Im Hintergrund steht eine Kirche bei Nacht, im Vordergrund hängt ein beleuchteter Stern.
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Schauplatz der Werdenfelser Weihnacht: die Pfarrkirche St. Martin. Drei Tage wird dort gedreht.

Prominente lesen Heilige Nacht von Ludwig Thoma und musizieren

In Corona-Zeiten: Namhafte Künstler bieten weihnachtliche Emotionen per Video

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Sie wollten den Menschen in der Adventszeit etwas bieten. Deshalb gestalten Andreas M. Bräu und 24 heimische Gruppen die Werdenfelser Weihnacht. Namhafte Künstler, Laien und Profis, lesen und musizieren.

Garmisch-Partenkirchen – Im Hintergrund singt der Chor. Andreas M. Bräu muss sich zusammenreißen. Dass er nicht mitweint. Die Zuschauer sind bewegt und gerührt, manch einem stehen die Tränen in den Augen. Bräu schluckt. Diese besondere Stimmung ergreift auch ihn, den Profi am Lesepult. Immer wieder hat der Garmisch-Partenkirchner eine solche Situation erlebt. „Ehrlich und emotional“ beschreibt er die Atmosphäre, die man in seinen Augen nur bei Auftritten in der Weihnachtszeit erlebt. In diesem Jahr sollten die Menschen darauf verzichten müssen. Keine Lesung, kein Musikstück. Corona erlaubt nichts davon.

Befreundete Schauspieler und Autoren wie Conny Glogger: Alle sofort zugesagt

Damit wollte sich Bräu, Schauspieler und Autor und in Garmisch-Partenkirchen unter anderem bekannt als Fastenprediger Pater Andreas, nicht abfinden. Er nahm den Telefonhörer in die Hand und klingelte eine Liste durch. Befreundete Schauspieler und Musiker aus der Region rief er an. Er fragte einfach mal an, ob sie mitmachen würden bei seinem Projekt. Niemanden musste er überreden, alle waren sofort dabei. Die „Werdenfelser Weihnacht“ war geboren. Ein digitales Weihnachtskonzert und eine Lesung aus der Pfarrkirche Sankt Martin. Der Markt fördert das Projekt, das Tagblatt hat die Medienpartnerschaft übernommen.

Hat die künstlerische Leitung übernommen: Autor und Schauspieler Andreas M. Bräu.

35 Kulturschaffende – mal Solokünstler, mal treten sie zu zweit, zu dritt, maximal zu viert auf – haben sich gefunden. Sie bilden 24 Gruppen, passend zu den 24 Türchen am Adventskalender. Zehn Sprecher werden in der Garmischer Kirche die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma lesen, darunter Profis und Prominente wie Conny Glogger, Peter Rappenglück und Christian Jungwirth, zudem Lokalprominenz wie Pfarrer Andreas Lackermeier. Die Lesepassagen werden unterbrochen von Musikstücken, beispielsweise der Bläser der Musikkapelle Partenkirchen und von Sylvia Meggyes (Klavier) mit Ensemble. Viele Mitwirkende, doch treffen werden sie sich untereinander nicht.

An drei Tagen wird in der Kirche St. Martin in Garmisch gedreht

Einen genauen Drehplan hat Bräu, der künstlerische Leiter, entwickelt. An drei Tagen, von Freitag, 11., bis Sonntag, 13. Dezember, wird in der Garmischer Kirche gefilmt und aufgenommen. Jeder bekommt sein Zeitfenster, es gilt ein strenges Hygienekonzept. Von der Empore, aus dem Altarraum, von der Kanzel werden Lieder und Textpassagen erklingen. Die Kirche wird zum Konzertraum.

Informationen zur Werdenfelser Weihnacht

Veröffentlicht wird das digitale Weihnachtskonzert samt Lesung am 4. Adventssonntag auf der Seite des Marktes Garmisch-Partenkirchen unter www.buergerservice. gapa.de. Es dauert 50 Minuten. 24 Musikgruppen, Schauspieler und Autoren sind beteiligt, gelesen wird die Weihnachtslegende „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma.

Am Ende ist es an Luca Imberi, der Kamera, Videoproduktion und Schnitt übernimmt, aus den Einzelpassagen ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Ausgestrahlt wird es am Sonntag, 20. Dezember. „Ohne Corona wäre das schon ein anspruchsvolles Projekt“, sagt Bräu. „Mit Corona ist es der Wahnsinn.“ Viel Nachtarbeit hat er bereits hinter sich und steht ihm noch bevor. Doch er wird getragen. Vom Enthusiasmus der Mitwirkenden. Viele Ideen bringen sie ein, intensiv bereiten sie sich vor, die Gruppen zum Teil per digitaler Fernprobe. Immer wieder bekommt Bräu Mitschnitte. Daher weißt er: Allein der Beginn mit Orgelklängen „wird bombastisch“.

Vielfältige Unterstützung: Markt Garmisch-Partenkirchen fördert Projekt

Auch die vielfältige Unterstützung motiviert Bräu, allen voran von der Gemeinde. Bürgermeisterin Elisabeth Koch, die selbst eine Passage lesen wird, zeigte sich begeistert, sagte finanzielle Hilfe zu. Über die Höhe lässt sich Bräu nicht aus, doch kann er damit Gage bezahlen. Ein Segen in einer Zeit, in der keiner der professionellen Kulturschaffenden etwas verdient.

Doch niemand fragte nach Geld, als Bräu anrief. Sie waren einfach glücklich, etwas tun zu können. Damit gewinnt jeder: Die Künstler, die aktuell arbeitslos sind. Und die Menschen, denen per Video 50 Minuten lang Weihnachten nach Hause gebracht wird. Mit einer Botschaft wenden sich die Mitwirkenden um Bräu an die Zuschauer: Bei allem, was anders ist in diesem Jahr, eines bleibt: die Adventsstimmung. „Die lassen wir uns nicht nehmen.“

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