+
Zentrum der Zukunft? Südlich des Alpspitz-Wellenbades soll der geeignete Standort für das Kongresshaus sein.

Wenn das Kongresshaus umzieht: Wo ist dann der kulturelle Mittelpunkt von Garmisch-Partenkirchen?

Garmisch-Partenkirchen - Der Bau- und Umweltausschuss hat sich als erstes kommunales Gremium kritisch mit der Hofbauer-Studie zum Kongress-Standort Garmisch-Partenkirchen befasst - und den Folgen eines Standortwechsels. Derweil drängen die Touristiker auf eine Entscheidung.

Tourismusdirektor Peter Nagel kann viele Beispiele nennen. Etwa jenes von einem der weltgrößten Automobilhersteller. Der Konzern wollte im Kongresshaus Garmisch-Partenkirchen sein neues Modell präsentieren: ganz groß, mit vielen Mitarbeitern und Gästen. Ein großes Ding. Zustande kam der Auftrag nicht – das Unternehmen hätte das Auto nicht ins Haus gebracht, weil sich die Türen nicht genug öffnen lassen, und die 800 Gäste hätten auf bis zu zwölf Hotels verteilt werden müssen. Der Konzern sagte ab.

Für Nagel zeigt auch dieses Beispiel: „Es muss an unserem Kongresshaus dringend etwas passieren, und wir brauchen neue Betten.“ Das stellte er am Dienstag in der Sitzung des Bauausschusses klar. Der Druck auf den Gemeinderat wächst, bis spätestens September muss er eine Entscheidung zur Zukunft des Kongress-Standortes treffen. Seit acht, neun Jahren vertröste er seine Kunden, betonte Nagel. „Die nehmen uns langsam nicht mehr ernst.“

Zum ersten Mal befasste sich ein Gremium mit den Papieren des Münchner Beraters Horst Hofbauer; am nächsten Montag berät darüber der Gemeinderat. Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) plant zudem eine Bürgerbefragung vor der Abstimmung. Hofbauer hat nach der Sommerklausur 2011 Chancen und Risiken für das Kongressgeschäft und ein Fünf-Sterne-Hotel im Ort untersucht. Sein Schluss: Der Markt soll von einem Investor ein neues Kongresszentrum mit Halle, Hotel, Freiflächen und Parkhaus in der touristischen Sonderzone bauen lassen. Kosten: über 100 Millionen Euro. Am derzeitigen Standort soll Platz geschaffen werden für ein Fünf-Sterne-Hotel (wir berichteten).

In der rund einstündigen Aussprache rückte Alois Maderspacher (CSU) die Finanzen in den Mittelpunkt. Unter anderem wollte er wissen, wer Betreiber des Kongresshauses wäre, wenn es ein Investor errichtet. „Wichtig ist, dass das Kongresswesen von der Gemeinde betrieben wird“, betonte Hofbauer. Das wünscht sich auch Nagel. In dem Fall müsse Garmisch-Partenkirchen Tourismus das Gebäude mieten. Es rechne sich, wenn die Miete geringer sei als das bisherige Betriebsdefizit. Das lag ihm zufolge schon bei 1,4 Millionen Euro, zuletzt waren es knapp 800 000 Euro. Maderspache wirkte wenig überzeugt, auch von der Aussage Hofbauers, es gebe einen interessierten Investor.

„Bisher haben wir ein Zentrum, in dem das kulturelle und gesellschaftliche Leben stattfindet“, gab CSU-Fraktionssprecherin Elisabeth Koch zu bedenken. Sie hätte sich also eine Antwort auf die Frage gewünscht, wo der kulturelle Mittelpunkt des Marktes nach einem Umzug des Kongresshauses sein könnte. Mit anderen Worten: „Was können wir für unsere Bürger tun?“ Für sie ist das eine zentrale Frage.

Hart ins Gericht ging Ernst Schaffer (SPD) mit den Dokumenten von Hofbauer. Er habe sich einen „etwas analytischeren Ansatz“ erwartet, sagte er. Statt dessen habe der beauftragte Berater „eine Abfolge von Gründen“ aufgeführt, die für sein Projekt, das heißt für die große Lösung, spreche. „Das ist keine Informations-, sondern eine Werbeveranstaltung.“ Wenn mehr Argumente für einen Umzug sprechen, erklärte der SPD-Vertreter, „ist es so, aber dann muss es sauber und fundiert sein.“ Diskutieren wollte Schaffer mit Hofbauer zu diesem Zeitpunkt aber nicht, darauf habe er sich nicht vorbereiten können. „Ich habe mir auf die Schnelle die Punkte rausgegriffen, die mir nicht passen“, sagte er.

Mit ganz praktischen Aspekten befasste sich Paul Kollmannsberger (Freie Wähler), etwa mit dem Erhalt des Kurparks. „Der Kurpark wird durch ein Fünf-Sterne-Hotel nicht beeinträchtigt, entgegnete Hofbauer. Peter Schliederer stellte fest: „Ich glaube, dass wir eine mutige Entscheidung brauchen.“ Und einen Standort, „der uns noch Luft lässt“.

Matthias Holzapfel

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wohnmobile verstopfen die Parkplätze - Krün erklärt gewisse Stellflächen zur Tabuzone
Nach Lockerung der Corona-Auflagen befürchten viele im Oberen Isartal mit Beginn der Pfingstferien eine Blechlawine mit zigtausenden von Naherholern. Sorgen bereiten den …
Wohnmobile verstopfen die Parkplätze - Krün erklärt gewisse Stellflächen zur Tabuzone
Zugeparkte Straßen, versperrte Rettungswege: Ohlstadt kämpft gegen den Ausflugsansturm - Gemeinde reagiert spontan
Ohlstadt ist ein beliebtes Ziel von Bergfreunden. Dort beginnen sie ihre Touren ins Heimgartengebiet. Aber der Ausflugsansturm in letzter Zeit übertraf alles Bisherige. …
Zugeparkte Straßen, versperrte Rettungswege: Ohlstadt kämpft gegen den Ausflugsansturm - Gemeinde reagiert spontan
Corona kommt dem Landkreis teuer zu stehen: Allein die Tests kosten viel Geld
Corona geht auf den Geldbeutel. Auf den Landkreis kommen hohe Ausgaben zu. Dabei hat er schon gespart.
Corona kommt dem Landkreis teuer zu stehen: Allein die Tests kosten viel Geld
Unbekannte drängen Mann (60) zum Kauf von Töpfen 
Unbekannte haben in Murnau einen Mann (60) zum Kauf von Töpfen und Messersets gedrängt. Die Täter machten sich anschließend aus dem Staub.  
Unbekannte drängen Mann (60) zum Kauf von Töpfen 

Kommentare