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Die Pfarrkirche St. Martin im Ortsteil Garmisch.

„Stocksauer“ über ungeregelte Nachfolge

Wichtige Stellen im Pfarrverband Zugspitze unbesetzt

Garmisch-Partenkirchen - Seinen Ruhestand hat sich Peter Wirzberger anders vorgestellt. Der langjährige Pastoralreferent im Pfarrverband Zugspitze wollte wirklich Ruhe – und ärgert sich jetzt. Darüber, dass seine Nachfolge nicht optimal geregelt ist. Dass es keinen Gefängnisseelsorger gibt. Und die Erzdiözese eine wichtige Stelle nicht besetzt hat.

Peter Wirzberger fühlt sich vom Erzbistum im Stich gelassen.

31. Dezember 2016. Peter Wirzbergers letzter Arbeitstag als Pastoralreferent im Pfarrverband Zugspitze mit Garmisch, Burgrain und Grainau. Doch der 65-Jährige trinkt nicht den ganzen Tag Sekt, liest Abschiedsgrußkarten und empfängt Blumen sowie Pralinen. Nein, Wirzberger schreibt E-Mails zum Abschied. Sieben Stück. Unter anderem an die Erzdiözese München und Freising sowie direkt an Kardinal Reinhard Marx. Das Wort „stocksauer“ kommt in den Nachrichten vor. Das Schreiben an den Erzbischof endet mit den Worten: „Ihr nicht immer bequemer, aber stets treuer Diener“. Bequem will er auch nicht sein. Weil er sich ärgert. Wirzberger wollte eine saubere Übergabe, wenn er sich zum 1. Januar 2017 in den Ruhestand verabschiedet. Nun aber sei nichts geklärt. „Das ist nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe.“

Als Kirchenverwaltungsvorstand für Garmisch, Burgrain und Grainau sowie drei Kindergärten war er für 50 Mitarbeiter verantwortlich – zusätzlich zu seiner Arbeit als Pastoralreferent und Religionslehrer. Wirzberger dachte, sein Nachfolger „macht das, was ich gemacht hab‘“. Nur diese Lösung sieht er nicht. Diakon Andreas Altmiks, der wie berichtet aus Partenkirchen nach Garmisch wechselte, übernimmt laut Wirzberger nur einen Teil seiner Aufgaben. Nachvollziehbar, nachdem ihn das Ordinariat zum Leiter der Berufseinführung für neu geweihte Diakone ernannt hat. Er wird also viel Zeit in München verbringen.

Eng damit hängt ein weiteres Problem zusammen, das Wirzberger ärgert: Zum 1. Januar wurde ein Pfarrverwaltungsbund mit dem Pfarrverband Zugspitze, zu dem Garmisch, Burgrain und Grainau gehören, und dem Pfarrverband Partenkirchen-Farchant-Oberau gegründet. Ein gemeinsamer Verwaltungsleiter aber fehlt. Wann einer kommt, weiß niemand (siehe Kasten). Auffangen müssen das für Garmisch fünf Mitarbeiterinnen. „Sie haben jetzt eine enorme Verantwortung. Und sie stehen im Regen.“

Wirzberger unterstützt sie. Bei Fragen sollen sie sich melden, hat er ihnen bei seinem Abschied gesagt. Und sie melden sich oft. „Jetzt treten 1000 Fragen auf.“ Weil eine Übergabe fehlte.

Die Diözese habe ihn sogar gefragt, ob er nicht weiterarbeiten könne. Nicht wie jetzt freiwillig, auf Abruf und bei Bedarf. Sondern offiziell. Wirzbergers Antwort: „Was soll das bringen?“ Denn spürt niemand den Druck, ändert sich womöglich nichts. „Dann stehen wir in einem halben Jahr genauso da wie jetzt.“ Also ohne Leiter des Pfarrverwaltungsbundes. Und ohne Gefängnisseelsorger. Noch so ein Punkt, der Wirzberger „stocksauer“ macht.

Seit 1987, als er als Pastoralreferent nach Garmisch kam, bietet Wirzberger in der Justizvollzuganstalt eine Sprechstunde an. Jeden zweiten Mittwoch für etwa zwei Stunden. Einen Nachfolger gibt es nicht. Pfarrer Josef Konitzer wird nur bei akutem Bedarf angerufen. Das reicht nicht, betont Wirzberger. Zwischen 10 und 15 Menschen haben jedes Mal das Gespräch mit ihm gesucht. Der Bedarf ist also immer da.

Aus der Diözese hat er eine Antwort bekommen. Zu guter Laune trägt sie nicht bei. Selbstverständlich führe man Gespräche, heißt es da. Das bestätigt Sprecher Dr. Christoph Kappes auf Nachfrage. Im Februar komme eine neue Gemeindereferentin. Ist das Team komplett, werde jemand daraus die Gefängnisseelsorge übernehmen.

Solche vagen Aussagen gefallen Wirzberger nicht. Genauso wenig wie die inhaltsleeren Sätze, die er aus dem Schreiben des Erzbistums vorliest: Man wünsche ihm „das Vertrauen darauf, dass die Belange der Gefängnisseelsorge Garmisch in guten Händen sind“ und er „mit umgänglicher Freude“ in Rente gehen könne. „Was soll ich mit dem Schmarrn anfangen?“, fragt er. Er will Lösungen. Erst dann wird er seinen Ruhestand genießen.

Verwaltungsleiter gesucht

Peter Wirzberger rechnet mit Juli – vorher, glaubt er, wird es die Erzbistum München und Freising nicht schaffen, einen Leiter für den Verwaltungsbund mit dem Pfarrverband Zugspitze und dem Pfarrverband Partenkirchen-Farchant-Oberau zu finden. Versucht hatten es die Verantwortlichen. „Doch wir konnten das Bewerbungsverfahren leider nicht erfolgreich abschließen“, sagt Sprecher Dr. Christoph Kappes auf Tagblatt-Anfrage. Wirzberger kritisiert: Man habe zu spät angefangen. Erst im Dezember wurden ihm zufolge Gespräche geführt, das Bistum entschied sich auch für einen aus 19 Bewerbern. „Der aber hat die Stelle nicht angetreten“, hat der langjährige Pastoralreferent für Garmisch, Burgrain und Grainau erfahren. Nun beginnt alles von vorne. Im Januar wird die Stelle erneut ausgeschrieben. Kappes verspricht: „So schnell wie möglich“ wird ein Verwaltungsleiter eingesetzt. Konkreter wird er nicht.

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