Auf einen Schlag energieautark: Das könnte mit diesem Schachtkraftwerk bei Großweil gelingen. GRafik: Ingenieurbüro Sepp

Wasserkraftwerk: Klage steht im Raum

Großweil - 600 Vier-Personen-Haushalte, die auf einen Schlag mit Energie aus Wasserkraft versorgt werden könnten. Möglich wäre das durch ein Schachtkraftwerk, das die Gemeinde Großweil, die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen und ein Farchanter Kraftwerkbetreiber in der Loisach planen.

Gegen dieses Pilotprojekt in Großweil formiert sich allerdings Widerstand (wir berichteten) - insbesondere Naturschützer und Fischer stehen dem Vorhaben äußerst kritisch gegenüber. Ihre Stellungnahmen liegen längst vor. Nachdem von Betreiberseite Nachbesserungen gefordert waren, gilt es noch die Schreiben der Regierung von Oberbayern und des Wasserwirtschaftsamts Weilheim abzuwarten. Diese sind dem Landratsamt für Mitte/Ende Februar anvisiert. „Bei einem optimalen Verlauf erwarte ich einen Bescheid frühestens im Lauf des Aprils“, erklärt Landrat Harald Kühn (CSU).

Dann endlich Klarheit zu haben, „wäre super“, betont Wotan Lichtmeß, Vorstand der Gemeindewerke. Mit dem Vorhaben beschäftigt er sich seit mittlerweile drei Jahren, der offizielle Antrag wurde am 27. Februar 2012 eingereicht. Bekommen er und seine Mitstreiter heuer im April endlich Grünes Licht, „wäre Großweil auf einen Schlag energieautark“. Den Gegenwind können er und der Großweiler Bürgermeister nicht nachvollziehen: „Hier haben wir die Möglichkeit, einen eigenen Beitrag zur Energiewende zu leisten und den Ort vor Ort mit Strom zu versorgen“, sagt Manfred Sporer (CSU/Dorfgemeinschaft). Nachdem Wasser 24 Stunden fließt, könne dieser zudem rund um die Uhr erzeugt werden. Allerdings befürchten er und auch Lichtmeß , dass der Bund Naturschutz gegen einen positiven Bescheid vom Landratsamt Klage einreicht.

Diese Option halte sich der Verband offen, bestätigt Martin Kleiner, der die Kreisgeschäftsstelle in Garmisch-Partenkirchen betreut. Den Gedanken an sich, ein Querbauwerk mit einem Schachtkraftwerk aufzurüsten und dann Energie zu erzeugen, nennt auch er gut. Warum dafür jedoch ein seiner Meinung nach bislang unberührtes Gewässer - „der angebliche Querbau dort ist vielmehr eine Rauhe Rampe“ - angegriffen werden soll, versteht er nicht. „Viel sinnvoller wäre es, vorhandenen Querbauwerke, von denen es in Bayern etliche tausend gibt, entsprechend nachzubessern.“ Auch die Wasserkraftwerke - im Freistaat sind es 4250, davon 4000 Kleinanlagen - müssten erst auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden, ehe eine Fläche im FFH-Gebiet angetastet wird. „Dieser Naturraum ist zu wertvoll“, untermauert Kleiner. Außerdem mahnt er an, den Aspekt Energieeinsparung nicht aus den Augen zu lassen.

Die Sorgen des Naturschützers vermag Lichtmeß nicht nachzuvollziehen. Von der Baumaßnahme an sich, sei kaum etwas zu sehen, „fast alles spielt sich unter Tage ab“. Wie das Projekt letztendlich realisiert wird, hänge aber davon ab, wie viel Wasser den Betreibern zur Verfügung steht“, erklärt der Werke-Chef. Um die Energiewende zu schaffen, setzt er, nachdem Windanlagen im Landkreis nicht möglich sind, auf Sonne und Wasser. „Wir brauchen beides, nur mit Solaranlagen schaffen wir’s nicht.“ Daher hofft er, dass das Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde die naturschutzrechtliche Befreiung zulässt. Die Kreisbehörde beruft sich allerdings auf die gesetzlichen Bestimmungen, die in diesem Punkt nicht eindeutig geregelt seien. „Wo es möglich ist, genehmigen wir Wasserkraftanlagen“, sagt Kühn. Sechs mit einer Leistung von 1100 Kilowattstunden (das entspricht dem Verbrauch von 1300 Haushalten) seien es in den vergangenen zehn Jahren gewesen. „Wir stehen diesem Thema ausgesprochen positiv gegenüber.“

Das Loisach-Kraftwerk ist auch Thema bei der Großweiler Bürgerversammlung am heutigen Freitag. Los geht’s um 19.30 Uhr im Freizeitheim (Am Bad). (Tanja Brinkmann)

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