkirchen - 158 Liter pro Quadratmeter sind es im Schnitt. So viel Niederschlag fällt im November auf der Zugspitze. Im statistischen Mittel. Es gab auch schon weniger Schnee und Regen. Im November 1920. Da waren es gerade mal 4 Liter. Heuer sind es bisher: 0.

Es gab keinerlei Niederschlag im November 2011. Sollte es bis Ende des Monats so weitergehen, würde der Rekord aus dem Jahr 1920 noch unterboten. „Ein großes Hochdruckgebiet beeinflusst derzeit unser Wetter“, erklärt Manfred Kristen, der Leiter der Wetterwarte auf der Zugspitze, das Phänomen. „Lediglich am Samstag könnte das Hochdruckgebiet stellenweise von einer Nordwest-Strömung unterbrochen werden“, sagt Wetterdienst-Techniker Robert Schardt. Das bedeutet, es könnte ein wenig Schnee geben, zumindest ab 1000 Metern. „Doch weitere Voraussagen in die Zukunft sind schwierig.“

Außergewöhnlich seien heuer aber nicht nur die Trockenheit, betont Schardt, sondern auch die Temperaturen. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1900 ist es im November noch nie so warm gewesen. Bis jetzt lag die Temperatur im Mittel bei minus 0,5 Grad. Normal seien minus 7,1 Grad. Der bisherige Rekord lag 1953 bei minus 3 Grad.

Als einen Grund nennen die Experten die vielen Sonnenstunden. Bisher wurde der Normalwert an Sonnenstunden von 133 um 30 überschritten. „Das hat zu dieser Jahreszeit enorme Auswirkungen auf die Natur“, sagt Schardt. „Nicht nur der Gletscher ist davon betroffen. Gerade die Berghänge sind unglaublich trocken. Sonne und mangelnder Regen begünstigen das.“ Der Experte warnt alle Wanderer: „Schon eine unachtsam weggeworfene Zigarette kann einen verheerenden Waldbrand auslösen.“

Andrea Luttkus

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