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Elegante Lösung: Die Unfallklinik verfügt über eigene Mitarbeiterwohnungen wie hier im Süden der medizinischen Einrichtung.

Rathaus-Verwaltung befragt Unternehmen des Ortes

Wohnraum – Murnaus große Mangelware

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Murnau – Das Problem ist bekannt: In Murnau fehlt Wohnraum – erst recht bezahlbarer. Doch schadet dieser Mangel auch dem wirtschaftlichen Wachstum? Es gibt Anzeichen dafür. Die Rathaus-Verwaltung will es genau wissen und geht der Sache in einer Umfrage unter den rund 1300 Gewerbetreibenden des Ortes auf den Grund. Das Ganze – Abgabetermin ist Anfang Dezember – läuft freiwillig und anonym ab.

„Damit schaffen wir einerseits belastbare Daten. Und andererseits möchten wir die Gewerbetreibenden vor Ort in etwas ganz Essentiellem unterstützen: Wohnraum für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden“, betont Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) laut einer Pressemitteilung. Denn zu wenig Unterkünfte könnten zur Folge haben, dass Firmen nur schwer Fachkräfte anwerben können. „Das wäre fatal für die lokale Wirtschaft“, sagt Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger. Umso wichtiger sei es, dass sich die Geschäftsleute möglichst geschlossen an dieser Befragung beteiligen. Nur so könnten repräsentative Daten gewonnen werden, die für das weitere Vorgehen hinsichtlich des (kommunalen) Wohnungsbaus von Bedeutung seien. Wie berichtet, wird das Thema derzeit in der Ortspolitik kontrovers diskutiert.

Bittlinger geht davon aus, dass Ende Dezember die Ergebnisse der besagten Studie vorliegen. Schon jetzt zeichnet sich seinen Angaben zufolge ab, dass die Firmen aufgrund der angespannten Wohnraumsituation negative Auswirkungen beklagen.

Wer aus beruflichen Gründen in den schmucken Markt am Staffelsee ziehen will, hat in der Tat ein Problem: Es ist nicht leicht, ein Zuhause zu finden. Auf der Internet-Plattform Immobilienscout 24, nach eigenen Angaben der Marktführer, standen gestern fünf Mietwohnungen und zwei -häuser zum Angebot – nicht gerade viel für ein Mittelzentrum mit rund 12 000 Einwohnern. Und die Preise – das kommt hinzu – sind happig. Die Kaltmieten liegen im Schnitt bei über zehn Euro.

„Unter 1000 Euro im Monat ist für Familien fast nichts zu machen“, sagt Herbert Bogner, Vorsitzender des Wirtschaftsfördervereins und Makler. Für ihn steht fest: „Wir brauchen günstigen Wohnraum.“ Gerade Firmen mit Jobs der unteren Lohngruppen hätten ein Problem damit, Leute zu finden. Seiner Ansicht nach müsste man Projekte mit Bauträgern angehen, die nicht in erster Linie gewinnorientiert arbeiten. Dazu zählten Genossenschaften oder kommunale Baugesellschaften. Allerdings bräuchten diese günstigen Grund.

Das Dilemma zu spüren bekommt beispielsweise Griesbräu-Chef Michael Gilg. „Das macht enorme Schwierigkeiten“, sagt der Gastronom. Ihm hätten potentielle Mitarbeiter wegen der hohen Murnauer Mieten schon abgesagt. In den großen Skigebieten in Österreich hätten sich Hoteliers zusammengetan, berichtet Gilg, und Appartement-Häuser für ihre Angestellten gebaut. Das wäre in Murnau auch denkbar, meint der Geschäftsmann, nur bräuchte man bezahlbare Flächen und ein großzügigeres Baurecht.

In der Pflegebranche ist es nicht anders: Das BRK-Seniorenheim brachte bislang Personal im eigenen Seehaus unter. Doch das Gebäude soll verkauft werden. Und das hat Konsequenzen: Laut Einrichtungsleiter Martin Herber spielen einige Mitarbeiter bereits mit dem Gedanken, sich einen anderen Arbeitsort zu suchen und wegzuziehen – in Regionen, in denen das Wohnen günstiger ist.

Die Unfallklinik als größter Arbeitgeber hat vorgesorgt – und betreibt rund 360 eigene Wohneinheiten, in denen etwa Azubis günstig unterkommen. Allerdings, berichtet Alexander Deeg, Leiter des Bereichs Verwaltung Allgemein, habe man heuer erstmals nicht alle Neuangestellten unterbringen können. In Murnau, so seine Einschätzung, herrsche „definitiv ein Mangel an Wohnungen“.

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