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Noch ist alles wie immer: Max Zitzmann sitzt in seinem Büro an seinem Schreibtisch und arbeitet.

Weniger Fläche, dieselbe Miete

Zitzmann Spielzeugland: Der Kampf ums Fortbestehen

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Garmisch-Partenkirchen - Die Tür scheint zugeschlagen, Max Zitzmann möchte sie wieder öffnen. Der Geschäftsmann, dessen Spielzeugladen nach fast 70 Jahren vor dem Aus steht, hat der Gemeinde ein neues Angebot unterbreitet.

Max Zitzmann gibt nicht auf. Er kämpft um den Fortbestand seines Lebenswerks – und das seines Vaters. Am 20. Januar hat er bei Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) einen Antrag auf Verlängerung des Mietvertrags für die Geschäftsräume am Richard-Strauss-Platz 2, wo er das „Zitzmann Spielzeugland“ betreibt, abgegeben – diesmal auf fünf Jahre. „Ich musste diesen Weg gehen, damit das, was wir in den vergangenen 70 Jahren geleistet haben, nicht ganz umsonst war.“ Zu diesem Schritt sah er sich genötigt, nachdem der Finanzausschuss des Garmisch-Partenkirchner Gemeinderats eine Verlängerung des Mietvertrags bis zum 31. Dezember 2017 mehrheitlich abgelehnt hat. Meierhofer hatte pro Zitzmann votiert, war im elf Mitglieder zählenden Gremium aber überstimmt worden.

Danach tat sich ein Graben zwischen Rathaus-Chefin und einigen Ausschussmitgliedern auf. Zum Wortführer schwang sich Florian Hilleprandt, Fraktionsvorsitzender des Christlich Sozialen Bündnisses (CSB), auf. Er warf ihr in einer E-Mail vor, das Tagblatt „unvollständig, tendenziös und falsch“ unterrichtet und die Ausschussmitglieder „in Misskredit“ gebracht zu haben – und erntete dafür Beifall von CSU-Frontfrau Elisabeth Koch und Freie-Wähler-Chef Florian Möckl. Am Dienstag legten Hilleprandt, Möckl, Koch sowie Robert Allmann (SPD), Andreas Grasegger (Bayernpartei) und Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen) noch einmal nach. In einer Pressemitteilung weisen sie darauf hin, dass Gemeinde und Zitzmann im Juni 2015 einen Mietaufhebungsvertrag geschlossen haben, der „auch im Wunsch und Willen des Geschäftsinhabers“ lag. Hilleprandt nennt das gar ein „Totschlagargument“. Dem widerspricht Zitzmann. „Ich habe dem Ende des Mietverhältnisses nur zugestimmt, weil ich im Gegenzug dafür die Verlängerung zunächst bis zum 30. Juni 2016 und dann bis zum 31. Dezember 2016 erhalten habe. Das hat mir etwas Luft verschafft.“

Wie geht's weiter mit dem Spielwarengeschäft? 

Der Mietaufhebungsvertrag scheint allerdings nicht der alleinige Grund für die Entscheidung contra Zitzmann gewesen zu sein. Die Mitglieder des Finanzausschusses wollten nicht, dass sich der Markt gegenüber Mitbewerbern „angreifbar macht“. Apropos Mitbewerber: Wer soll das sein? Die Marktgemeinde plant, so ließ Meierhofer verlauten, in dem braun-roten Haus in Sichtweite der Fußgängerzone in absehbarer Zeit GaPa-Tourismus einziehen zu lassen. Jetzt hat der Finanzausschuss in seiner Sitzung am 12. Januar, die das Aus für die Firma Zitzmann bedeuten könnte, die Verwaltung beauftragt, bis spätesten Juni ein Konzept für die weitere Nutzung der Räumlichkeiten zu erstellen. Allerdings soll es im vergangenen Jahr einen zweiten Bewerber neben Zitzmann für die Immobilie gegeben haben. Spekulationen zufolge soll es sich dabei um den Baulöwen Franz Hummel gehandelt haben, der zu Zeiten von Ex-Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) mit der Gemeinde gut im Geschäft war – und es jetzt wieder ist. Hummel hat sich große Teile der ehemaligen Aurelis-Flächen in Bahnhofsnähe gesichert. Es hält sich im Ort hartnäckig das Gerücht, Hummel plane dort ein weiteres Einzelhandelszentrum zu errichten. „Das ist mir neu, davon weiß ich nichts“, sagt Meierhofer.

