Strahlende Dritte: Laura Dahlmeier (r.) neben Síegerin Dorothea Wierer und Aleksandra Alikina. foto: Sipla

Zäher Kampf um den letzten Schuss

Garmisch-Partenkirchen - Laura Dahlmeier liefert perfektes Verfolgungsrennen ab und holt Bronze - Doping-Kontrolle wird zu einer Endlos-Zeremonie

„Es ist krass.“ Mehr fiel Laura Dahlmeier in dem Moment nicht ein. Hatte sie doch glatt die Bronzemedaille in der Verfolgung gewonnen. Sie, die 17-Jährige, das Küken im deutschen Team. „Damit hab’ ich wirklich nicht gerechnet, dass das so schnell geht.“ Doch bei Ausnahmetalenten passiert so etwas eben. Dahlmeier gilt als solches in der Biathlon-Szene, und allzu viele Experten wird sie mit ihrem Coup bei den Junioren-Weltmeisterschaften auch nicht überrascht haben.

Dass sie nach Rang 14 im Sprint zum WM-Auftakt noch aufs Podest nach vorne stürmte, das war freilich schon sehr bemerkenswert und nicht unbedingt zu erwarten. Ihr gelang ein Husarenritt an diesem Sonntag im tschechischen Nove Mesto na Morave.

„Für mich war klar, dass ich am Anfang zweimal null schießen musste, um nach vorne zu kommen.“ Das funktionierte perfekt. Liegend ließ die Garmisch-Partenkirchnerin nichts anbrennen. Und tatsächlich arbeitete sie sich langsam durchs Feld in Richtung Spitze. Alle ihre Konkurrentinnen patzten am Schießstand, Dahlmeier zog ihr Programm eisern durch. „Ich war auch ständig mit guten Läuferinnen auf der Runde, das war ideal. Ich hab’ die beiden Norwegerinnen zwar nicht ganz halten können, aber so kam wirklich eine gute Laufzeit raus.“ Tiril Eckhoff und Ane Nossum waren die beiden Mitstreiterinnen, die zur letzten Stehend-Einlage auch einige Sekunden vor Dahlmeier ankamen, dann aber jeweils zwei Ziele verfehlten und sich damit aus dem Rennen um Bronze rausschossen.

Gold und Silber waren zu diesem Zeitpunkt bereits wieder an die beiden Besten des Sprints, Dorothea Wierer (Italien) und Aleksandra Alikina (Russland), vergeben. Dahlmeier hatte beim letzten Schießen nach vier guten Treffern mächtig zu kämpfen. „Ich hab’ genau gewusst, wenn ich den Schuss versemmle, dann ist die Medaille weg“, blickt sie zurück. „Ich war wackelig, deshalb hab’ ich zweimal neu aufgebaut.“ Und sie traf - viermal null Fehler. „Ich hatte so Angst, dass der daneben geht.“

Als Dritte verließ sie den Stand - die Russin Olga Galich noch im Genick. Sechs Sekunden trennten die beiden Bronze-Aspirantinnen. „Ich hatte dann nur die Info, dass ich Vollgas laufen sollte“, sagt die WM-Debütantin. Die Verständigung mit den Trainern an der Strecke sei nicht einfach gewesen. „Da war ein Schweizer mit einer riesigen Kuhglocke, ich hab’ fast nichts verstanden.“

An einem Anstieg blickte sie sich um. Sie wollte den Abstand sehen. „Da bin ich schon in bisschen erschrocken, als sie schnell kam.“ Doch bei der Bergauf-Passage täuschte die Optik. Für Dahlmeier war’s vielleicht sogar gut. „Ich hab’ dann alles gegeben, denn ich wollte mich nicht mehr überholen lassen.“ Sie musste sich keine Sorgen machen. Mit der zweitschnellsten Zeit auf der Schlussrunde im gesamten Feld brannte nichts mehr an. Die erste Medaille war unter Dach und Fach.

Schon der Sprint am Samstag hatte die Werdenfelserin ganz positiv gestimmt. „Mit drei Schießfehlern Rang 14, das hat schon gepasst.“ Bei ihrem ersten großen internationalen Einsatz war sie nur etwas verhalten angegangen. „Ich hatte ein bisschen schwere Füße“, gibt sie zu. Eine Prise Nervosität kam auch dazu. „Da waren die ganzen Kameras, Pressekonferenzen, man kennt keinen. Das war schon anders als sonst.“ Doch der Sprint war im Endeffekt so etwas wie eine Beruhigungspille für die junge Athletin. In der Verfolgung war von Stress oder Lampenfieber nichts mehr zu sehen.

Probleme bereitete Dahlmeier lediglich die Doping-Kontrolle. „Mein Urin war immer zu dünn“, erklärt sie. „Ich hatte im Ziel gleich viel getrunken, als ich wusste, dass ich dran komme.“ So wurde daraus ein ewiges Zeremoniell, das nur abends durch die Siegerehrung durchbrochen wurde. „9:15 Stunden hat es insgesamt gedauert.“ Ein Horror. Da war nicht viel mit Feiern über das erste Edelmetall.

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