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Wunsch-Kandidat sagt Nein

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Die Erklärung einer Absage: Peter Fischer (M.) im Gespräch mit den Tagblatt-Redakteuren Matthias Holzapfel (r.) und Peter Reinbold.  Foto: Christine Polz
Die Erklärung einer Absage: Peter Fischer (M.) im Gespräch mit den Tagblatt-Redakteuren Matthias Holzapfel (r.) und Peter Reinbold. Foto: Christine Polz

Garmisch-Partenkirchen - CSU wird von Peter Fischers Absage nicht kalt erwischt und sucht neuen Bewerber fürs Bürgermeisteramt

Im Sternzeichen Jungfrau ist Peter Fischer geboren. Beschrieben werden diese Menschen als pflichtbewusst, zuverlässig, mit beiden Beinen auf dem Boden stehend. Ihr Handeln sei stets organisiert und strukturiert, denn Chaos und Improvisation sollen ihnen ein Graus sein. Alles Eigenschaften, die auf Fischer zutreffen. Deshalb hat er auch nicht gleich „juhu“ geschrien, als ihn die Christlich Soziale Union (CSU) von Garmisch und Partenkirchen fragte, ob er nicht für sie das Garmisch-Partenkirchner Rathaus zurückerobern wolle, das seit fünf Jahren vom CSB-Bürgermeister Thomas Schmid besetzt ist. „Es war ein Anfrage, die mich sehr geehrt hat. Ich sehe sie als große Anerkennung und Wertschätzung“, sagt der 59-jährige Vorsitzende des Skiclubs Garmisch. In den vergangenen Tagen ist Fischer in sich gegangen, hat gegrübelt, sich externen Rat geholt und nach intensivem Überlegen entschieden: Er wird es nicht tun. „Nein, ich trete nicht an“, sagte er gestern bei einem Gespräch in der Redaktion des Garmisch-Partenkirchner Tagblatts.

Die Entscheidung gegen die Kandidatur, die er den CSU-Strippenziehern Elisabeth Koch und Max Wank am Mittwoch mitgeteilt hatte - beide drückten ihr Bedauern aus - , war am Montagabend gefallen. Der Fischersche Familienrat, zu dem noch Ehefrau Frauke, Schwiegertochter Gabi und Sohn Florian zählen, tagte und kam zu dem Ergebnis, das sich seit dem Weltcup-Wochenende abgezeichnet hatte. „Sie haben mir abgeraten.“

Die Familie nahm zuletzt breiten Raum in Fischers Überlegungen ein, ob er als Herausforderer von Schmid im Fight der politischen Schwergewichte antreten solle. Da er einen „schmutzigen Wahlkampf“ befürchtete, sah er zunehmend die Gefahr, seine Familie könnte beschädigt werden. Das wollte er unter allen Umständen verhindern. „Sie ist mein höchstes Gut“, betont er. Seine Lieben sollten nicht unter seinem politischen Engagement - auch im Falle einer Wahl zum Bürgermeister - leiden. „Und das wäre unweigerlich passiert.“ Er sei ein Mensch, der sich nicht verbiegen lasse, der immer ehrlich sage, was er denke und auch so handle. Zur Politik gehöre die „so genannte Diplomatie“. Nach intensiver Prüfung seiner eigenen Persönlichkeit „habe ich festgestellt, dass ich deshalb nicht der richtige Mann für die Politik bin“.

So ganz stimmt das freilich nicht. Als er mit Koch und Wank, vor fünf Jahren in der Wahl um das Bürgermeisteramt Schmid unterlegen, zusammensaß, fragte ihn dieser, ob er sich vorstellen könne, für die CSU als Gemeinderat anzutreten. „Das hat er bejaht“, sagt Wank. „Dieses Amt kann ich mir vorstellen“, bestätigt Fischer.

Das Nein Fischers hat die Christ-Sozialen nicht kalt erwischt. Plan B schlummert nicht mehr in der Schublade, sondern ist bereits aktiviert. „Wir reden mit mehreren Männern und Frauen“, sagt Koch. Und Wank legt nach: „Wir verfügen über qualifiziertes Personal.“ Wer Wanks Ansage, die CSU müsse den Anspruch haben, „den Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen zu stellen“, in die Tat umsetzen soll, darüber hüllen sich die Fraktionsvorsitzende und der Gemeinderat in Schweigen. Koch, Rechtsanwältin von Beruf, und Gymnasiallehrer Wank, könnten auch als Maurer-Meister in Lohn und Brot stehen. „Wir lassen uns auf keine Aussage ein, weil wir mögliche aussichtsreiche Bewerber nicht beschädigen wollen“, sagt Wank.

Die Gerüchte, dass Koch - sie hat Ambitionen bislang stets heftig dementiert - selbst mit dem Gedanken spiele, auf das Kandidatenkarussell aufzuspringen, haben seit gestern neue Nahrung erhalten. Auch wird vermehrt der Name Claus Gefrörer genannt. Die Spekulation um Gefrörer, der in Garmisch-Partenkirchen an einer Steuerberatungs-Kanzlei beteiligt ist, wollte Koch nicht bestätigen. Sie nennt ihn „einen klugen Kopf“. Und Gefrörer ist seit gestern Chef der CSU Garmisch. Ambitionen werden auch Wolfgang Bauer nachgesagt, den die CSU Partenkirchen am Mittwoch zum Vorsitzenden gewählt hat. Der Weg für sie ist jetzt frei, nachdem Fischer abgesagt hat.

Peter Reinbold

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