An einem Haus schießt ein Bach vorbei, es herrscht Hochwasser. Ein Bagger steht im Wasser, ein Mann mit Schaufel in der Hand läuft durch.
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Die Gebäude zu sichern, darauf hat zunächst der Fokus der Helfer gelegen.

Überschwemmungen

Kleiner Bach wird zu reißendem Strom: Alm massiv von Hochwasser betroffen - riesiger Sachschaden

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Die ganze Dimension ist noch nicht erfasst. Fest steht: Die Wettersteinalm wurden vom Hochwasser schwer erwischt. Gebäude sind unterspült, auf den Weideflächen liegen Geröll und Schlamm.

Garmisch-Partenkirchen – Der Wetterstein säuft ab: Diese Nachricht hat sich am Sonntag wie ein Lauffeuer verbreitet. Der Bach, der zwischen der Alm und dem Stall fließt und sonst nur wenige Zentimeter hoch ist, hat sich in einen reißenden Strom verwandelt. Von einem Gebäude zum anderen zu gelangen – unmöglich. Seit 3 Uhr stand Hannes Grasegger mit Michael Sexl in Telefonkontakt.

Hochwasser in Garmisch-Partenkirchen: Bach verwandelt sich zu reißendem Strom

„Irgendwann in der Früh hat er gemeint, jetzt wär’s recht, wenn jemand kommen würde“, sagt der Kommandant der Feuerwehr Partenkirchen. Mit zwei Unimogs, auf einem ein Bagger, auf dem anderen Sandsäcke, und einem Pick-Up mit Material haben sich vier Kameraden zur Alm aufgemacht. Vor dem oberen Weiderost war Schluss. „Da ging nichts mehr“, sagt Sexl.

Ein reißender Fluss: Die Wassermassen haben den oberen Weiderost am Weg zum Schachen weggerissen. Links – auch da ist’s überflutet – geht’s zur Wettersteinalm.

Insgesamt kam der Landkreis bei diesem Hochwasser glimpflich davon. Nicht jedoch die Partnachklamm (siehe Kasten) und schon gar nicht das beliebte Ausflugsziel auf 1464 Metern Höhe. Mehrere zehntausend Euro Schaden haben die Wassermassen angerichtet, schätzt Joseph Grasegger, Vorsitzender der Weidegenossenschaft Partenkirchen, der die Wettersteinalm gehört.

Hochwasser an der Wettersteinalm: Schaden geht in die Zehntausende

Zu seiner Erleichterung haben die Hirten und das Vieh – 125 weiden im Sommer dort oben – das Unwetter gut überstanden. Ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung wollte er sich am Montagabend machen. Wie auch Almmeister Hannes Biehler junior. Genau werden sie die Schäden auf den Weideflächen – ein Teil ist vom Geröll und Schlamm einer Mure bedeckt – begutachten. Bereits gestern Nachmittag kam Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) zur Alm. „Schnelle und unbürokratische Hilfe“ hat sie versprochen.

Partnachklamm: Alle Wege vorerst gesperrt

Der Markt Garmisch-Partenkirchen sieht keine andere Möglichkeit: Er sperrt alle Zugänge zur und alle Wanderwege rund um die Partnachklamm. Dieser Schritt ist „dringend erforderlich“, betont Sprecherin Silvia Käufer-Schropp. Zu groß sind die Schäden nach dem Hochwasser. Unter anderem versperren Bäume, Äste und Wurzelstöcke den Weg in der Klamm auf etwa 80 Metern Länge, bis zu eineinhalb Meter hoch türmen sie sich. Am Südausgang wurde der Weg zum Teil weggerissen oder unterspült, ebenso weiter Richtung Ferchenbach. Der Wildfluss hat sich von seinem ursprünglichen Bachbett etwa 40 Meter weiter südlich verlegt – und hinterließ Spuren. Die Ferchenbachbrücke und somit der Weg nach Vordergraseck sind aktuell nicht erreichbar. Schnell müssen nun in der Partnach und im Ferchenbach angeschwemmte Bäume und Wurzeln entfernt werden, um Verklausungen zu verhindern. Wann der Markt erste Wege wieder öffnet, entscheidet eine Sicherheitsbegehung. (kat)

