Wortmeldung: Dr. Peter-Michael Asam steht an dem Abend mehrmals am Mikrofon.

"Wir müssen jetzt zusammenhalten"

Murnau/Moosrain - Spätestens ab März sollen im ehemaligen CVJM-Heim in Moosrain bis zu 45 Flüchtlinge untergebracht werden. Am Donnerstagabend wurden die Bürger des Murnauer Ortsteils informiert - in sachlicher und ruhiger Atmosphäre.

Es sind einfach zu viele. Der Raum im ehemaligen CVJM-Heim in Westried/Moosrain fasst am Donnerstagabend bei weitem nicht das Heer der Interessenten, die sich im Rahmen einer Versammlung über die geplante Flüchtlingsunterkunft informieren wollen. So wird umdisponiert. Ein gecharterter Bus bringt die Bürger ins Kultur- und Tagungszentrum (KTM). Viele fahren auch mit dem eigenen Auto. Gut 200 Menschen finden sich ein. Das ist eine Menge. Schließlich leben in Westried und Moosrain zusammen nur 545 Personen.

Um es vorwegzunehmen: Die Versammlung verläuft in friedlichen Bahnen, die Kritiker verhalten sich ruhig. Dagegen melden sich viele Bürger zu Wort, die sich dafür aussprechen, die Flüchtlinge willkommen zu heißen, sie zu unterstützen und keine Angst zu haben. Dr. Michael Zickerick sieht zum Beispiel eine „ungeheure Chance“. Es gebe so viel, „von dem wir profitieren können“. Und Prof. Dr. Hans-Georg Liebich betont: „Wir müssen zusammenhalten und gemeinsam für diese Menschen eintreten.“ Die Gäste, die Zeit im CVJM-Heim verbrachten, hat er gut in Erinnerung. „Das war eine Bereicherung, da war Leben.“ So stellt sich Liebich, unmittelbarer Nachbar der Immobilie, auch die Zeit mit den Flüchtlingen vor. Frühestens am 23. Februar, vielleicht aber auch erst am 1. März, sollen die ersten von insgesamt rund 45 Asylbewerbern eintreffen.

Mancher war mit einem Gefühl der Beklemmung zu der Versammlung gekommen. Schließlich gab es in den vergangenen Monaten einige Versuche, das Hilfsprojekt zu torpedieren. So wetterte ein Göppinger Ex-Politiker, dem Aktivitäten in rechtsgerichteten Kreisen nachgesagt werden, gegen die Flüchtlingspolitik der Marktgemeinde. Anschließend hatte ein Rechtsanwalt vor steigender Kriminalität in dem Murnauer Ortsteil gewarnt. Das bayerische Innenministerium, die Polizei und Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) widersprachen. Danach wurde bekannt, dass ein Anwohner zusammen mit anderen Investoren das CVJM-Heim kaufen will - angeblich, um dort wie bisher christliche Gruppen und in einem deutlich abgespeckten Umfang auch Flüchtlinge unterzubringen.

In der Folge formulierten Bürger einen Fragenkatalog. Dieser wird im KTM abgearbeitet, vor allem von Florian Hibler, Leiter des Ausländeramts im Landratsamt. Ein paar Fakten: Eigentümer des früheren CVJM-Heims ist die Innere Mission. Diese verpachtet das Objekt ans Landratsamt. Die Regierung von Oberbayern erstattet der Kreisbehörde die Kosten. Betreiber wird der Kreisverband Garmisch-Partenkirchen der Caritas. Ein Leiter steht noch nicht fest. Die Flüchtlinge - aus welchen Ländern sie kommen, ist noch unklar - werden rund 50 Stunden in der Woche betreut. „Eine 24-Stunden-Präsenz ist nicht gewährleistet“, erklärt Wolfgang Schweiger von der Sozialen Beratung der Caritas. „Das ist auch nicht notwendig.“

Das CVJM-Heim wäre mit 45 Personen voll belegt. Es sei kein Erweiterungsbau geplant, sagt Hibler. „Wir sind auch gar nicht der Eigentümer.“ Auch die Innere Mission verfolge keine derartigen Pläne. Die Flüchtlinge bekommen ein Taschengeld und verpflegen sich selber. Das Heim wird laut Hibler peu á peu belegt. Er will eine gesunde Mischung hinbringen. Familien, alleinstehende Männer und Frauen. „Es werden keine unbegleiteten Jugendlichen dort sein.“ Diese werde es nur im Familienverbund geben. Es sollen Deutschkurse angeboten werden, auch von ehrenamtlicher Seite. Anette Köhler, Sprecherin von Team 7 von Murnau Miteinander, hat zahlreiche Adressen von Bürgern, die Sprachunterricht geben wollen. Das Team ist weiter offen für Leute, die sich engagieren wollen. „Sprechen Sie uns an.“ Köhler betont: „Haben Sie keine Angst vor der Thematik. Das ist das, was wir uns wünschen.“

Murnaus Polizeichef Joachim Loy sieht ebenfalls keinen Anlass für Panik. „Es gibt für uns keinen Grund, ängstlich zu sein.“ Loy hat sich bei Kollegen in Weilheim und Garmisch-Partenkirchen erkundigt. Ergebnis: Diese hätten übereinstimmend erklärt, dass es „keinerlei nennenswerte Probleme“ mit Flüchtlingen gebe.

Mehrfach meldet sich der Moosrainer Dr. Peter Michael Asam zu Wort. Kurios wird es, als er fragt, was passiere, wenn die Asylbewerber die Zufahrt nach Moosrain blockieren. Eine Besucherin fordert den Physiker auf, sich lieber Gedanken zu machen, wie er den Flüchtlingen helfen könne.

Helfen will auch die Marktgemeinde Murnau. „Wir werden uns im Bereich der Sozialarbeit engagieren“, kündigt Beuting an. Der Gemeinderat werde sich kommende Woche damit beschäftigen. Der Rathauschef ist zuversichtlich. Murnau habe zwar wenig Erfahrung mit Flüchtlingen. Doch er „habe ein gutes Gefühl. Ich erlebe sehr viel Hilfsbereitschaft“. Er sei optimistisch, „dass wir diese Bewährungsprobe bestehen werden“. (roy)

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