Sorgenvolle Miene: OK-Chef Peter Fischer am Samstagvormittag.

Weltcup der Damen geglückt: „Dieses Rennen hat mein Team gewonnen“

Höhen und Tiefen gab es beim diesjährigen Skiweltcup der Damen in Garmisch-Partenkirchen zu genüge. Das Fazit von Skiclub-Chef Peter Fischer fällt deshalb deutlich aus.

Garmisch-Partenkirchen – Mehr als 20 Zentimeter Neuschnee. Dicke Flocken, die vom Himmel kommen und sich auf die Kandahar legen. Es schneit und schneit und will nicht aufhören. Die Laune von OK-Chef Peter Fischer ist am frühen Samstagmorgen so wie das Wetter in Garmisch-Partenkirchen: richtig mies. Zumindest dann, wenn man ab 10 Uhr eigentlich den Super-G der Damen austragen will. All die Arbeit, die dafür in den Tagen zuvor in die Piste gesteckt wurde, drohte in der Nacht unter den Schneemassen zu verschwinden. Erst gegen 11 Uhr hellen sich der Himmel und das Gesicht von Fischer langsam auf. Als der Schnee endlich weniger wird, kann kurz darauf tatsächlich die erste Läuferin an den Start gehen. Aber nur, weil zuvor Unglaubliches auf der Piste geleistet wurde.

„Dieses Rennen hat mein Team gewonnen“, sagt später ein überglücklicher Ski-Club-Chef. Dankbar ist er. Und unglaublich stolz auf die 400 Männer und Frauen, die seit den frühen Morgenstunden den Schnee aus der Kandahar geschafft haben. „Ohne Maschinen“, wie Fischer unterstreicht. Die Helfer – noch einmal 100 mehr als an den Trainingstagen – haben geschaufelt, sind gerutscht. Nur unten im Zielraum kam immer wieder eine Schneefräse zum Einsatz.

Unglaubliche Einsatzbereitschaft der freiwilligen Helfer

Beste Laune herrscht bei den Fans bei der Abfahrt am Sonntag.

Für den Super-G gibt es an diesem Rennvormittag, an dem auch der Herren-Slalom in Kitzbühel ausgetragen wird, nur ein begrenztes Zeitfenster wegen der TV-Übertragung. Beide Orte verbindet noch mehr, wie Wolfgang Maier, Alpindirektor beim Deutschen Skiverband (DSV) deutlich macht. Nämlich die unglaubliche Einsatzbereitschaft der vielen freiwilligen Helfer. „Es gibt zwei gute Topstationen in Europa, die mit so was fertig werden, sagt Maier mit Blick auf das „Schnee-Management“. Und das sind eben Garmisch-Partenkirchen und Kitzbühel. Die Organisatoren und Helfer seien „einfach kampferprobt – weil die Leute extrem gut arbeiten.“ Für die Zuschauer sei es vielleicht gar nicht so nachvollziehbar, wie viel Arbeit dranhängt, allein schon zehn Zentimeter aus der Piste rauszubringen. „Das ist eine Challenge, das sage ich auch. Da ist viel zu tun.“ Und entsprechend stolz ist der DSV – dass er sich dank der guten Arbeit vor Ort ordentlich präsentieren kann.

Für die Ehrenamtlichen ist mit dem gelungenen Damenrennen die Arbeit am Samstag aber nicht getan. Die Linie, die sie mühevoll vom Schnee befreit haben, ist nur so breit, wie es sie für den Super-G braucht. „Bei der Abfahrt ist das wieder anders“, erklärt Fischer. Das heißt: Die Männer und Frauen müssen wieder rauf auf die Piste und „umbauen“. Von der vielen Arbeit ahnen die Zuschauer wohl wenig, die am Sonntag bei Sonnenschein beste Rennbedingungen und traumhafte TV-Bilder sehen.

Weltcup der Damen geglückt: „Dieses Rennen hat mein Team gewonnen“

Um 11.10 Uhr huscht doch ein Lächeln über Fischers Gesicht

Auch nicht, was die Helfer in diesen Tagen auf sich nehmen: Sehr früh morgens müssen sie raus dem Bett und rein in die Kälte. Um 6 Uhr ist Treffpunkt an der Lagerhalle des Skiclubs: Warmer Tee, belegte Semmeln, Schokoriegel, später eine Suppe – es ist nicht die Welt, was auf die Freiwilligen wartet. Ihr Lohn ist trotzdem unbezahlbar. Wenn um 11.10 Uhr doch noch ein Lächeln über Fischer Gesicht huscht, weil der Super-G dank seiner Helfer stattfinden kann. Wenn sich die Marktgemeinde als perfekter Wintersportort präsentiert. Wenn die Skifahrerinnen die Piste nach der Abfahrt als beste aller Zeiten im TV bezeichnen. Oder wenn ZDF-Kommentator Aris Donzelli sagt, dass Garmisch-Partenkirchen mit diesem Renn-Wochenende seine Bewerbung um die Ski-Weltmeisterschaft 2025 eindrucksvoll unterstreichen konnte.

Gestern Abend hat mit dem Abbau der Einsatz der 400 Helden auf der Kandahar ihren Abschluss gefunden. Nun müssen frische Kräfte ran: Nach dem Damen-Rennen ist vor dem Herren-Training. Am Mittwoch kommt der Skizirkus wieder an. Und alles geht von vorne los. Fischer wird aber nicht bange. „Der Chef ist immer nur so gut wie seine Mannschaft“, sagt er. „Und ich habe die beste Mannschaft.“

Nadja Hoffmann, Christian Fellner und Peter Reinbold

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