Zirler Berg: Murnauer fühlt sich abgezockt

Murnau - Tiroler Polizisten baten Jimi Hammer vor dem Zirler Berg zur Kasse - zu Unrecht, wie er später erfuhr. Ihm geht es nun darum, aufzuklären und anderen ähnlichen Ärger zu ersparen.

Jimi Hammer lamentiert nicht wegen der 25 Euro, die Polizeibeamte ihm abknöpften - ihm geht es ums Prinzip: „Die Sache verletzt mein Rechtsempfinden“, sagt der Murnauer, der nicht an einen Einzelfall glaubt.

Noch immer wurmt Hammer eine Geschichte, die sich bereits im Spätsommer in Tirol abgespielt hat. Familie Hammer reiste zu dritt mit Pkw und Klein-Wohnanhänger in den Urlaub. Ziel: Italien. Auf einem Parkplatz direkt vor dem Zirler Berg zogen zwei Polizisten, die nach Angaben Hammers erklärten, „vom Brenner zu kommen“, das Gespann aus dem Verkehr: „Sie behaupteten, wir dürften mit schwerem Hänger nicht runterfahren. Nur wenn wir 25 Euro zahlen, könnten wir weiter.“ Das kam Hammer „gleich total schräg vor“ - sich quasi die Erlaubnis zum Regelverstoß erkaufen zu können. Als Alternative habe der Familie ein sofortiger Besuch auf der Wache gedroht.

Hammers „seltsames Gefühl“ sollte sich bestätigen. Klar ist: Die Murnauer durften sehr wohl mit ihrem Hänger den steilen Zirler Berg hinabfahren, lediglich die umgekehrte Richtung, also von Zirl nach Scharnitz, wäre im vorliegenden Fall verboten gewesen - das bestätigt eine Expertin des Automobil- und Touringclubs Tirol (ÖAMTC Tirol), und das stellt auch ein Vertreter der zuständigen Bezirkshauptmannschaft in Innsbruck nicht in Abrede. Natürlich könne einmal ein Fehler passieren, sagt Strafreferent Christoph Schwarz - doch gerade im vorliegenden Fall hält er einen solchen für unwahrscheinlich. Die Polizisten seien sehr gut geschult, und die Fahrverbotsregelung am Zirler Berg „kriegen sie schon in ihrer ersten Stunde mit“. Auch die Kollegen vom Brenner wüssten Bescheid. „Ist der Herr nicht vielleicht doch hinaufgefahren?“ Keinesfalls, betont Hammer.

In solchen Situationen gilt generell: ruhig Blut, emotional runter vom Gas. Das betont Maximilian Maurer, Pressesprecher des ADAC in München: „Nur nicht aufregen, den starken Mann markieren und sich zu Äußerungen hinreißen lassen, die missverstanden werden können. Die Polizei sitzt immer am längeren Hebel.“ Er rät indes, sich davon zu überzeugen, dass es sich um „echte“ Ordnungshüter handelt und nicht um Gauner, die Touristen abzocken, sowie sich Namen geben zu lassen, um weitere Überprüfungen anstrengen zu können: „Höflich miteinander reden, wenn einem Ungereimtheiten auffallen“, empfiehlt Maurer. Wer aber nicht bezahle, „steht da und hat erst mal Ärger“. Den Zeitverlust würde er persönlich bei 25 Euro noch nicht riskieren. Grundsätzlich meint Maurer: „Es kommt schon mal vor, dass Polizeibeamte etwas annehmen, das nicht der Realität entspricht.“

Die „Organstrafverfügung“ gerichtlich überprüfen zu lassen, bringe in der Regel nichts, stellt Maurer klar. Das Geld werde er nicht wiedersehen, hörte Hammer auch von der ÖAMTC-Expertin, die er zuletzt kontaktiert hatte, nachdem ihm der verloren geglaubte Strafzettel in die Hände gefallen war: Da er bezahlt habe, werde kein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet - und damit bestehe auch keine Möglichkeit des Einspruchs. (sj)

Auch interessant

Kommentare