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Jubel im Zielbereich: Mit Applaus und Ratschen-Klängen wurden die Läufer begrüßt.

Den Fans hat's gefallen: Stimmung an der Kandahar "super"

Gut drauf waren die Fans beim Abfahrts-Rennen am Samstag – zumindest so lange, bis der Name Stephan Keppler fiel. Ein Stimmungsbericht von der Tribüne.

Für viel Wirbel haben die Diskussionen über die Zukunft des Ski-Weltcups in Garmisch-Partenkirchen gesorgt. Am Samstag Mittag war es dann endlich soweit: Mit dem Start der Abfahrt ist der Sport wieder in den Mittelpunkt gerückt. Die Fans feuerten die Athleten an und begrüßten jeden Fahrer mit großem Applaus im Start.

Besonders laut wurde es, als die Nummer 36 aus dem Zielhaus schoss: Andreas Sander aus Ennepetal war der Liebling der deutschen Zuschauer. Weniger beklatscht wurde der zweite deutsche Läufer: Stephan Keppler hatte sich mit seinen Äußerungen über Garmisch-Partenkirchen den Unmut der Einheimischen zugezogen. „Für Keppler klatsche ich nicht“, kündigte Ulrike Eigler aus Garmisch-Partenkirchen an. „Ich würd’ pfeifen, wenn ich könnt.“ Trotz der Diskussionen ließ sich die 63-Jährige den Spaß an der Kandahar nicht verderben. Sie besucht seit vielen Jahren die Weltcup-Rennen, bei den Ski-Weltmeisterschaften 2011 hat sie gar jeden Lauf gesehen. „Ich bin ein Sport-Mensch, das ist ein Muss.“ Am Vortag vor den Wettkämpfen geht sie immer selber auf die Piste. Am Freitag hat sie dort Erik Guay getroffen. „Der hatte gute Laune, der gewinnt heute“, meinte Eigler. Damit lag sie fast richtig: Der Kanadier wurde in der Abfahrt Zweiter.

Stephan Keppler allerdings schied aus. Dem wollte Hans-Jörg Neuner die Daumen drücken. „Eigentlich.“ Doch der Garmisch-Partenkirchner ärgerte sich über dessen Äußerungen. Auch die Debatte über eine weitere Austragung des Weltcups hat ihn nicht kalt gelassen. Er reagierte: Neuner kaufte sich eine Karte für das Rennen. „Ausschlaggebend war, dass ich die Diskussionen gelesen hab’. Jeder kann sich da an die eigene Nase fassen.“ Der 51-Jährige hat seine Entscheidung nicht bereut: Neuner mochte die Stimmung. „Ich war selbst Sportler und weiß, was das für ein Gefühl ist“, sagte der ehemalige Eishockeyspieler des SC Riessersee.

Von der Stimmung waren auch Damen aus Österreich begeistert. „Super.“ Alle drei tragen selbstgestrickte Mützen aus gelber und schwarzer Wolle, auf denen der Name Georg gestickt ist. „Wir sind die Tanten von Georg Streitberger“, verrät Irmgard, die wie ihre Verwandten ihren Nachnamen nicht verraten möchte. Die drei aus Maishofen in der Nähe von Saalbach Hinterglemm fahren mit dem Fanclub zu so vielen Rennen wie möglich, um ihren Neffen anzufeuern. An Garmisch-Partenkirchen haben sie nichts auszusetzen: „Die Stimmung ist nicht so gut wie in Kitzbühel, aber so wie in Bormio“, meinte Gerlinde. Auch Peter Heel aus St. Leonhard in Südtirol kommt immer wieder gern ins Werdenfelser Land. „Hier ist es familiär. Es ist nicht so ein großer Trubel, und man kann sich gut unterhalten“, sagt der 53-Jährige. Aber etwas Spaß muss schon auch sein. Deshalb trägt er einen Skihelm mit einer kleinen Sirene. „Die habe ich selber gebastelt“, sagte der Onkel des Skifahrers Werner Heel. Zum Beweis stellt er sie an. Für einen Moment übertönt sie den Jubel der Fans, als diese den nächsten Fahrer im Ziel begrüßen.

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