Eindrucksvolles Schlussbild: „Schlaf nur zua, mei liawa Bua“, sagt Maria an der Krippe zärtlich zu ihrem Sohn. Alle, außer den Engeln, sind in Werdenfelser Tracht. Foto: michael hunger

Werdenfelser Krippenspiel dreimal ausverkauft

Garmisch-Partenkirchen - Das „Werdenfelser Krippenspiel“ von Otto Blümel ist Kult: Alle paar Jahre inszenieren es die Werdenfelser Krippenfreunde mit altbairischen Liedern und Weisen.

Die Geschichte ist mehr als 2000 Jahre alt und hat eine Weltreligion begründet, der heute mit 2,3 Milliarden Anhängern ein Drittel aller Menschen angehört. Die biblische Erzählung der Geburt Jesu Christi wird auch als Theater aufgeführt, besonders innig im Werdenfelser Land. Hier gibt es seit 1934 das „Werdenfelser Krippenspiel“ vom einstigen Schnitzschul-Direktor Otto Blümel. Aus München kam ein besonders fachkundiger Ehrengast: Reinhard Kardinal Marx wurde von Krippenvereins-Chef Ferdl Brunnenmayer ebenso herzlich begrüßt wie Bezirkstagspräsident Josef Mederer.

Das Geschehen auf der Bühne Spiel ist eine abwechslungsreiche Mischung aus Lebenden Bildern, Spiel und adventlichen Liadln, Stückln und Bläserweisen, gleichermaßen Volksmusik- wie Theaterabend. Unter der Regie des Mittenwalders Franz Schropp und der musikalischen Leitung von Hildegard Rehm wirken fast 90 Spieler, Sänger und Musikanten aus dem Landkreis mit. Nach einem festlichen Fanfaren-Auftakt der vier Werdenfelser Bläser hebt der Familiendreig’sang Hildegard, Elisabeth und Waggi Rehm mit dem Lied „Jetzt kimmt de heili’ Weihnachtszeit“ an und sogleich erscheint ein Lebendes Bild, in dem ein Engel (Martin Königsdorfer) der Maria (Brigitte Radu) ankündigt, sie werde ein Kind gebären. Sodann Baschtl’s Hausmusik aus Farchant. Der Sunnaberg-Dreigsang aus Partenkirchen verheißt „Freu dich, du liaba Christ“ und Sprecher Max Wank führt in den Ablauf ein. Der beginnt im Haus des armen Zimmermanns Josef (Luis Baudrexl), der heftig an der Hobelbank tätig ist und von Maria Zuspruch ob seiner schweren Arbeit erhält. Alsbald erscheint ein Bote (Franz Brandtner) mit der Mitteilung, dass sich die beiden zwecks steuerlicher Erfassung nach Bethlehem zu begeben haben. Ihr Weg wird reizvoll eingefasst durch den Alt-Mittenwalder Vierklang, den Werdenfelser Kinderchor aus Garmisch, die Klarinettenmusi Kollmannsberger und die Krippler-Musi. Schließlich eine romantische Hirtenszene im dunklen Wald mit unerklärlichen Ereignissen: Mitten im Winter blühen die „Oimroasn“, ein seherischer Althirte (Martin Wäger senior) spricht von Prophezeiungen und sogar der Teufel schleicht umher. Erst ganz leise, dann immer lauter erschallt Händels Adventslied „Tochter Zion“ und leitet über zum eindrucksvollen Schlussbild: die Krippe mit dem heiligen Paar drumherum Engel, die Hirtenschar, Bauern, sämtliche in Werdenfelser Tracht.

Mit langem Applaus und vom ganzen Saal stehend ge-sungenem Andachtsjodler schloss ein bewegender Abend. Der Kardinal meinte begeistert: „Das war eine wunderbare Einführung in das Weihnachtsfest, es hat mir sehr sehr gut gefallen. Ich liebe alpenländische Musik und die geistlichen Stücke.“ Unter dem Gelächter des Publikums setzte der (nicht dialektkundige) Oberhirte schmunzelnd hinzu: „Auch wenn ich nicht jeden Satz verstanden habe, das macht nichts - im großen und ganzen kannte ich die Geschichte ja schon...“ (wk)

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