Vorerst sind die Wirte mit Aufräumen beschäftigt. Wobei zwei Tische auf der Terrasse schon wieder bereitstehen, um Wanderer zu empfangen. „Noch schaut’s vor der Hütte aber wüst aus“, sagt Annemarie Grasegger. Das Wasser hat sich zwar zurückgezogen, der Bach fließt wieder in seinem Bett. Nun sind aber die Unterspülungen deutlich zu sehen. Genau wie der Dreck, den eine Mure, die hinter der Hütte abgegangen ist, angespült hat.

Überschwemmung an der Wettersteinhütte: „Früher ein regelmäßig wiederkehrendes Übel“

Für Grasegger und ihren Mann, die die Hütte im achten Jahr bewirten, ist es nicht ungewöhnlich, dass der Bach über die Ufer tritt. Alte Hirten erzählen, dass „Überschwemmung an der Wettersteinhütte früher ein regelmäßig wiederkehrendes Übel war“, weiß Joseph Grasegger. An eine dermaßen heftige Flut, wie sie sich am Sonntag vom Wettersteinmassiv und den Bergwiesen in dem Graben angestaut hat, kann sich allerdings niemand erinnern.

Das Ausmaß der Zerstörung ist am Montag sichtbar. Der Bach fließt wieder in seinem Bett, die Unterspülungen und die zerstörte Brücke müssen nun gerichtet werden.

Das große Glück: Durch das beherzte Eingreifen der Wirtsleute, der Feuerwehr und fünf Mitgliedern der Weidegenossenschaft wurde ein größerer Schaden von den Gebäuden abgewandt. „Innen ist alles in Ordnung“, bestätigt Almmeister Biehler. Darauf, die Substanz zu sichern, legten er und seine Mitstreiter am Sonntag das Hauptaugenmerk. Mit Erfolg. Im zweiten Schritt kümmerten sich die Weidegenossen mit Hilfe des gemeindlichen Bauhofs darum, die Zufahrt zur Alm wieder instandzusetzen.

Garmisch-Partenkirchen: Feuerwehr baut Behelfsbrücke für Wanderer am Schachen

Am sogenannten Königsweg, der von Elmau zum Schachen führt, arbeitet derweil der Forst. Zunächst galt es, die Mure im Bereich des Gatters auf etwa 1700 Metern Höhe zu beseitigen. „Da kommt bei Starkregen immer Geröll runter“, sagt Andreas Leitenbauer. Doch werde das stets schnell wieder beseitigt. Der Wirt vom Schachenhaus und seine Familie blieben ansonsten verschont.

Nur sein Sohn, der 20 Gäste über den Kälbersteig sicher ins Tal bringen wollte, stand am Sonntag mit seiner Gruppe plötzlich vor einem reißenden Strom. Im Bereich der Steilenhütte, etwa einen Kilometer unterhalb der Wettersteinalm, kamen sie erst einmal nicht weiter. „Die waren an einem Bach, den’s gar nicht gibt“, sagt Sexl. Seine Kameraden, die an der Wettersteinalm anpackten, eilten den Wanderern zu Hilfe. Mit Bohlen und Leitern bauten sie eine Behelfsbrücke und brachten sie so sicher auf die andere Seite.

Die Forststraße im oberen Bereich ist mittlerweile wieder passierbar, der Schachen somit über den Kälbersteig erreichbar. Ziel war es, die Schäden auf Höhe der Alm bis zum Montagabend zu beheben. Der reißende Fluss, in den sich der Weg am Sonntag verwandelt hatte, ist längst verschwunden. „Genauso schnell wie’s kommt“, betont Leitenbauer, „geht das Wasser wieder.“ Was bleibt, sind die Folgen des Unwetters, die die Weidegenossen Partenkirchen nun beschäftigen.

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