In der Verwaltung, so mutmaßt Zitzmann, habe er genauso wenig Fürsprecher wie im Finanzausschuss. Die Gegner sind in der Überzahl. Zu denen muss Hilleprandt gerechnet werden, ein enger Gefolgsmann von Schmid, mit dem Zitzmann über Jahre in Clinch lag. Hilleprandt, der Schmid nach dessen Abgang nach München als CSB-Chef beerbt hat, schreibt davon, dass „wir durch eine Mietverlängerung die Monopolstellung des Herrn Zitzmann mit einem Niedrigstmietzins in Garmisch-Partenkirchen weiter subventioniert hätten. Das wäre keine Wirtschaftsförderung, sondern eine klare Bevorzugung eines einzelnen Unternehmers gegenüber anderen“.

Neuer Vorschlag von Zitzmann

Dass man ihm zum Vorwurf macht, er sei der einzige Spielzeugladen in Garmisch-Partenkirchen, quittiert Zitzmann mit Kopfschütteln. „Ich kann doch nichts dafür, dass alle früheren Wettbewerber nicht mehr existieren.“ Die Behauptung, er zahle eine niedrige Miete, nennt der 57-Jährige „ruf- und geschäftsschädigend“ und halte einer sachlichen Betrachtung nicht stand. 72 000 Euro überweist er pro Jahr für ein Gebäude, das in einer 1b-Lage liegend bewertet wird, auf eines der Gemeindekonten. Um „mit dieser Mär aufzuräumen“ legt er offen, was er für welches Stockwerk zahlt: Die Miete im Erdgeschoss beläuft sich auf 35 Euro pro Quadratmeter, die im Obergschoss im Mittel auf 7 Euro, das Dachgeschoss und der Keller, beides nur als Lager nutzbar, kommt auf pauschal 300 Euro. Zudem habe er in den vergangenen Jahren mehrere 10 000 Euro in die Sanierung des Objekts gesteckt.

Trotz aller Probleme, die zwischen ihm, der Verwaltung und der Politik aufgetreten sind, wagt Zitzmann mit seinem Antrag auf Verlängerung um fünf Jahre einen Neuanfang. Er bewegt sich mehrere Schritte auf die Gemeinde zu. Er bietet an, die von ihm angemietete 750-Quadratmeter-Fläche um 200 Quadratmeter zu reduzieren, aber dieselbe Miete wie bisher zu berappen. „Unsere Zahlung dürfte die bauliche Erweiterung im Obergeschoss über dem Foyer des Olympiasaals für Büroräume der Tourismusverwaltung erwirtschaften“, meint Zitzmann.

Sollten sich Zitzmanns Wünsche erfüllen – die Wahrscheinlichkeit ist eher gering, weil die Widerstände im Finanzausschuss groß sind – könnte er sich vorstellen zu expandieren – in Richtung Partenkirchen, in Richtung Ludwigstraße. „Das ist ein Gedankenmodell, das allerdings nur zum Tragen kommt, wenn das Hauptgeschäft auf einer soliden Basis steht.“

Zitzmann gibt nicht auf – die Beschäftigten ebenfalls nicht. Die von Angestellten initiierte Unterschriftenaktion zur Rettung des Geschäfts läuft. Zitzmann zufolge liegen Listen in Kindergärten, Schulen bei Vereinen und bei Geschäfts-Kollegen aus. „Die Resonanz ist gut.“ Er freut sich über die Unterstützung aus der Bevölkerung. Immerhin etwas in tristen Zeiten.

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