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Bis es soweit ist und die Passion 2020 aufgeführt ist, gibt es viel zu organisieren. Vor zehn Jahren, Anfang April 2006, wurde vom Gemeinderat mit breiter Mehrheit (14:5 Stimmen) entschieden, dass es 2010 erstmals ein Nachtspiel geben wird.

Bereits Diskussion um Budget-Höhe für 2020

Erste Million für die Passion fließt

Oberammergau - Ohne große Diskussion geht in Oberammergau wenig. Bei den Beratungen des Finanzplans im Bereich Kultur war das diesmal nicht anders. Schließlich sind davon die Passionsspiele betroffen. 

Am 8. Juli 2008 kam eine erlösende Nachricht aus München in Oberammergau an: Die Staatsregierung um Ministerpräsident Günther Beckstein gewährt dem Ammertaldorf eine Staatsbürgschaft. Die Passion 2010, die Oberammmergau nicht hätte finanzieren können, war gerettet. Damals waren es noch 22 Monate zur Premiere. Am Montagabend konnte man den Eindruck bekommen, dass aktuell noch viel weniger Zeit bleibt. Denn als Werkleiter Walter Rutz seinen Wirtschafts- und Finanzplan vorgestellt hat, machten ihm die Gemeinderäte Druck, wollten detaillierte Zahlen, Modelle, Aufzählungen. Kurzum: Zu viel zu diesen Zeitpunkt – wie Rutz unterstrich. „Und dabei bin ich schon ein halbes bis ein Jahr voraus.“

Die aktuelle Planung des Eigenbetriebs beruht auf der neuen Entwicklung, dass der restliche Passionsgewinn von über 16 Millionen Euro für die Vorbereitung des nächsten Gelübdespiels verwendet wird. 15,5 Millionen Euro an Bedarf hatte Bürgermeister Arno Nunn (parteifrei) dafür ans Innenministerium gemeldet. Eine Zahl, um die gleich mal Streit entbrannte. Denn Ludwig Utschneider (Freie Wähler) wollte nicht über den Etat des Eigenbetriebs beraten, weil sich die Rechnung verändert hat, und Nunn aktuell im Urlaub weilt. Daran änderte sich auch nichts, als Nunns Stellvertreter Eugen Huber (Mit Augenmaß) darlegte, dass die Zahlen jetzt konkreter und niedriger sind als „in der ersten groben Schätzung“. Zweiter Kritikpunkt: Das ganze Zahlenwerk lag erst zur Sitzung vor, Zeit zur Einarbeitung gab es nicht. Nichtsdestotrotz kam Utschneider mit seinem Antrag, die Beratung zu verschieben, nicht durch. Auch wenn nur knapp mit einer Stimmverteilung von 5:4.

Großer Posten für Sanierung des Passionstheaters

Was folgte, waren drei Stunden voller Zahlen. Zum Beispiel jene über die Passions-Ausgaben in diesem Jahr: Demnach braucht der Eigenbetrieb 532 000 Euro für Personal, Werbung, Internetseiten, Rechtsberatung und eine EDV-Struktur. Auf Basis der Erfahrungen von vor zehn Jahren plant Rutz zudem damit, den künftigen Vertriebspartner mit einer Million Euro auszustatten. „So viel ist damals auch an die OHG geflossen.“ Wer diesmal den Ticket-Verkauf und mit welchem System übernimmt, ist bislang noch offen. Bis zum Sommer soll die Entscheidung aber gefallen sein.

Ähnlich unklar ist die Situation bei der Sanierung des Passionstheaters. 600 000 Euro rechnet Rutz für die Planung und erste Arbeiten im Herbst ein. Seinen Worten nach ist vorgesehen, dass der Architekt im April seine Ergebnisse vorlegt und diese im Mai den Gemeinderäten vorgestellt werden. So lange wollte Utschneider aber nicht warten, wie er in einem von vielen Wort-Gefechten mit Rutz unterstricht. „Hier, jetzt und heute“ forderte er mehr Informationen. Und erfuhr, dass zu den bekannten Problemen – undichte Dächer und Fenster, veraltete Toiletten und Akkustikprobleme – auch die Statik im Foyer Sorgen bereitet.

Angst vor Terroranschlägen berücksichtigen

Noch gibt es keine Beschlüsse zum Umfang der Modernisierung, grob sind fünf Millionen Euro eingeplant. Die gleiche Zahl steht auch für die Inszenierung in der Auflistung Nunns für das Innenministerium. Wie sich was gewichtet, ist zum heutigen Stand jedoch noch völlig offen. Unterm Strich liege man mit 15 Millionen Euro für die Passionsvorbereitung Rutz zufolge aber gut. „Das ist sicher keine falsche Zahl.“ 2010 hatte das gesamte Spiel 31,8 Millionen Euro gekostet – davon rund 3,3 Millionen Euro die Inszenierung, 22 Millionen Euro haben die Honorare ausgemacht.

Maria Hochenleitner (BIO) stellte die Frage in den Raum, ob für 2020 nicht vorsichtiger kalkuliert werden muss – mit Blick auf „Weltereignisse“, womit wohl die Angst vor Terroranschlägen gemeint waren. Laut Rutz wird dies – weil verbunden mit Reisewarnungen für Amerikaner – ein Thema sein. „Deshalb sollten wir uns verstärkt auf den Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz konzentrieren.“ Letztlich gab es gegen die Stimmen von Hochenleitner, Utschneider und seinem Fraktionskollegen Michael Fux eine 6:3-Mehrheit für sein Zahlenwerk, verbunden mit der Empfehlung an den Gemeinderat, es zu genehmigen.

Zahlen 2016 im Überblick

Verfügbare Liquidität:

16,30 Millionen Euro

Finanzbedarf 2016:

3,51 Millionen Euro

Einnahmen:

Umsatzerlöse:

146 430 Euro

Die größten Ausgaben:

Passionstheater (mit Modernisierungsanteil):

1,24 Millionen Euro

Pilatushaus:

28 640 Euro

Kleines Theater:

58 140 Euro

Oberammergau Museum:

244 900 Euro

Umlage an die Gemeinden:

185 000 Euro

Vorbereitung Passion 2020:

523 000 Euro

Kapitalzufluss Passions-Vertrieb:

1 Millionen Euro

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