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Eine der Aufgaben des Murnauer Wirtschaftsförderers: die Entwicklung des Gewerbegebiets Kemmelpark.

Zoff im Murnauer Gemeinderat

Wirtschaftsförderer Bittlinger in der Schusslinie

Murnau – Dicke Luft hat jetzt im Murnauer Marktgemeinderat geherrscht. In die Haare gerieten sich Welf Probst (Freie Wähler) und Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger.

Zum Hintergrund: Die Freien Wähler hatten einen Sachstandsbericht zum Thema Wirtschaftsförderung/Gewerbe beantragt. Eine von Bittlingers ersten Maßnahmen sei es gewesen, die Unternehmen und Betriebe anzuschreiben und einen Besuch anzukündigen. „Jedoch haben uns mehrere Unternehmen mitgeteilt, dass auf die schriftliche Ankündigung vor über einem Jahr bislang keinerlei Taten folgten“, heißt es in dem Antrag. Daher baten die Freien Wähler um einen Sachstandsbericht im Hinblick auf die bereits erfolgten Gespräche.

    „Viele haben geglaubt, dass Sie kommen“, sagte Maria Schägger (Freie Wähler) in Richtung Bittlinger. CSU-Vertreter stimmten ein in die Kritik. „Es fühlen sich viele vernachlässigt“, merkte Lorenz Brey an. Und Regina Samm erklärte: „Im Innenbereich gibt es sehr viele, die sagen, da muss sich was ändern.“ Seit September 2015 bestand nach Bittlingers Angaben Kontakt zu circa 250 Unternehmen. Er schätzt, dass es in Murnau insgesamt 2000 bis 2500 Firmen inklusive der Freiberufler gibt. „Es nimmt eine Zeitlang in Anspruch, bis man die alle kontaktiert hat“, betonte der Wirtschaftsförderer. Innerhalb von zwölf Monaten sei das nicht zu schaffen. Bittlinger wies ferner drauf hin, dass der „Arzt kommt, wenn die Patienten ein Problem haben“. Jeder, der anrief, habe einen Termin bekommen.

    Freien-Sprecher Probst kritisierte dann noch, dass Bittlingers Job „nicht Meinungsbildung“ sei, sondern Wirtschaftsförderung. Probst bezog sich damit auf Bittlingers Aktivitäten in Sachen Verkehrsberuhigung im Untermarkt sowie in puncto Wohn- und Gewerbeimmobilie im Kemmelpark. Irgendwann riss dem Freien-Chef die Hutschnur. „Sie haben eine Art, die ist nicht akzeptabel“, warf er Bittlinger vor. Dieser konterte: „Ich lasse mir von Ihnen nicht in mein Aufgabengebiet reinreden.“ Probst forderte daraufhin Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) auf, Bittlinger zu sagen, „wo die Grenze liegt“. Der Rathauschef bemühte sich um Deeskalation. „Es wäre gut, wenn der Blutdruck sinkt.“

    Auf Nachfrage erklärte Probst gegenüber dem Tagblatt, dass sich Bittlinger seiner Ansicht nach „zu viel herausnimmt“. Der Wirtschaftsförderer sagt: Wäre er nicht auf Bitten der Einzelhändler im Untermarkt eingegangen und hätte er nicht deren Anliegen (Verkehrsberuhigung) in die Verwaltung eingebracht, hätte man ihm zu Recht vorgeworfen, dass er die Nöte der Händler nicht ernst nehme. Auch im Hinblick auf den Kemmelpark, für dessen noch freies Filetstück die Verwaltung eine flexible Wohn- und Gewerbeimmobilie ins Spiel brachte, kann Bittlinger Probsts Vorwurf nicht verstehen. „Die Verwaltung macht Vorschläge, der Gemeinderat entscheidet.“ Dennoch: „Wenn meine Wortwahl zu hart war, möchte ich mich insbesondere bei Herrn Probst entschuldigen.“ Die Frage der Freien, wie Bittlinger mit festgestellten Problemen umgehe, beantwortete dieser übrigens wie folgt: „Es wird versucht, Probleme zu lösen, Fragen schnell zu klären“ – und dort, wo eine sofortige Lösung nicht möglich sei, die Probleme mittelfristig zu beseitigen.

    Bürgermeister Beuting bat die Gemeinderäte noch in der Sitzung, sich zu melden, „wenn es irgendwo hakt“, also wenn ein Betrieb Beratungsbedarf hat.

Roland Lory


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