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Erinnern sich an Michael Ende: sein früherer Lektor Roman Hocke (l.) und Verleger Hansjörg Weitbrecht im Gespräch mit Moderatorin Anna Greiter. 

Zum Todestag von Michael Ende

Weit mehr als ein Märchenonkel

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Garmisch-Partenkirchen - Beim Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen erinnern sich Freunde und Weggefährten zu Michael Endes 20. Todestag an den Schriftsteller.

Das erste Wort hatte Michael Ende. „Die brennenden Fragen des 21. Jahrhunderts sind nicht mehr die nach dem technischen Fortschritt, sondern die kulturellen nach den Lebenswerten.“ Im Trachtenanzug blickt Michael Ende - die Einspielung stammt von einem Interview aus dem Jahr 1993 - von der Wand des Olympiasaals auf seine Gäste herab, die schnell begreifen, dass der Schriftsteller seiner Zeit weit voraus war. Seine Bücher, seien es weltbekannte Werke wie „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ oder weniger populäre wie „Der Spiegel im Spiegel“, zeugen davon. Zum 20. Todestag des berühmten Garmisch-Partenkirchners erinnerten sich Freunde und Weggefährten an den Künstler und seine phantastischen Welten, die von Franziska Strohmayr (Violine) und Jost H. Hecker (Cello) in Musik sowie von Gaston Florin in Zauberkunst umgesetzt wurden - passend zu dem Motto „Phantásien lebt“.

„Er war ein philosophischer Dichter“, betonte Roman Hocke. Einer, den es auch stets gewurmt habe, „zum Märchenonkel der Nation abgestempelt zu werden“. Ende habe nicht speziell für Kinder geschrieben, erklärte sein früherer Lektor. „Mit seinen Geschichten hat er sehr viel mehr verbunden.“ Für Hansjörg Weitbrecht, seinen ersten Verleger, hatte „dieser Stempel“ freilich etwas Gutes. So landeten auch die surrealistischen Erzählungen, die als Hommage an seinen malenden Vater Edgar Ende erschienen, schnell auf den Bestsellerlisten. Dass „Der Spiegel im Spiegel“ wahrlich kein Kinder- und Jugendbuch ist, hätten viele Käufer wohl erst an erstaunten und vielleicht auch enttäuschten Gesichtern unterm Christbaum gemerkt.

Es sind Anekdoten wie diese, die das Publikum im leider nur halbvollen Olympiasaal zum Schmunzeln bringen. Aber auch Weitbrechts Erinnerungen an das zähe Ringen mit Michael Ende um die Gestaltung der „Unendlichen Geschichte“ sorgte für Gelächter. „Seine Idee war, den Umschlag mit Schildpatt zu verzieren.“ Ein Vorschlag, der schon aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten abgelehnt wurde. Letztlich einigten sich Verlag und Autor auf eine exklusive, aber noch einigermaßen finanzierbare Variante mit Zweifarb-Druck, Seideneinband und den 26 Buchstaben-Vignetten für die einzelnen Kapitel, die Roswitha Quadflieg gestalten sollte. „So ausgefallene Wünsche haben Autoren selten“, verriet Weitbrecht.

Gedenkfeier zu Michael Endes 20. Todestag: Die Bilder

Inspiriert von Endes phantastischem Kosmos komponierte Wilfried Hiller, der lange sehr eng mit dem Schriftsteller zusammengearbeitet hat, für die Violinistin Franziska Strohmeyer den Zyklus „Vernissage“. Drei Teile davon, die sie bereits bei der Eröffnung der Ausstellung „Der Spiegel im Spiegel“ in der Galerie des Marktes gespielt hatte, erklangen jetzt auch im Olympiasaal. Was für ein Unterschied: Die wesentlich bessere Akustik machte „Goggolori“ - übrigens ebenfalls eine Oper von Hiller, zu der Ende das Libretto geschrieben hat - „Lilith“ und „Schulamit“ zu einem wahren Klangerlebnis. Das bescherte auch der Cellist Jost H. Hecker den Kultursommer-Gästen durch seine Interpretation der Geschichte „Der Käfigwagen“. Passend dazu erschien die Zeichnung von Edgar Ende an der Wand, die den Sohn zu dieser Erzählung über den Herrn, der nur aus Buchstaben besteht, animiert hatte. Eine völlig sinnfreie, aber äußerst vergnügliche Geschichte entwickelte sodann der Zauberkünstler Gaston mit dem Publikum. Was das Einhorn und der Wolperdinger um Mitternacht erleben, untermalte Hecker mit Musik. Und auch da war klar, dass der Magier, der mit Georg Büttel im Rahmen des Kultursommers, „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ auf die Bühne gebracht hatte, etwas Entscheidendes von Michael Ende gelernt hat: „In unserer Welt ist immer genug Platz für Phantasie.“

Tanja Brinkmann

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