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Werden immer mehr: Füchse, die auch innerhalb von Ortschaften ihr Fressen suchen.

Frau hat gewohnte Route geändert

Der Fuchs geht um - Zeitungsausträgerin in Angst

Riegsee - Seit 35 Jahren trägt Anneliese Bernhard in Riegsee das Murnauer Tagblatt aus. Bisher ohne große Zwischenfälle: Doch seit vier Wochen muss sie sich fürchten. 

Aus mit der Ruhe, frühmorgens um fünf. Seit gut vier Wochen hat Anneliese Bernhard aus Riegsee beim Zeitungsaustragen einen unerwünschten Begleiter, einen vierbeinigen Fuchs. „An der Seestraße am Campingplatz wartet er meist schon, hupft mir vors Radl und je schneller ich dann fahr’, umso schneller läuft er mit“, erzählt die 72-Jährige. „Der ist entweder jung und lustig, oder blöd im Kopf.“ Genau weiß sie es natürlich nicht. Getan hat er ihr bislang noch nichts, trotzdem hat sie Angst. Mittlerweile trägt sie einen Stock bei sich und hat die Taschen voller Split, zum Werfen, für den Fall der Fälle. Diese Angst hat auch dazu geführt, dass Bernhard, die diese Arbeit seit 35 Jahren macht, nun ihre gewohnte Route geändert hat. Diejenigen, die bisher zuerst dran waren, bekommen jetzt später die Zeitung. Wegen ihres neuen Begleiters trägt sie zuerst innerorts aus und wagt sich erst in die Außenbereiche, wenn es langsam hell wird. Sie weiß, dass das manchen nicht passt. „Aber was soll ich tun? Einmal hab ich ihm den Stecken draufgehauen, aber er war bald wieder da.“

Dass der Fuchs nicht etwa ein Hirngespinst ist, können mittlerweile ihr Mann und vier Jäger bestätigen. Eine Vermutung hat Bernhard, warum der Fuchs so aktiv im Ort unterwegs ist. „Es gibt Leute, die legen Katzenfutter vor die Tür, auch, um Igel damit zu füttern.“ Sie hält es für möglich, dass das Tier in er Nähe des Campingplatzes geboren und aufgewachsen ist, und deshalb keine Scheu vor Menschen hat.

Einer der Jäger, der den Fuchs gesehen hat, ist Franz Hohenrainer aus Ohlstadt. „Ein wunderschönes Tier“, sagt er, „der ist ganz bestimmt nicht krank. Aber er legt nunmal kein artgerechtes Verhalten an den Tag.“ Deshalb hat Hohenrainer schon fünf Fallen aufgestellt, um das Tier lebend aus dem Ort abtransportieren und dann eventuell „entnehmen“ zu können. Zum Aufstellen der Fallen braucht er jeweils die Genehmigung der Grundeigentümer. Doch der Fuchs, der ist schlau. Bisher ist er noch nicht darauf hereingefallen. Innerorts darf ein Jäger normalerweise nicht schießen, außer er hat eine Sondergenehmigung – die hat Hohenrainer, „zum Fangen und Entnehmen von Haarwild in befriedeten Gebieten“. Allerdings braucht er auch hierzu das Okay der Grundeigner – das hat er noch nicht. „Wir schießen normalerweise kaum Füchse, weil sie bei uns durch die Räude stark dezimiert worden sind.“

Eine, die logischerweise dafür plädiert, nicht gleich zum Gewehr zu greifen, ist Tessy Lödermann vom Tierschutzverein Garmisch-Partenkirchen. „Der Fuchs ist entweder da geboren und weiß, dass er bei den Leuten was holen kann“, meint sie. „Oder er ist eine Handaufzucht. Wir hier im Tierheim versuchen, solche Füchse, die wir großziehen, sehr scheu zu halten.“ Dass der tierische Begleiter der Zeitungsausträgerin krank sein könnte, glaubt Lödermann nicht. „Tollwut gibt es in Bayern seit Jahrzehnten nicht mehr. Räude schon, aber die sieht man. Den Tieren geht das Fell aus, sie werden blind. Der Tierschutzverein hat solche Füchse schon reihenweise eingefangen und erlöst.“ Das Problem sei nämlich, dass Räude auch auf Hunde übergehen kann. „Den Kontakt mit Wildtieren empfindet jeder anderes“, sagt Lödermann. „Viele freuen daran. Ich verstehe aber auch, wenn man dabei ein schlechtes Gefühl hat.“ Den Riegseer Fuchs könnte man lebend fangen und wegbringen. Geschossen werden sollte nur, wenn Ordnung und Sicherheit in Gefahr ist. Schließlich sei der Fuchs als Mäusejäger auch ein wichtiger Teil im Ökosystem.

Auch Amtstierarzt Dr. Roland Schneider gibt Entwarnung, zumindest in Sachen Tollwut. Aber: „Füchse gehen in bewohnte Gebiete, weil sie da Fressen finden. Vor allem Komposthaufen sind für sie attraktiv. Haustiere sollten von ihnen ferngehalten werden, da sie Krankheiten übertragen, vor allem auf junge Tiere.“

Michaela Sperer

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